vontobel: Wie viel Potenzial steckt noch im Bergbau?

Steigende Rohstoffpreise haben traditionellen Minenunternehmen wie beispielsweise BHP Billiton, über die letzten Jahrzehnte ein bedeutendes Wachstum bei Produktion und Umsätzen beschert. Die zusätzlichen Mittel flossen fast "eins zu eins" in immer aufwändigere, neue Explorationsprojekte. Dies ist auf das bisher noch nie dagewesene Wachstum von Investitionen in Sachanlagen in China zurückzuführen. Die Aktien dieser Unternehmen wiesen zu Beginn des abgelaufenen Jahrzehnts angesichts des bereits seit einigen Dekaden mangelnden Anlegerinteresses sehr tiefe Bewertungen auf. Die steigenden Rohstoffpreise waren die wichtigsten Treiber für die Wertschöpfung dieser Unternehmen. Die chinesische Regierung hat in den vergangenen Monaten aber nun deutlich gemacht, dass sie ihr Augenmerk weniger auf Investitionen in Sachanlagen, sondern erneut vermehrt auf ein konsumgetriebenes Wachstum richten wird. Es stellt sich die Frage, über wie viel Wertschöpfungspotenzial diese Bergbauunternehmen ohne einen weiteren massiven Anstieg der Rohstoffpreise verfügen.

Mittlerweile steigt der Kostendruck. Arbeitnehmer fordern einen größeren Anteil an den Erträgen, die aus diesem Rohstoffzyklus stammen, insbesondere zu Zeiten eines Fachkräftemangels. Gleichzeitig steigen die Kosten für Wachstumsprojekte – ein wesentlicher Faktor dafür sind die rasch abnehmenden Erzgehalte.

Eine weitere schleichende Bedrohung stellt der Ressourcen-Nationalismus dar. Eine aktuelle Studie von Ernst & Young betrachtet diesen als das größte Geschäftsrisiko im Bergbausektor, noch vor dem Fachkräftemangel. Das Beratungsunternehmen hat dabei 25 Länder identifiziert, die ihre Steuern oder Abgaben innerhalb der Branche entweder bereits erhöht haben oder beabsichtigen, dies zu tun. Diese Länder sind für einen bedeutenden Anteil der gesamten Rohstoffproduktion verantwortlich. Interessanterweise handelt es sich dabei sowohl um Industrie- als auch um Entwicklungsländer. Die jüngsten Entwicklungen umfassen den Plan Indonesiens, dieses Jahr auf Kohle und Basismetallen eine Exportsteuer von 25 Prozent zu erheben, wobei dieser Steuersatz bis 2013 auf rund 50 Prozent ansteigen soll. Zudem beabsichtigt das Land auch, ausländische Eigentumsrechte an seinen Minen zu begrenzen. Auch die australische Regierung hat eine Steuer von 30 Prozent auf die Erträge von Kohle- und Eisenerzminen eingeführt.

Eine Betrachtung der Renditen der vier größten börsennotierten Bergbauunternehmen seit 2005 zeigt Folgendes: Die Regierungen schneiden sich den größten Teil des wirtschaftlichen Unternehmenserfolgs ab, während die Aktionäre am wenigsten erhalten. Interessant ist auch, dass die Geschäftsleitungen mehr verdienen als andere, nichtstaatliche Interessengruppen.

Daraus ergibt sich die Frage, wie sehr die Interessen der Geschäftsleitungen mit denjenigen anderer Anspruchsgruppen überstimmten und -stimmen. Die Geschäftsmodelle traditioneller Minenunternehmen weisen nach unserer Überzeugung gravierende Schwächen für Anleger auf. Gleichzeitig gibt es im Bereich "Future Resources" eine Vielzahl von interessanten Gesellschaften, mit denen Anleger die Rohstoffmärkte der kommenden Jahrzehnte "spielen" können und so den intelligenteren Weg für Rohstoffanlagen in der Zukunft wählen.

von Sreejith Banerji, Fondsmanager des Vontobel Fund

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge