Die Anleger in Frankfurt zögern – US-Senat winkt Rettungspaket durch

Bernstein Bank: „Sell the news“ oder Zweifel an der finalen Verabschiedung des Monster-Rettungspakets in den USA? Der DAX hat am Donnerstag erst einmal zurückgesetzt. Auf dem Parkett kursierten Sorgen über Amerika als neues Epizentrum der Seuche.

Verbraucher und Exporteure mit Corona-Depression
Der deutsche Leitindex verlor am Donnerstagmittag 2,1 Prozent auf 9.664 Zähler. Die Stimmung der Verbraucher in Deutschland leidet kräftig unter den wirtschaftlichen Auswirkungen von Covid-19. Für April prognostizierten die Marktforscher der GfK einen Rückgang ihres Konsumklima-Barometers um 5,6 Zähler auf 2,7 Punkte. Niedriger war der Wert zuletzt im Mai 2009 im Zuge der Finanzkrise. Verständlicherweise sind auch die deutschen Exporteure enorm skeptisch. So brach das Ifo-Barometer für die Exporterwartungen der Industrie von minus 1,1 auf minus 19,8 Punkte ein. Das ist der stärkste Rückgang seit der Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Mai 2009.

US-Senat winkt Rettungspaket durch
In der Nacht hatte der US-Senat nach einigem Hin und Her mit 96 zu 0 den gigantischen Stimulus in Höhe von 2 Billionen Dollar durchgewinkt. Die für uns interessanteste Regelung ist das Helikopter-Geld: 1.200 Dollar für jeden Amerikaner mit niedrigem und mittlerem Einkommen und 500 Dollar für Kinder. Nun muss das Repräsentantenhaus zustimmen – die Abstimmung dürfte am morgigen Freitag laufen.

 


 

Angst vor den USA als neues Epizentrum

Dennoch setzten die US-Futures zuletzt um rund 1 Prozent zurück. Auf dem Parkett kursieren Ängste, Nordamerika könnte nach Europa zum nächsten ‘Hotspot’ der Coronavirus-Pandemie werden. Wobei vor allem Ost- und Westküste stark getroffen sind, was angesichts der China Towns in New York und Kalifornien und wegen der Anziehungskraft für Touristen wenig verwundert. Immerhin liegt die Todesrate noch relativ weit unten und nur knapp vor Deutschland, wie das Mises Institute anmerkte.

Bleibt die Frage nach dem Grund für die horrenden Todeszahlen in Italien und Spanien. Eine Antwort: Lange Zeit ungehinderte, massive Weiterverbreitung durch eine große Zahl Infizierter. Wir hatten auf das Epizentrum in der italienischen Mode- und Leder-Industrie mit tausenden chinesischen Billig-Arbeitern hingewiesen. Und während der Mailänder Modewoche Ende Februar und im Zuge des Fußballs hat sich die Seuche offenbar nach Spanien vorgearbeitet. Einer der ersten Fälle in Spanien war eine Italienerin, die in Barcelona lebt und zuvor ihre Familie in Bergamo und Mailand besucht hatte, wie „Al Jazeera“ berichtete.

Und mehrere Spieler des FC Valencia sowie ein spanischer Journalist meldeten nach der 1:4-Packung gegen Bergamo in Mailand eine Corona-Infektion. Eine Großdemonstration der spanischen Vox-Partei sowie Massen-Veranstaltungen zum Weltfrauentag Anfang März trugen dann die Seuche in Spanien weiter. Zudem leugneten die Menschen in beiden Ländern lange die Gefahren – Küsschen und Umarmen bei der Begrüßung wurden weiter praktiziert, wie die Website Archyde.com vermerkte.

 

Verluste an den asiatischen Börsen
Was uns zu den erfolgreichen drastischen Gegenmaßnahmen in Asien mit sozialer Distanz, schnell geschlossenen Grenzen und radikaler Quarantäne bringt. In China bröckelte der CSI-300 am Donnerstag nur um 0,7 Prozent auf 3.698 Punkte. Doch in Japan verlor der Nikkei satte 4,5 Prozent auf 18.664 Punkte.

 

Wall Street im Griff der Politik
An der Wall Street taumelten die Kurse gestern wegen des Polittheaters im Senat. US-Senator und Noch-Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders drohte zwischenzeitlich über Twitter, das Hilfspaket zu stoppen, falls nicht weitere Regelungen – etwa zugunsten von Arbeitern – mit aufgenommen würden. So schloss der Dow Jones Industrial mit einem Plus von 2,4 Prozent bei 21.200 Punkten. Zwischenzeitlich war er auf über 22.000 Zähler gestiegen. Immerhin verbuchte der Index damit erstmals seit Anfang Februar zwei Gewinntage in Folge. Der marktbreite S&P 500 gewann gestern 1,2 Prozent auf 2.475 Zähler. Und der Nasdaq Composite gab sogar 0,5 Prozent auf 7.384 Punkte nach.

 


Hier übrigens eine Zahl zum Thema Rettung von allem und jedem: Das Blog ZeroHedge meldete, die Federal Reserve habe vom 19. bis 25 März Assets im Wert von 587 Milliarden Dollar aufgekauft – was 2,7 Prozent des amerikanischen Bruttosozialproduktes entspreche.

Mannomann…

 

Professionelles Trading lohnt sich

Falls Sie nun angesichts der jüngsten horrenden Ausschläge an den Börsen ein wenig ratlos dastehen, dann hier eine kleine Packung Optimismus. Wenn Sie geschickt sind, dann können Sie in diesen verrückten Zeiten Gewinne erzielen – es geht wirklich, egal ob Sie online Aktien oder CFD handeln. Wir hatten an dieser Stelle jüngst erwähnt, dass Pershing Capital Square „all in“ gegangen ist. Zuvor war der Fonds short gewesen. In einem Brief an seine Kunden meldete der Hedge Fonds nun den Verkauf von Puts, die er vor dem Crash in Höhe von 27 Millionen Dollar gekauft hatte; der jetzige Erlös: 2,6 Milliarden Dollar ein.

 

Das bringt der Tag
Der Terminkalender bringt am Donnerstag einige interessante Events.

Um 13.00 Uhr meldet zunächst die Bank of England ihren Zinsentscheid – Trader im britischen Pfund sollten also wachsam sein.

Termin des Tages sind die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA, sie laufen um 13.30 Uhr ein. Erwartet wird ein Horror-Szenario – die Frage ist, wie stark der Schrecken an der Wall Street ausfällt.

Zeitgleich laufen die US-Lagerbestände ein.

Dito das amerikanische Bruttoinlandsprodukt für das vierte Quartal – also pre Corona und damit wenig interessant.

Wir sind ansonsten gespannt, ob beim Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs in Brüssel etwas Relevantes für die Börse herauskommt.

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