Rettet Peking die türkische Lira?

Bernstein Bank: Totgesagte leben länger: Obwohl US-Präsident Donald Trump Ankara wegen des Einmarsches in Nordsyrien mit der Vernichtung der türkischen Wirtschaft gedroht hat, hält sich die Lira erstaunlich robust. Der Grund dafür dürfte neben laschen US-Sanktionen und der Inaktivität Europas die Unterstützung der Volksrepublik China sein.

Die diplomatische Offensive der Chinesen hat potenziell Auswirkungen auf Yuan, Gold oder Erdöl.

 

Lira relativ robust
Die relative Stärke der Lira ist erstaunlich angesichts der zuvor gezeigten Schwäche der Devise. Zwischen Februar und Mai rutschte die türkische Lira von 5,2 zum US-Dollar auf 6,2. Nun hat sich USDTYR wieder auf 5,82 Dollar erholt.

Was wahrscheinlich zur Lira-Stabilisierung beiträgt, ist Chinas Intervention.Wie Bloomberg Anfang August berichtete, hatte die chinesische Zentralbank im Juni Assets im Wert von umgerechnet 1 Milliarde Dollar in die Türkei transferiert. Das Investment sei das bislang höchste im Rahmen eines Lira-Yuan-Swap-Agreements aus dem Jahr 2012 gewesen, hieß es unter Berufung auf einen Insider.

 

Belt and Road – Chinas neue Seidenstraße
Außerdem investiert China kräftigdirekt in der Türkei, wie beispielsweise die „Nikkei Asian Review“ schon im August vorigen Jahres meldete. Peking baut sich eine neue Seidenstraße, zu der auch der Iran gehört. Laut „Nikkei“ versprach China Engagements in Höhe von umgerechnet 3,6 Milliarden Dollar in der Türkei. Konkret soll die staatliche Commercial Bank of China 2,4 Milliarden für den Ausbau von Straßen und Brücken leihen.

Und weitere 1,2 Milliarden Dollar für den Bau von Gas-Speichern an der Küste.

Die Gelder erreichen allmählich die türkische Volkswirtschaft.

 


 

Yuan short – Lira long
Die Deals sollen unter Umgehung des Dollars direkt in Yuan und Lira abgewickelt werden. Soll heißen: China liefert Yuan, die der türkische Staat gegen Lira verkauft. Was zum Abwärtstrend des international gehandelten Renminbi passt – und zugleich in die chinesische Strategie, die heimische Währung zu schwächen, um die Exporte im Zollstreit mit den USA anzukurbeln. Ankara hätte sein Ziel, die Lira zu stützen, ebenfalls erreicht.

Sollten zudem die Engagements des chinesischen Privatsektors anhalten, dann wird das die türkische Wirtschaft weiter stabilisieren – siehe etwa Alibaba und Trendyol (Anteilskauf über 730 Millionen Dollar), das Joint Venture von Turkish Airlines mit ZTO Express, der chinesische Smartphone-Hersteller ZTE und der Kauf von Netas.

 

Dollar und Rubel short – Gold long
Eine weitere Konsequenz ist die De-Dollarisierung. Russland hat es schon vorgemacht und sich in großem Stil von US-Staatsanleihen getrennt. China könnte auf diesem Weg folgen. Und beide Länder kaufen – genau wie die Türkei –verstärkt Gold ein.

Wobei Russland genau wie China – anders als noch die Türkei – auf eine Abwertung der eigenen Währung setzt und angesichts der verstärkten Rüstungsanstrengungen und internationalen Militär-Engagements wie jetzt in Syrien wohl den Rubel weiter unter Druck setzen wird.

 

Die neue regionale Ordnung
Für China ist die Unterstützung der Türkei auch ein Mittel, um die rund 300 Millionen türkischstämmigen Menschen an seiner Grenze ruhig zu halten. Ankara spielt gerne den Schutzherren für die Turkvölker Zentralasiens, schlägt aber seit der Entwicklungshilfe deutlich moderatere Töne in der Frage der chinesischen Uiguren an. Natürlich schweigt umgekehrt China nun bei der Intervention der Türkei in Nordsyrien.

Das ist die neue Gemengelage: Russland, Syrien, China und Iran sind de facto verbündet. Die Türkei nähert sich diesem Block an. Europa schaut dem blutigen Treiben vor der eigenen Haustür wie immer tatenlos zu, empört sich und macht Amerika für alles verantwortlich.

Die USA verfolgen unter Donald Trump einen zunehmend isolationistischen Kurs, ziehen sich aus endlosen Regionalkonflikten zurück und unterstützen nur noch die engsten Alliierten, etwa Israel und Saudi-Arabien.

Keine schöne neue Welt
Ruhe, Wohlstand und Frieden also für alle Zeiten?Wohl kaum. Die Unbekannten in dieser Gleichung: Ein neuerlicher Schwenk der US-Außenpolitik, etwa unter den Demokraten, hin zum Interventionismus. Und Störmanöver des Iran, der auf den Ölmarkt drängt.

 


 

Zudem verhindert die Bevölkerungsexplosion Stabilität.

Das heißt für die Türkei: Der kurdische Aufstand dürfte weiter köcheln. Wie die „Asia Times“unter Berufung auf die Zahlen von Turkstataus dem Jahr 2015 konstatierte, hält sich die Geburtenrate in den kurdischen Regionen hoch, während sie bei den Türken abnimmt. Bei der Zahl der Hochzeiten sieht es nicht anders aus.

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