Einfuhrverbote und Preisdeckel für Russlands Öl – Der Preis fällt trotzdem, warum?

CMC Markets: Im Februar gibt Russlands Präsident den Befehl zum Einmarsch in die Ukraine und die westliche Staatengemeinde bestraft sein Land für den nun schon neun Monate dauernden Angriffskrieg mit massiven Sanktionen.

Diese sollen Europas Energierohstofflieferant Nummer Eins empfindlich treffen und sorgten folgerichtig zunächst auch für einen Sprung in den Rohölpreisen, später ziehen Gas und Strom nach.

Die dadurch entstandene Energiekrise wirft dringende Fragen zum Tempo der Energiewende auf, verdeutlicht aber auch, wie weit die Welt noch davon entfernt ist, von fossilen Brennstoffen wegzukommen.

Doch trotz einer weiter hohen Nachfrage, der Einfuhrverbote und einer bevorstehenden Preisobergrenze der G7 für russisches Erdöl befindet sich der Preis für das schwarze Gold seit dem Sommer in einem Abwärtstrend und notiert heute sogar unter dem Niveau zu Kriegsausbruch.

Eine Analyse der Gründe.

 

 

Weltklimagipfel mit ernüchternden Ergebnissen

Zwar hat die Europäische Union ihr Tempo in Sachen Dekarbonisierung der Wirtschaft in den vergangenen Monaten beschleunigt. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass Europa das russische Pipeline-Gas nicht durch Wind- und Sonnenenergie ersetzen kann – weder vollständig und schon gar nicht von heute auf morgen.

Damit ist das Dilemma der Energiewende auf den Punkt gebracht. Um sie zu einem Erfolg zu führen, wird die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren noch mehr fossile Brennstoffe benötigen.

Die gute Nachricht ist, dass im Gegensatz zu früheren COP-Treffen diesmal auch Vertreter von Öl- und Gasproduzenten anwesend waren, um die Diskussion offener zu gestalten. Sie betonten, dass es bei der Klimadiskussion um die Beseitigung der Emissionen gehen sollte, die die globale Erwärmung verursachen, und nicht um fossile Brennstoffe.

Die Industrie kann fossile Brennstoffe dekarbonisieren, indem sie Technologien wie Kohlenstoffabscheidung und -speicherung (CCS) und Wasserstoff ausbaut oder naturbasierte Kompensationen nutzt.

Dies würde den CO2-Fußabdruck der Öl- und Gasindustrie drastisch reduzieren, während die Welt allmählich auf kohlenstoffarme Alternativen umsteigt, einschließlich erneuerbarer Energien und Elektrofahrzeuge.

Das wäre ein vernünftiger Weg, der den abrupten Übergang vermeidet, der die europäische Wirtschaft in diesen Tagen an den Abgrund gebracht hat.

 

Noch mehr Sanktionen gegen Russland

Derweil bereitet sich der Markt auf die nächste Sanktionsrunde der EU gegen Russland vor. Das Einfuhrverbot für russisches Öl auf dem Seeweg und der Plan der G7, die Preise für Öl aus Russland ab dem 5. Dezember zu deckeln, müssen allerdings nicht automatisch zu einer Verknappung des Angebots führen, wodurch der Preis steigen würde.

Denn auch diese Sanktionen dürften wie bereits die vorherigen nur eine begrenzte Wirkung haben, da die russischen Öl-Fässer umgeleitet und nicht vom Markt genommen werden.

Die Internationale Energieagentur schätzt, dass die russischen Ölexporte durch das Einfuhrverbot lediglich um 1,1 Millionen Barrel pro Tag geringer werden.

 

Transportwege werden angepasst, ein Sekundärmarkt entsteht

Und das Instrument einer Preisobergrenze ist in einem freien und teilweise knappen Markt auf Dauer ebenfalls kritisch zu sehen, wenn Umgehungslösungen gefunden werden oder es in der realen Welt einfach unwirksam sein könnte. So dürften die russischen Rohölexporte auf dem Seeweg überwiegend von der EU nach Asien umgeleitet werden.

Die Obergrenze wird im Bereich von 65 Dollar pro Barrel erwartet, was zwar einen größeren Abschlag für Ural-Öl, die gängigste russische Exportsorte, bedeuten und damit zunächst auch die Gewinne begrenzen würde, die Putin in seine Kriegsmaschinerie einspeisen kann.

Der Markt dürfte aber relativ schnell feststellen, dass Indien und die Türkei ihre Importe von Öl aus dem Nahen Osten zugunsten von mehr russischem Öl rapide zurückfahren werden.

Die Vermutung liegt nahe, dass Russlands Nicht-G7-Kunden wahrscheinlich billigeres russisches Rohöl importieren werden, es raffinieren und mit einer großen Gewinnspanne wieder nach Europa verkaufen werden, sodass die Öl-, Benzin- und Dieselpreise hierzulande oben bleiben.

Die Türkei hat bereits jetzt ihre Importe aus Russland im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht und stellt sich gerade als neues internationales Drehkreuz für den Ölhandel auf.

 

 

Ölpreis testet Unterstützung

Der seit Sommer 2022 bestätigte Abwärtstrend im Ölpreis (Brent) ist weiterhin maßgebend. Erst ein Anstieg über den Bereich von 111,20 US-Dollar würde diesen beenden.

Auf der anderen Seite steht der Preis kurz davor, die Unterstützung bei 89,20 US-Dollar zu testen.

Fällt diese, wäre ein weiteres Abrutschen in Richtung der Tiefs bei 83,40 und sogar der 71,80-Dollar-Marke ein durchaus realistisches Szenario.

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