ETF-Monitor: Der Pandemie-Crash

Deka ETFs: Der Februar begann noch ganz hoffnungsvoll, ja es gab sogar neue Rekorde. Doch als dann deutlich wurde, dass sich die Corona-Epidemie zu einer weltweiten Pandemie entwickelte, wurden die Folgen für die Weltwirtschaft neu gewertet. Es kam zum Crash mit zweistelligen Verlusten in nur einer Woche.

Die Monatsbilanz war dann wegen der anfangs positiven Entwicklung nicht ganz so schlimm, aber noch schlimm genug. Tiefrote Zahlen wohin man blickte. Am stärksten erwischte es Japan mit dem breiten Topix und den amerikanischen Dow Jones Index, die rund zehn Prozent verloren. 8,6 Prozent minus waren es beim Euro STOXX 50 und dem MSCI World, gefolgt vom DAX mit minus 8,4 Prozent.

China mit dem Shanghai Composite kam mit 3,2 Prozent Verlust noch anscheinend glimpflich davon. Doch dieser Index hatte seinen Crash schon Ende Januar, war wegen des chinesischen Neujahrsfests lange geschlossen, und ging danach mit einer gewissen Stabilisierung bei den Neuinfektionen auf Erholungskurs.

Bei den Rohstoffen erwischte es am stärksten den Ölpreis, minus 13 Prozent. Er wurde nicht nur durch die Sorge um eine schwache Weltwirtschaft gedrückt, sondern auch durch das Ringen der Opec um eine Produktionskürzung zur Stabilisierung der Preise.

Gold als Krisenmetall war gefragt. Dennoch fiel die Monatsbilanz, wegen Gewinnmitnahmen Ende Februar mit minus 0,2 Prozent, kaum verändert aus. Wenig Veränderungen auch im Verhältnis Dollar / Euro. Der US-Dollar stieg um 0,6 Prozent.

 


 

Bei den ETFs dominierten klar rote Zahlen. Rund drei Viertel der in Europa gehandelten Titel zeigte Minuszeichen. Unter den Länder-ETFs ragten besonders negativ Griechenland und Brasilien heraus, beide mit rund minus 20 Prozent. Bei den Branchen waren es vor allem amerikanische Energiefonds, die wegen des schwachen Ölpreises verprügelt wurden – auch bis 20 Prozent minus. Unter den europäischen Märkten litten vor allem Polen-ETFs mit minus 15 Prozent.

Wohl dem der Short-ETFs im Depot hatte und dann noch mit Hebel. Sie legten um mehr als 20 Prozent zu. Bonds-ETFs mit langen Laufzeiten schafften immerhin mehr als sieben Prozent. Erstaunlich dann auch China-ETFs mit starkem Hongkong-Fokus. Ihnen gelang immerhin ein paar Plusprozente.

 

Entwicklung AuM in Assetklassen in % (indexiert, rollierend 5 Jahre)

 

Anlageklassen
Bei den Anlageklassen überstrahlten die Verluste der Aktien alles. Deren AuM sanken um 7,2 Prozent auf 563,6 Milliarden Euro. Dank des starken Goldpreises verbesserten sich die Rohstoffe um 3,5 Prozent auf 79,3 Milliarden Euro.

Die Anleihen legten immerhin noch um 1,1 Prozent auf 246,4 Milliarden Euro zu – wenigstens das war ein neuer Rekord. Wegen der erhöhten Unsicherheit hätte der Geldmarkt profitieren können, tat er aber nicht. Er verlor drei Prozent auf jetzt gerade mal 3,1 Milliarden Euro.

 

Netto-Mittel: Ab- und Zuflüsse nach Anlageklassen in Mio. Euro

 

Nettomittelabflüsse
Auf der Verliererseite waren es vor allem Japan-Aktien, die zurückgegeben wurden. Ihre Flows verringerten sich um 1,5 Milliarden Euro. Deutsche Aktien verloren ebenfalls (-601,2 Mill. €), Standardwerte der Eurozone (-460,8 Mill. €) sowie Aktien außerhalb der Standardindizes (-453,1 Mill. €).

Bemerkenswert war der starke Rückfluss von US-Dollar-Hochzinsanleihen, die 581,1 Millionen Euro Flows abgaben. Darin spiegelte sich die verstärkte Risikowahrnehmung der Kategorie wider, in der vor allem US-Ölschieferfirmen stark verschuldet sind.

Nettomittelzuflüsse
Heruntergebrochen auf einzelne Anlagekategorien zeigte sich doch manche überraschende Gegenbewegung. Das gilt natürlich nicht für die Rohstoffe mit den Edelmetallen, die erwartungsgemäß kräftig zulegten, um 1,6 Milliarden Euro.

Aber dass US-Aktien-Standardwerte mit rund 1,2 Milliarden und globale Standardaktien mit 1,1 Milliarden Euro profitierten zeigte, dass es auch konträr handelnder Investoren gab. Keine Überraschung war, dass Staatsanleihen profitierten, mit 1,1 Milliarden die Eurotitel, mit 842,2 Millionen die Dollarbonds.

 


 

Fazit
Wie geht es nun weiter? Fragen Sie nicht den Anlageberater, sondern gleich den Virologen, möchte man spöttisch anmerken. In der Tat gab es Anfang März keine Entwarnung, sondern eine immer stärkere Verbreitung der Pandemie, vor allem in Europa.

Als dann noch die Gespräche der Opec über eine Stabilisierung des Ölpreises scheiterten kam es nochmals zu einem kräftigen Ausverkauf. Hoffnung? Die Virologen setzen auf wärmeres Wetter und neue Medikamente. Und viel mehr bleibt auch den Anlegern nicht.

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