Interview mit Mike Seidl und Christian Kämmerer von Tickmill: „be a Tiger“ – wie der Broker mit Fokus, Agilität und Non-Dealing-Desk-Modell aktive Trader überzeugen will
David Ernsting, Broker-Test Chefredakteur, im Interview mit Mike Seidl und Christian Kämmerer von Tickmill über das Re-Branding unter dem Motto „be a Tiger“, die Balance zwischen Hebel-Chancen und Risikoverantwortung und warum Prognosen keine Setups ersetzen können.

Christian Kämmerer, Country-Manager D-A-CH Tickmill
Tickmill hat ein Re-Branding unter dem Motto „be a Tiger“ durchgeführt. Was steckt hinter dieser Tiger-Metapher und welche strategische Botschaft möchten Sie damit an Trader senden?
Christian Kämmerer: Das Re-Branding steht für eine strategische Weiterentwicklung und eine klarere Kommunikation dessen, wofür Tickmill seit Jahren steht: verlässliche Ausführung, transparente Konditionen und eine digitale Nutzererfahrung, die auf aktive Trader ausgerichtet ist.
Die Tiger-Metapher beschreibt Fokus, Agilität und diszipliniertes Handeln.
In einem Umfeld, das häufig mit „Bullen und Bären“ beschrieben wird, steht der Tiger für einen eigenständigen Ansatz: nicht lauter, sondern präziser – mit dem Anspruch, Tradern einen strukturellen Vorteil durch Infrastruktur, Preisgestaltung und klare Prozesse zu bieten.
Tickmill bietet Zugang zu über 600 CFDs auf Forex, Rohstoffe, Indizes, Kryptowährungen, Aktien und sogar deutsche Anleihen. Welche Asset-Klasse ist bei Ihren D-A-CH-Kunden derzeit am gefragtesten?
Christian Kämmerer: Im D-A-CH-Raum stehen primär liquide Kernmärkte im Vordergrund – insbesondere große Indizes wie der DAX sowie US-Indizes und natürlich auch das volumenstärkste Währungspaar EUR/USD. Diese Märkte sind für viele aktive Strategien relevant, weil sie eine hohe Marktliquidität und in der Regel enge Handelskostenstrukturen bieten.
Wenig überraschend sorgte allerdings der Goldpreis international wie auch für den D-A-CH-Raum selbst für größtes Interesse. Der Handel mit dem edlen Metall war vorrangig aufgrund der makroökonomischen Unsicherheit und eben der atemberaubenden Rally sehr stark nachgefragt. Ein Grund mehr, weshalb wir auch seit Ende des letzten Jahres eine internationale Gold-Kampagne gestartet haben.
Denn der Zugang zum edlen Metall ist bei einem typischen Spread (variabel) von 7 US-Cent gegeben.
Zudem ermöglicht die Spekulation oder das Hedging auf fallende Kurse aktuell beispielsweise einen positiven Swap (tägliche Zinsgutschrift beim Halten von XAU/USD), welchen wir selbstverständlich an unsere Kunden weitergeben.
Swaps sind hierbei natürlich ebenso variabel und in Abhängigkeit der Zinslandschaft zu bewerten.

Mike Seidl, Analyse & Research Tickmill
Bei den Handelskonten bieten Sie das „Raw“-Konto mit Spreads ab 0,0 Pips und das „Classic“-Konto ohne Kommission an. Für welche Trader-Typen ist welches Konto besonders geeignet?
Mike Seidl: Generell bieten wir ausgesprochen gute Handelskonditionen auf allen Kontomodellen an.
Bei der Entscheidung für das RAW- oder das Classic-Konto sollte die Handelsfrequenz eine Rolle spielen. Wer eher Positionen handelt, die über ein paar Tage bis Wochen laufen, ist mit dem Classic-Konto gut bedient.
Wer allerdings im kurzfristigen Handel (Daytrading bis hin zum Scalping) unterwegs ist, der sollte sich für das RAW-Konto entscheiden.
Denn je häufiger gehandelt wird, desto geringer sollten die Gebühren sein.
MetaTrader 5 ist mittlerweile der Standard in der Branche – was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Vorteile von MT5 gegenüber MT4, gerade für aktive Trader?
Mike Seidl: Der größte Vorteil für unsere Kunden im MT5 ist der, dass wir im MT5 alle verfügbaren Handelsinstrumente zur Verfügung stellen. Das bedeutet, dass Aktien, Rohstoffe, Indizes und Währungen in einer Software handelbar sind.
