CMC Markets: DAX in Wartestellung – EZB-Entscheid: Dammbruch oder Ebbe an den Börsen?

CMC Markets: Für Trader ist heute ein guter Tag, denn endlich endet die Phase der Spekulationen um die Entscheidung über den weiteren geldpolitischen Kurs der Europäischen Zentralbank und damit könnten die Kurse wieder eine Richtung einschlagen. Die Investoren und Anleger hatten Zeit sich eine Meinung zu bilden und so war der Handel der letzten Tage geprägt von einer wenig volatilen Seitwärtsbewegung und dem Warten auf das Ergebnis. Um 13:45 Uhr deutscher Zeit soll die Zinsentscheidung verkündet werden und um 14:30 Uhr dann die Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi folgen.

Mit positiven Vorgaben aus den USA, geht der DAX gegenwärtig bei knapp 9.915 Punkten in Stellung. Gestern Abend hatte das Beige Book, ein monatlicher Konjunkturbericht der amerikanischen Notenbank, eine weitere „verhalten bis moderate“ Erholung der US-Wirtschaft ausgewiesen. Dem S&P 500 verhalf das zu einem kleinen Plus von 0,2 Prozent* und damit neuem Rekordhoch bei 1.927 Zählern. Der MDAX wiederum geht mit einem Indexstand von momentan 16.865 Zählern an den Start.

Die Einzelhandelsumsätze im Euroraum konnten den DAX am Vormittag kaum bewegen. Im April zogen die Umsätze im Vergleich zum Vormonat um 0,4 Prozent zu, während Analysten lediglich 0,1 Prozent*** erwartet hatten. Auf Jahressicht setzten die Einzelhändler im Euroraum sogar 2,4 Prozent mehr ab.

Seitdem EZB-Präsident Draghi auf der Pressekonferenz letzten Monat davon sprach, dass der EZB-Rat sich damit wohl fühle, beim nächsten Mal zu handeln, hat sich an den Märkten ein erheblicher Spannungsbogen mit großen Erwartungen aufgebaut. Zu jenem Zeitpunkt war der EUR bis auf 1,40 US-Dollar angestiegen und bedrohte damit nicht nur die wirtschaftliche Erholung vor allem der südlichen Euroländer, sondern trug zusätzlich zu den existieren Deflationssorgen bei. Zahlreiche Kommentare europäischer Notenbanker fütterten im Nachgang noch die Hoffnungen auf zusätzliches billiges Geld aus Europa und halfen damit den EUR bis auf das aktuelle Niveau von rund 1,36 US-Dollar zu drücken.
Nun erwarten die Marktteilnehmer allerdings auch ein Geschenk, die Frage die sich stellt ist allerdings, wie groß dieses ausfallen wird und ob der Markt sich damit zufrieden geben wird. Eine Leitzinssenkung von aktuell 0,25 Prozent auf möglicherweise 0,15 Prozent oder noch geringer gilt dabei als fast ausgemacht. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte könnte die EZB zudem auch einen Strafzins für das Geld beschließen, dass Banken bei der Notenbank parken. Weiterhin könnten Banken 40 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden, die dann als Kredite an Unternehmen vor allem in Südeuropa weitergegeben werden sollen. Die Hoffnungen auf ein massives Wertpapierkaufprogramm nach amerikanischem Vorbild hingegen dürften damit gestorben sein.

Die Frage die sich stellt, ist, ob der Grund für die niedrige Kreditvergabe in Südeuropa nicht an einem Mangel an Nachfrage aufgrund der darbenden Wirtschaft liegt. Auch stellt sich die Frage, ob im Hinblick des Bankenstresstestes und der Aufgabe weniger risikobehaftete Kredite in den Büchern zu führen, hier nicht ein Widerspruch entsteht. Dass alleine das Anschmeißen der Notenpresse die Divergenz in der europäischen Wirtschaftsentwicklung, Deutschland boomt, Frankreich stagniert und in Italien schrumpft die Wirtschaft sogar, aufheben kann, daran dürfte allerdings ohnehin keiner glauben. Das Beispiel Japans sollte eine Warnung sein.

Im Endeffekt könnte das Maßnahmenpaket einfach ein Versprechen an die Märkte darstellen, dass die Zinsen im Euroraum niedrig bleiben werden und damit auch Versuch, den EUR weiter zu drücken was wiederum die Inflation antreiben könnte.

Ob dies ausreichen wird um die Investoren zum Kauf weiterer Aktien zu überzeugen wird sich zeigen. Zumindest existiert kein Mangel an Liquidität. Aus charttechnischer Sicht bleibt der bullische Trend des DAX zudem weiterhin ungebrochen und macht auch eine kurzfristige Spitze an die 10.000-Punkte-Marke möglich. Über 10.000 Punkten liefert uns die Fibonacci-Kursprojektion ein potenzielles Kursziel um 10.230 Punkte. Eine Korrektur könnte zunächst von der charttechnischen Unterstützung um das Ausbruchsniveau bei 9.800 Punkten aufgefangen werden. Sollte der Index unter 9.660 Punkte fallen, würde sich das Chartbild kurzfristig eintrüben.

Die Entscheidung über die Auswertung der heutigen Pressekonferenz dürften allerdings die US-Märkte fällen. Hier hat der S&P 500 gestern ein neues Rekordhoch bei 1.927 Punkten erreicht. Die jüngsten Allzeithochs wurden allerdings mit den geringsten Handelsumsätzen des gesamten Jahres erreicht.

Tage wie dieser machen die Börse so interessant und zu diesem Anlass ein Zitat von Börsenguru Andre Kostolany: An der Börse ist alles möglich, auch das Gegenteil.

Vorbörslich handelt sowohl der Dow Jones als auch der S&P 500 fast unverändert zum Vortagesschlusskurs.
* Gegenüber dem Vortagesschlusskurs
** Gegenüber der Vorperiode
*** Bei Prognosen handelt es sich um Zahlen, die vom Nachrichtenprovider Dow Jones International Ltd. zur Verfügung gestellt werden

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