Kaufrausch bei Gold – China kauft 100 Tonnen Gold

Bernstein Bank: Gold bleibt begehrt – zuletzt vor allem bei wichtigen Notenbanken der Welt. Die Hausse könnte weitergehen. Denn beim Edelmetall laufen derzeit die wichtigsten politischen Krisenstränge zusammen: Zollstreit China-USA und drohender Krieg der Türkei in Syrien.

Dazu gesellt sich die anhaltende Entwertung des Papiergeldes durch die Europäische Zentralbank und die Federal Reserve.

 

Die Gegner der USA setzen auf Gold
Gold wird wieder zum sicheren Hafen in Krisenzeiten – erst im September hat der Goldpreis bei 1.551 Dollar ein Sechsjahreshoch markiert. Interessanterweise waren es zuletzt drei große Gegenspieler der USA, die sich mit dem gelben Metall eindeckten: China, Russland und die Türkei.

 

China kauft 100 Tonnen Gold
Vor allem die Volksrepublik China rückte wegen des Zollstreits mit den USA in den Fokus. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Zentralbank nach einer Pause von mehr als zwei Jahren wieder begonnen, Gold einzukaufen, wie „Welt Online“ konstatierte. Zunächst seien es rund zehn Tonnen gewesen, seit Anfang dieses Jahres seien weitere 89,9 Tonnen hinzugekommen, heißt es unter Berufung auf das World Gold Council, das ist der Lobbyverband der Goldindustrie.

China hat sich also bis Ende August mit rund 100 Tonnen Gold eingedeckt.

 


 

Pekings Hedge gegen Dollar und Yuan
Als Grund nannte Howie Lee, Ökonom bei der Oversea Chinese Banking Corporation, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, den Hedge gegen den Dollarverfall – China brauche Gold als Absicherung für seine großen Dollarreserven. Nicht von ungefähr hat Peking zuletzt verstärkt US-Treasuries verkauft, möglicherweise auch als Druckmittel im Zollstreit mit den USA. Wir ergänzen: Peking benötigt Gold auch als Hedge für den Yuan, denn im Fall eines offenen Handelskrieges mit den USA dürfte Peking die heimische Währung abstürzen lassen, um die Exporte seiner Unternehmen auf dem Weltmarkt zu unterstützen.

Gold bietet auch eine interessante Diversifizierung für Staaten, die meinen ihre Wirtschaft und die eigene Währung durch Kriege ruinieren zu müssen. Aktuell etwa die Türkei, die wahrscheinlich den Rückzug der Amerikaner für eine Invasion gegen die Kurden in Syrien nutzen wird. Wohl nicht zufällig hat auch Ankara in diesem Jahr bislang 109,1 Tonnen gekauft. Kein Wunder, die Türkei war 2018 in eine Währungskrise gestürzt, ausgelöst nicht zuletzt aufgrund von Spannungen mit Washington.

Und nun droht sich eine Wiederholung der (Devisen-)Geschichte: Nach der Kritik an dem von ihm angekündigten Rückzug der US-Truppen aus Nordsyrien hat US-Präsident Donald Trump immerhin einen wirtschaftlichen Schutzwall vor den Kurden aufgebaut.

Er drohte in unnachahmlichem Stil:
„Wenn die Türkei irgendetwas unternimmt, was ich in meiner großartigen und unvergleichlichen Weisheit für tabu halte, werde ich die türkische Wirtschaft vollständig zerstören und auslöschen“, twitterte er am Montag.

Zuvor hatte der republikanische Senator Lindsey Graham erklärt, er habe sich mit den Demokraten kurzgeschaltet.

Es herrsche Einigkeit darin, dass der Senat Sanktionen gegen die Türkei beschließen werde, falls Ankara in Nordsyrien einmarschieren wird.

 

Russland kurbelt den Binnenmarkt an
Weiter setzen Staaten mit einem Faible für eine anhaltende Inflationierungspolitik gerne auf Gold. Beispielsweise Russland: Die Nationalbank in Moskau ist in diesem Jahr der bislang größte Goldkäufer. Seit Jahresbeginn hat sie bereits 117,4 Tonnen Gold gekauft. Russland benutzt Gold als Absicherung gegen den gewollt schwachen Rubel. Seit Beginn des Jahrtausends ist die Währung von 23 Rubel je Euro bis auf 90 abgestürzt, um sich bei 70 zu stabilisieren. In Zeiten des starken Rubels zu Anfang des neuen Jahrtausends hatte sich die russische Mittelschicht noch zuhauf mit westlicher Importware eingedeckt.

Nun sind eher günstigere russische Produkte gefragt.

Ergo kurbelt ein billiger Rubel den Binnenkonsum und die russische Landwirtschaft an.

 


 

Der Kreml kann seinen Kurs durchziehen, denn die Bevölkerung murrt nicht, sie reist nun eben etwas weniger als früher. Und die Russen haben verstanden, dass Gold und Silber, aber vor allem Grund und Boden einen Schutz gegen den Verlust der Kaufkraft bieten. Was den Bauboom in Moskau, Sankt-Petersburg und den anderen Metropolen am Laufen hält.

Zumal die bröckelnden, pfuschigen „Chruschtschowi“ eingerissen und ersetzt werden müssen, das sind schnell hochgezogene Billigbauten aus der Ära des Gulasch-Kommunismus von Nikita Chruschtschow.

 

Geldpolitik und Sanktionen
Merke: Moskau hat mit der Schwächung seiner Währung und der Gold-Diversifizierung auch auf die westlichen Sanktionen im Zuge der Krim-Krise reagiert. Und damit den Weg beschritten, den China und die Türkei vielleicht noch vor sich haben. Zu alldem gesellen sich die geldpolitische Lockerung der EZB und die wahrscheinlichen weiteren Zinssenkungen der Fed. Beispielsweise, weil die Welt in eine Rezession rutscht und die Notenbanken in Handelskriegen ihre Währungen versenken.

Wer also glaubt, dass Papiergeld weiter abgewertet wird – sei es Dollar, Euro, Yuan, Rubel oder Türkische Lira – der setzt auf Gold. So argumentierte etwa die Großbank UBS: „Wir gehen davon aus, dass die Zentralbanken Nettokäufer von Gold bleiben werden.“

Wir behalten die Angelegenheit im Auge und wünschen Ihnen erfolgreiche Trades!

 


 

Disclaimer

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. 78% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge