Corona-Krise beendet Aufschwung am Immobilienmarkt

Helaba: Wir haben immer wieder betont, dass der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt gemessen an historischen Erfahrungen bereits überdurchschnittlich lange andauert, deshalb aber keineswegs an Altersschwäche sterben muss. Seit Mitte der 70er Jahre wurde jedoch jeder Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt von einer Rezession beendet (vgl. Chart).

Die Stärke des nun zu erwartenden Abschwungs am Immobilienmarkt wird von der Dauer der wirtschaftlichen Restriktionen zur Eindämmung der Pandemie sowie von der Wirksamkeit der ergriffenen geld- und fiskalpolitischen Maßnahmen abhängen.

Das Maßnahmenpaket der EZB sichert zwar die extrem niedrigen Zinsen über einen noch längeren Zeitraum. Dies ist jedoch keine hinreichende Bedingung für eine Fortsetzung des Immobilienaufschwungs. Denn nicht zuletzt infolge dieser niedrigen Zinsen waren die Immobilienwerte seit Jahren deutlich stärker gestiegen als die Mieten. Die dadurch anspruchsvoll gewordene Bewertung hat die Märkte grundsätzlich korrekturanfälliger gemacht.

 

 

Generell darf nicht vergessen werden, dass Immobilien überwiegend nicht börsennotiert sind und die Preise üblicherweise zeitverzögert auf exogene Schocks reagieren.

Dass die aktuellen Geschehnisse nicht spurlos am Immobilienmarkt vorbeigehen, darauf deutet auch die Kursentwicklung deutscher Immobilienaktien hin, die den Einbruch des Gesamtmarktes mitvollzogen haben – lediglich die Stärke der Korrektur war weniger ausgeprägt als beim Leitindex DAX.

 


 

Platzen einer Blase, Korrektur oder nur Seitwärtsbewegung?

Angesichts der Schärfe der zu erwartenden Rezession gehen wir davon aus, dass der Aufschwung am deutschen Immobilienmarkt vorbei ist. Wie es dann genau weitergeht, ist derzeit jedoch noch schwer abzuschätzen.

Trotz teilweise anspruchsvoller Bewertungen halten wir es für wenig wahrscheinlich, dass nun am hiesigen Immobilienmarkt „eine Blase platzt“ und es deshalb zwangsläufig zu einer scharfen Korrektur kommt. Gerade der deutsche Immobilienmarkt hat sich in der Vergangenheit im internationalen Vergleich als weniger volatil erwiesen. Daher gehen wir auch diesmal davon aus, dass es insgesamt nur zu moderaten Wertrückgängen kommt.

Dabei werden allerdings die einzelnen Nutzungsarten ganz unterschiedlich betroffen sein. Im Gegensatz zur Finanzkrise dürften in der aktuellen Krise vor allem Einzelhandelsimmobilien und Hotels unter Druck kommen. Eine mittlere Betroffenheit erwarten wir für Büroimmobilien – je nachdem, wie stark trotz der politischen Stützungsmaßnahmen Beschäftigung abgebaut wird. Wohnimmobilien vor allem in den Ballungsräumen könnten vielleicht sogar mit dem „blauen Auge“ einer längeren Seitwärtsbewegung davonkommen.

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge