EUR/USD: US-Geldpolitik und politische Unsicherheiten belasten den Dollar

Helaba: Der Euro-Dollar-Kurs hat nach seinem kräftigen Sprung – von 1,06 auf fast 1,20 – zuletzt eine Verschnaufpause eingelegt. Auch wenn der Euro durch die Einigung auf den EU-Wiederaufbaufonds Rückenwind erhielt, so ist diese Bewegung doch mehr als Dollar-Schwäche zu werten.

Der Greenback gab seit Mitte März gegenüber allen Währungen aus Industrieländern nach. Bei den Schwellenländerwährungen fiel das Bild gemischt aus. Eine höhere Risikoneigung an den Finanzmärkten erklärt die Abwertung des sicheren Anlagehafens also nur teilweise.

Die jüngste Stabilisierung überrascht nicht und könnte noch etwas andauern. Schließlich ist der Euro-Dollar-Kurs markttechnisch überkauft. Zudem deuten hohe spekulative Long-Positionen auf eine kurzfristige Überhitzung.

 


 

US-Geldpolitik bleibt noch länger expansiv

Die US-Wirtschaft brach im zweiten Quartal mit 9,1 % zur Vorperiode ein – damit sogar weniger als in anderen großen Industrieländern. Mit der Rücknahme von Lockdown-Maßnahmen setzte die Erholung ein. Wegen der trotz Rückgangs sehr hohen Zahl an Neuinfektionen bestehen aber weiter gewisse Restriktionen, die das Wachstum dämpfen.

Die USA erleiden im Vergleich zur Eurozone zwar in diesem Jahr wohl den geringeren Einbruch. Jedoch dürfte sich der US-Wachstumsvorteil 2021 ins Gegenteil verkehren. Daher bleibt die US-Geldpolitik bis auf Weiteres sehr expansiv.

Hierzu passt die vom Fed-Chef Powell vorgestellte Neuausrichtung der Geldpolitik, die einen lockeren Kurs für längere Zeit rechtfertigen kann. Der US-Renditevorteil wird wohl auf niedrigem Niveau verharren. Wie expansiv die aktuelle Politik ist, unterstreicht das Geldmengenwachstum: In den USA stieg das Aggregat M1 um 38 % gegenüber Vorjahr – in der Eurozone „nur“ um 13,5 %.

 

 

US-Wahlen als Dollar-Risiko

Politische Risiken wurden in den letzten Jahren vorrangig in Europa ausgemacht. Aktuell herrscht in der EU Ruhe, wenngleich das ungeklärte Verhältnis zu Großbritannien noch gewisse Risiken birgt.

Der größte politische Unsicherheitsfaktor sind derzeit die US-Präsidentschaftswahlen im November. Inhalte im Wahlkampf spielen kaum eine Rolle, eher wird potenzieller Wahlbetrug thematisiert. Droht nach den Wahlen das große Chaos, weil es kein klares Ergebnis gibt bzw. ein solches nicht anerkannt wird?

Mit dem näher rückenden Wahltermin wird sich die Nervosität wohl steigern – zulasten der US-Währung. Spätestens dann dürfte der Euro-Dollar-Kurs die Marke von 1,20 nehmen. Auf Basis von Zinsdifferenzen oder der Kaufkraftparität wären ohnehin höhere Kurse gerechtfertigt.

Bei einem gewöhnlichen Wahlausgang – mit einem klaren Sieger – sollte sich die Situation aber beruhigen. Dies gilt wahrscheinlich unabhängig davon, ob Trump oder der Demokrat Biden gewinnt, obwohl beide aus Dollar-Sicht grundsätzlich nicht unproblematisch sind. Der Euro-Dollar-Kurs wird sich gegen Jahresende vermutlich um 1,20 einpendeln.

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