Wende in der Geldpolitik

  • Volkswirt Martin Hüfner sieht ein Ende der expansiven Geldpolitik
  • Neues Stadium in der Überwindung der Krise, Stabilisierung der Märkte im Vordergrund

Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der österreichischen Wertpapieranlagebank direktanlage.at, sieht eine “Wende in der weltweiten Geldpolitik”. Die Zentralbanken würden erstmals wieder die Stabilisierung der Kapitalmärkte und nicht die Inflationsbekämpfung in den Vordergrund rücken.

“Seit Monaten sprechen die Zentralbanken über den Exit aus der expansiven Geldpolitik – jetzt scheint es ernst zu werden”, sagt Hüfner. “Es begann mit Zinsanhebungen an der Peripherie der internationalen Kapitalmärkte. Zuerst erhöhte Israel die Sätze. Dann kamen Australien und Norwegen. Als nächste sind vermutlich Südkorea, Mexiko, Brasilien und Indien an der Reihe. Nun werden wohl auch in den Zentren der Finanzmärkte die Weichen neu gestellt.”

“Neue geopolitische Welt”

Laut dem Experten kommen drei Entwicklungen zusammen: Zuerst beschloss am Freitag die Bank of Japan, dass sie die Ankaufsprogramme für Unternehmensanleihen und kurzfristige unbesicherte Schuldtitel beenden wird. Dann liefen am Wochenende in den USA die Käufe von Staatsanleihen aus – insgesamt ein Volumen von 300 Milliarden Dollar. Und Hüfner meint: “Vermutlich wird die EZB am Donnerstag bekannt geben, dass sie die Repo-Geschäfte mit einer Laufzeit von 12 Monaten am Jahresende auslaufen lässt.”

“All das spricht dafür, dass wir jetzt in eine neue geldpolitische Welt treten”, so der Volkswirt. “Die Überwindung der Wirtschafts- und Finanzkrise kommt in ein neues Stadium. Die Tatsache, dass das von drei großen Notenbanken gleichzeitig eingeläutet wird, ist sicher kein Zufall. Durch die internationale Koordinierung der Aktion können unerwünschte Wechselkurswirkungen in Grenzen gehalten werden.”

“Für Anleger längerfristig zu begrüßen: Volatilität wird gebremst”

Durch die Maßnahmen werde die Liquidität an den Kapitalmärkten reduziert. Hüfner: “Hier liegt vermutlich auch die Hauptmotivation der Notenbanken. Sie sind besorgt, dass die Banken die Liquidität nicht zur Ausweitung des Kreditgeschäfts nutzen, sondern dass sie damit ihren Eigenhandel zum Eingehen spekulativer Positionen alimentieren.” Die Zentralbanken würden damit geldpolitisches Neuland betreten. Bisher seien ihre Restriktionen immer am Inflationsziel orientiert. “Jetzt treten sie zum ersten Mal an, um die Kapitalmärkte zu stabilisieren und künftige Blasen zu verhindern”, erklärt Hüfner.

Was heißt dies für den Anleger? “An sich ist das Einsammeln von Liquidität für den Anleger eine schlechte Nachricht. Den Märkten wird Treibsatz für Kurssteigerungen genommen”, meint der Berater von direktanlage.at. “Längerfristig ist es jedoch zu begrüßen. Die ungesunde Volatilität wird gebremst. Es muss jedermann klar sein, dass eine so steile Aufwärtsentwicklung der Aktienkurse wie in den letzten Monaten nicht so weitergehen kann. Das Beste, was uns passieren kann, ist, dass sich die Entwicklung normalisiert, dass die Schwankungen zurückgehen und dass am Ende ein stabiles Plus von vielleicht 5 bis 10 Prozent für den Jahresverlauf 2010 herauskommt. Die Chancen dafür werden sich durch die Zentralbankmaßnahmen erhöhen.”

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