EZB will Leitzins im Juli um 0,25 Punkte anheben

Bankenverband: Erstmals seit elf Jahren will die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Leitzinsen anheben. Der EZB-Rat kündigte am Donnerstag für seine Sitzung im Juli an, die Leitzinsen im Euroraum um 0,25 Prozentpunkte zu erhöhen.

Durch die Rekordinflation sei der Druck auf die Notenbank enorm gestiegen, eine Zinswende einzuleiten, erklärten Experten.

Zugleich beschlossen die Währungshüter bei ihrer auswärtigen Sitzung in Amsterdam, die milliardenschweren Netto-Anleihenkäufe zum 1. Juli einzustellen.

Das Ende dieser Käufe hatte die Notenbank zur Voraussetzung für eine Zinserhöhung erklärt.

Zunächst bleibt der Leitzins aber auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen für geparkte Gelder bei der EZB weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte zuvor ein Ende der Negativzinsen bis Ende September angedeutet.

Angesichts steigender Energiepreise hat die Notenbank ihre Inflationsprognose kräftig angehoben. Sie rechnet nunmehr für dieses Jahr mit einer durchschnittlichen Teuerungsrate im Euroraum von 6,8 Prozent – noch im März waren 5,1 Prozent veranschlagt worden.

Im Mai hatte die Teuerungsrate mit 8,1 Prozent ein Rekordhoch erreicht.

 


 

Weitere Zinserhöhungen bis Jahresende geplant

Die EZB geht für die September-Sitzung von einem weiteren Zinsschritt nach oben aus. Noch sei das Ausmaß offen, ein größerer Schritt sei aber angebracht, sollte der mittelfristige Inflationsausblick bis dahin schlecht bleiben oder sogar noch düsterer ausfallen, erklärten die Währungshüter.

Danach rechnet die Notenbank mit geringeren Schritten nach oben.

Das Tempo der EZB bei den geplanten Zinsschritten wurde in der Wirtschaft als zu verhalten kritisiert.

“Dieser Zeitplan ist immer noch zu zögerlich”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, Christian Ossig. “Die EZB sollte deshalb im Juli – noch vor der Sommerpause – ihre Negativzinspolitik mit einer Leitzinserhöhung um 50 Basispunkte in einem Schritt beenden. Das wäre ein deutliches und dringend notwendiges Signal an Verbraucher, Unternehmen und Tarifparteien”, forderte Ossig.

“Zu wenig und zu spät”, sagte auch der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, heute. “Die zögerliche Entscheidung der EZB schadet dem Euro”, befürchtete er.

“Durch ihre völlige Fehleinschätzung der Inflation ist die EZB nun selbst eine Getriebene und muss jetzt ein deutliches Zeichen setzen, dass sie die Preisstabilität überhaupt noch ernst nimmt”, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Die Familienunternehmer, Albrecht von der Hagen.

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