Neben den klassischen MetaTrader-Plattformen bieten Sie Tools wie Signal Centre, Acuity Trading und verschiedene Forex-Rechner an. Welches Tool wird am häufigsten genutzt und warum?
Christian Kämmerer: In der Nutzung sehen wir besonders häufig den StereoTrader als funktionale Erweiterung für MetaTrader. Das Tool wird geschätzt, weil es handelspraktische Funktionen für Order- und Positionsmanagement komfortabler abbildet und damit Abläufe im aktiven Handel vereinfacht. Dabei sei bemerkt, dass Tickmill-Live-Kunden diesen kostenfrei erhalten und sich somit die Gebühr von 29,90 Euro pro Monat sparen.
Ergänzend werden Acuity Trading als Analyse- und Fundamental-Tool genutzt und das Signal Centre, wie der Name bereits verspricht, als ergänzendes Signal-Feature. Letztlich helfen diese Tools, die Marktinformationen und technischen Szenarien strukturiert einzuordnen.
Dabei ersetzen sie keine eigene Analyse, unterstützen jedoch bei Vorbereitung, Kontext und Ideenfindung.
Mit Mike Seidl veröffentlichen Sie täglich aktuelle Marktanalysen und Trading-News auf Ihrem Blog. Wie wichtig ist dieser tagesaktuelle Content für Ihre Trader und welche Resonanz erhalten Sie darauf?
Diese Analysen kommen in unserer Community sehr gut an.
Denn sie sparen viel Zeit und der Fokus auf die wichtigen Themen und die daraus resultierenden Handelsideen, sind ein echter Vorteil.
Ihre Trading-Webinare decken ein breites Spektrum ab – von Chart-Analyse über Forex-Strategien bis hin zu psychologischen Aspekten. Welche Themen stoßen auf das größte Interesse und warum?
Christian Kämmerer: Das größte Interesse liegt klar bei praxisorientierten Formaten: Marktstruktur, Chart-Analyse und konkrete Vorgehensweisen für Edelmetalle, Forex und Indizes. Viele Teilnehmer suchen nachvollziehbare Prozesse – vom Setup bis zum Risikomanagement – statt reiner Theorie.
Ergänzend stoßen Live-Sessions rund um wichtige Markttermine auf hohe Nachfrage, weil sie zeigen, wie man Volatilität, News-Lagen und Positionsmanagement in Echtzeit methodisch einordnet.
Sie betonen „traderfreundlichen Marktzugang“ als USP mit engen Spreads, keine Dealing Desk-Intervention und ultraschneller Ausführung. Wie stellen Sie sicher, dass diese Versprechen auch in extrem volatilen Marktphasen eingehalten werden?
In volatilen Phasen können sich Spreads marktbedingt ausweiten. Entscheidend ist daher die Stabilität der Infrastruktur. Durch skalierbare Systeme, robuste Liquiditätsanbindung und kontinuierliches Monitoring stellen wir sicher, dass die Orderverarbeitung auch bei hohem Handelsaufkommen konsistent funktioniert. Dabei wurden im vergangenen Jahr zahlreiche neue „Rekorde“ erzielt. So werden im Schnitt 500.000 Trades pro Tag abgewickelt.
Allein im Dezember 2025 erreichte das monatliche Handelsvolumen einen Rekordstand mit 300 Milliarden US-Dollar.
Hebel bis zu 1:500 für professionelle Kunden – wie beurteilen Sie das Thema Hebel aus Risikoperspektive? Wo liegt die Balance zwischen Chancen und Verantwortung?
Mike Seidl: Der Hebel ist in erster Linie ein Instrument zur Kapitaleffizienz. Dieser erhöht jedoch gleichermaßen Chancen und Risiken. Deshalb ist er ausschließlich für erfahrene und entsprechend qualifizierte professionelle Kunden vorgesehen.
Aus unserer Sicht sollte der Hebel niemals eine Strategie ersetzen, sondern nur ein bereits funktionierendes Risikomanagement ergänzen. Entscheidend ist immer die Positionsgröße im Verhältnis zum Gesamtkapital.
Als regulierter Broker halten wir uns strikt an die gesetzlichen Vorgaben. Der professionelle Status wird nur gewährt, wenn die regulatorischen Voraussetzungen eindeutig erfüllt sind. Verantwortung und Transparenz stehen dabei klar im Vordergrund.
Christian Kämmerer: Absolut Zustimmung Mike, denn bekanntlich schlägt das Pendel oder in diesem Fall der Hebel in beide Richtungen aus. Deshalb sind auch die maximalen Hebel von bis zu 1:500 ausschließlich für professionelle Kunden vorgesehen, die die regulatorischen Voraussetzungen erfüllen. Nebenbei bemerkt ist es im Wealth-Management sogar üblich, eher einen kleinen oder sogar überhaupt keinen Hebel zu verwenden.
Wo sehen Sie DAX und Gold zum Jahresende 2026? Welche Faktoren könnten diese beiden wichtigen Märkte in diesem Jahr besonders beeinflussen?
Mike Seidl (lacht): Diese Frage könnte ich nur beantworten, wenn ich eine Glaskugel hätte, und selbst dann würde ich darauf nicht vertrauen. In meiner langjährigen professionellen Trading-Karriere habe ich gelernt, dass Prognosen absolut nicht notwendig sind. Es ist viel wichtiger, dem zu folgen, was der Markt macht, und in diesem Umfeld funktionierende Strategien anzuwenden.
Zudem natürlich auch (weil Deutschland eine Exportwirtschaft ist) die Entwicklung der Beziehung zu den USA und auch China.
Die Preisentwicklung von Gold hängt meines Erachtens maßgeblich von der Nachfrage der Notenbanken ab. Zudem spielt natürlich auch das Thema Nachfrage nach sicheren Anlagen eine Rolle.
In Zeiten hoher Risiken am Markt, dürfte die Nachfrage nach dem Edelmetall weiterhin sehr hoch sein.
Aber auch hier gilt: Prognosen sind keine Setups mit denen ich Einstiege, Risiko und Gewinnziele bestimmen kann.
Wir müssen als Händler immer genau wissen, wie der Markt aussehen muss, damit wir Positionen eröffnen können. Es bleibt also entscheidend, die Charts zu analysieren und die passenden Setups zu spielen.
Christian Kämmerer: Auch hier stimme ich passenderweise Mike erneut vollends zu. Wichtig ist hierbei doch insbesondere für aktive Händler, dass Bewegung vorherrscht und genau diese stärkere Volatilität dürfte uns, diverse Vorgeschmäcker wie den Edelmetallausverkauf Ende Januar oder jenen Pump der Ölpreise im Anschluss an die Angriffe am Wochenende des Februarausklangs auf den Iran, erhielten wir bereits zur Genüge.
Obgleich rund um Saisonalitäten wie auch Zyklen uns ein eher schwankungsfreudiges 2026 sowie schwächeres Jahr in den USA erwartet. Und bekanntlich spielt genau auch dort die Musik.
Doch warum?
Über viele Jahrzehnte hinweg zeigte sich, dass die Börsenperformance in den vier Jahren nach einer Präsidentschaftswahl gewisse statistische Muster aufweist.
Die Märkte tendieren in Midterm-Jahren zu Seitwärtsbewegungen oder höherer Volatilität. Bei Betrachtung langer Zeitreihen (z. B. bei Dow Jones oder S&P 500) zeigen Midterm-Jahre im Durchschnitt geringere Renditen als andere Jahre.
Ergo wäre das Ausbleiben neuer Höchststände jetzt keine wirkliche Überraschung und Gold dabei unverändert interessant im Rahmen sinkender Realzinsen, höherer Aktienmarktvolatilität sowie einer möglichen Fortsetzung der US-Dollarschwäche.
DAX Chart
Gold Chart
Disclaimer & Risikohinweis
73% der Privatanleger-Konten verlieren Geld beim Handel mit CFDs bei Tickmill Europe Ltd.
CFDs sind komplexe Instrumente und bergen ein hohes Risiko. Durch Leverage kann Kapital schnell verloren werden. Überlegen Sie sich, ob Sie verstehen, wie CFDs funktionieren und ob Sie es sich leisten können, das hohe Verlustrisiko einzugehen.
Futures und Optionen: Der Handel mit Futures und Optionen auf Margin ist mit einem hohen Risiko verbunden und kann zu Verlusten führen, die Ihre ursprüngliche Investition übersteigen. Diese Produkte sind nicht für alle Anleger geeignet. Vergewissern Sie sich, dass Sie die Risiken vollständig verstehen und Ihr Risiko angemessen steuern.
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Infos über Tickmill
Tickmill ist ein weltweit tätiger Forex- und CFD-Broker mit Non-Dealing-Desk-Ausführung, der Orders direkt über den Interbankenmarkt ohne Requotes verarbeitet. Das kommt aktiven und kostenbewussten Tradern zugute, weil Spreads oft eng sind und Ausführungen automatisiert erfolgen. Ergänzend bie...













