EUR/USD-Sentimentanalyse

ETX Capital: Wie erwartet erklärte der Europäische Gerichtshof heute die Outright Monetary Transactions, kurz OMTs, der Europäischen Zentralbank für rechtens. Der Kurs des EUR/USD zeigte sich nach der Meldung etwas stärker und konnte um ca. 60 Pips von 1,1270 USD auf 1,1330 USD zulegen. Momentan hat sich der Kurs des Währungspaares aber wieder auf den Niveaus eingependelt, auf denen er sich vor Bekanntgabe des EuGH-Urteils befand.
 

Aus charttechnischer Sicht ist die Kursregion zwischen den Marken von 1,15 USD bis 1,13 USD eine entscheidende Widerstandszone, die in den letzten sechs Monaten mehrfach angetestet wurde, aber bislang gehalten hat. Sollte diese Zone überwunden werden, dann könnte der Kurs aus technischer Sicht weiteres kurzfristiges Aufwärtspotential entwickeln, denn es könnte erwartet werden, dass oberhalb von 1,15 USD verstärkt Short-Positionen glattgestellt werden und somit den Kurs weiter treiben könnten.
 

Doch soweit ist es noch nicht und auch von fundamentaler Seite scheint es wenige Gründe für einen starken Euro gegenüber dem US-Dollar zu geben. Diese Sicht könnten die bärenstarken US-Arbeitsmarktdaten für den Monat Mai eindrucksvoll bestätigt haben, während sich die Eurozone mental und technisch auf den Grexit vorzubereiten scheint.
 

Vor dem aktuellen Nachrichtenhintergrund könnte also ein Blick auf die Meinungen und Positionen verschiedener Devisenmarktteilnehmer nicht schaden. Die von dem Forex-Portal FXStreet aufgelegte wöchentliche Analystenumfrage ergab, dass eine erdrückende Mehrheit unter den FX-Analysten sowohl kurzfristig als auch mittelfristig bearish für den Kursverlauf des EUR/USD gestimmt ist. Für die laufende Handelswoche sind 12 von 14 befragten Analysten bearish eingestellt und auf Sicht von einem Monat sind 24 von 28 Befragten bearish für EUR/USD gestimmt.
 

Der ‚Commitment of Traders Report’ der CFTC zeigt die Netto-Positionierung unterschiedlicher Marktteilnehmer im EUR/USD-Future-Kontrakt an. Hier ist zu sehen, dass die historisch extreme Short-Positionierung der großen Spekulanten in den letzten Wochen, also während der breit angelegten Konsolidierung des EUR/USD-Kurses, stark abgebaut wurde. Auch wenn die momentane Netto-Short-Positionierung der großen Spekulanten mit 137.000 Kontrakten im historischen Vergleich immer noch recht hoch ist, so ist doch zu konstatieren, dass diese in den letzten Wochen um ca. 90.000 Short-Kontrakte, oder fast 40 Prozent, reduziert wurde. Das könnte dafür sprechen, dass die Gefahr eines veritablen Short-Squeeze oberhalb von 1,15 USD nicht mehr so groß sein könnte.
 

Die FX Retail Trader dagegen sind, laut dem Community Outlook von myfxbook, unentschieden. So befinden sich momentan 15.330 Trader auf der Short-Seite im EUR/USD, während 13.800 Trader Long-Positionen besitzen. Da die FX Retail Trader in der Sentimentanalyse oft als kurzfristiger Contra-Trend-Indikator eingestuft werden, könnte die fast ausgeglichene Positionierung momentan relativ wenig Aussagekraft besitzen.
 

Dafür ist die Meinung der FX-Analysten umso eindeutiger. Unterstützt werden könnte die Marktmeinung der Analysten von der Tatsache, dass das Währungspaar vor einer kurz- und mittelfristig sehr wichtigen Widerstandszone notiert, die in den letzten Monaten der Deckel für den EUR/USD-Kurs auf dem Weg nach oben war. Die fundamentale Analyse könnte ebenfalls gegen einen nachhaltig starken Euro gegenüber dem US-Dollar sprechen. Der starke Abbau der Short-Positionierung bei den großen Spekulanten könnte andeuten, dass die mittelfristige Konsolidierungsphase erst einmal hinter uns liegt und nun wieder genug Potential bei den großen Spekulanten vorliegt, um den übergeordneten Abwärtstrend wieder aufzunehmen. Wichtig könnte hier kurzfristig die Marke von 1,12 USD sein. Ein Bruch dieser Marke nach unten könnte weiteres Potential auf der Unterseite generieren.
 

Von Oliver Bossmann

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