Kommen jetzt Inflation und Zinsanstieg?

Börse Frankfurt:Janet Yellen hat die Märkte in der vergangenen Woche kurzzeitig ordentlich aus dem Tritt gebracht. Die Renditen von Bundesanleihen kletterten auf ein Zweijahreshoch, blieben aber im Minusbereich.

Die Debatte über steigende Zinsen in den USA bricht nicht ab. Diese Woche sorgte eine Äußerung von Janet Yellen, der US-Finanzministerin und ehemaligen US-Notenbankchefin, für deutliche Unruhe: Es könne durchaus sein, dass die Zinsen etwas ansteigen müssten, damit die Wirtschaft nicht überhitze, erklärte Yellen bei einer Online-Veranstaltung. Die Kurse von Staatsanleihen gaben kräftig nach, die Rendite stiegen – auch hierzulande.

Die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen erreichte minus 0,16 Prozent. „Das war so viel wie seit 2019 nicht mehr“, stellt Arthur Brunner von der ICF Bank fest. Zwar ruderte Yellen nach den deutlichen Marktreaktionen zurück. „Doch der Geist ist aus der Flasche.“

„Luft für Bundesanleihen und Treasuries wird dünner“

Aktuell rentiert die zehnjährige Bundesanleihe wieder bei minus 0,22 Prozent. „Nach dem jüngsten Rückgang dürfte die Rendite nächste Woche aber wieder die Marke von minus 0,2 Prozent testen“, meint Anleihenanalyst Hauke Siemßen von der Commerzbank. Denn die Diskussion über einen Zinsanstieg in den USA rücke zunehmend in den Fokus. „Das macht zusammen mit höheren Inflationszahlen die Luft für Bundesanleihen und Treasuries dünner.“

Griechenland: Vom Krisenland zum Traumschuldner

Dass Griechenland einmal Staatsanleihen mit Nullprozent-Kupon – wenn auch zu einem Ausgabekurs unter 100 Prozent – emittieren könnte, hätte vor einigen Jahren niemand geglaubt. Doch genau das gelang dem Land diese Woche. „Die Nachfrage nach der neuen fünfjährigen Anleihe war richtig hoch“, erklärt Brunner.

Für die letzte fünfjährige Anleihe, begeben im Februar 2019, belief sich der Kupon noch auf 3,45 Prozent. Die Ausgaberendite des neuen Bonds lag nach Angaben des Finanzministeriums bei 0,2 Prozent.

 


 

Lufthansa-Anleihe nach Kapitalerhöhung gefragt

Im Geschäft mit Corporate Bonds sind diese Woche Lufthansa-Anleihen gefragt, etwa die Hybridanleihe mit Fälligkeit 2075 und das bis 2024 laufende Papier mit Kupon von 0,25 Prozent, wie Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank meldet. „Hintergrund ist, dass die Hauptversammlung einer Kapitalerhöhung zugestimmt hat.“

Zudem tauschten Anleger VW-Anleihen mit Minusrendite in solche mit positiver Rendite. Sehr viel um ging dem Händler zufolge weiter in der Ekosem Agrar-Anleihe.

Singulus und Eyemaxx: Erholung nach Gläubigerversammlungen

Sowohl Bonds von Singulus Technologies als auch Eyemaxx Real Estate profitieren diese Woche von Beschlüssen der Gläubigerversammlungen, wie Karim Döring von Oddo BHF erklärt. „Die Laufzeit der Singulus-Anleihe wurde um fünf Jahre verlängert, die Verzinsung liegt jetzt bei 4,5 Prozent, die Rückzahlung wurde auf 105 Prozent erhöht.“

Im Fall von Eyemaxx waren die wichtigsten Änderungspunkte Sonderkündigungsrechte der Anleihegläubiger beim Unterschreiten bestimmter Eigenkapitalgrenzen.

Mittlerweile gut nachgefragt wird die seit Ende letzter Woche handelbare, bis 2026 laufende Anleihe von Zeitfracht Logistik mit Kupon von 5 Prozent. „Der Deutsche Mittelstandsanleihenfonds hat die neue Anleihe ins Fondsportfolio aufgenommen“, berichtet Brunner.

Der Deutsche Mittelstandsanleihenfonds setzt auf Schuldverschreibungen deutscher mittelständischer Unternehmen. Die müssen von einer Ratingagentur mit „Investment Grade“ beurteilt sein oder den Zugangsvoraussetzungen eines Mittelstandssegments entsprechen, etwa den des Entry Standard der Börse Frankfurt.

Seit Jahresanfang kommt der Fonds Morningstar zufolge auf eine Rendite von 4 Prozent, in den letzten fünf Jahren waren es 3,4 Prozent im Jahr. Fondsschwergewichte sind derzeit Anleihen von R-Logitech, Metalcorp Group, Douglas, Securo Pro und Ekosem-Agrar.

Auf reges Käuferinteresse stoßen laut Brunner weiter Anleihen des Immobilienentwicklers UBM Development und der Beteiligungsgesellschaft Mutares. Die bis 2024 laufende Anleihe von Mutares mit Kupon von 6 Prozent wird mittlerweile zu 103,76 Prozent gehandelt.

Weitere Trading News Weitere Trading News