Zertifikate-Trends: Lust auf US-Techwerte

Börse FrankfurtEinzelne Aktien – insbesondere US-Technologiewerte – rücken bei vielen Händlern in der Zertifikate-Bestenliste nach vorn. „In den vergangenen Wochen liefen – abgesehen von den üblichen Lieblingsthemen – vor allem Apple. Adobe, aber auch Tesla besonders gut“, beschreibt Simon Görich von der Baader Bank.

Das große Interesse an dem Elektrobauer aus den Vereinigten Staaten vonseiten kurzfristig orientierter Anleger liegt Görich zufolge nicht zuletzt an den starken Bewegungen der Aktie. Auf Monatssicht schwankte die Tesla-Aktie auf Basis der Gemeinschaftswährung zwischen 295 und 409,50 Euro, aktuell kostet ein Anteil 375 Euro. Besonders große Nachfrage bestehe derzeit an einem sechsfach geheblten Faktor-Long-Zertifikat auf Tesla.

 


 

Übertreibungen sichtbar

„Der DAX steht vergleichsweise weniger im Fokus als sonst“, stellt Markus Königer von der ICF Bank fest. Stattdessen konzentrierten sich auch seine Kunden zunehmend auf Einzelwerte.

Überwiegend Long-Positionierungen sieht der Händler in Tesla-, Apple-, Amazon- und Nvidia-Zertifikaten. Königer hält US-Technologieaktien für “gehypt” und mittlerweile zu teuer. Wenn selbst Vorstandsvorsitzende vor einer Übertreibung warnen, sei dies ein Signal. „Ich freue mich aber, wenn Anleger mit ihrem Optimismus rechtbehalten.“

Es gibt auch Skeptiker

„In unserer Zertifikate-Statistik belegen Volkswagen, Apple und Tesla in dieser Reihenfolge als Basiswerte die Plätze fünf, sechs und sieben“, meldet Anouch Wilhelms von der Société Générale. Gefühlt beschäftige sich jeder mit Tesla. „Auch im Rahmen unseres seit 7. September laufenden Börsenspiels ist Tesla der beliebteste Wert.“

Börsianer feierten die Aktie regelrecht und hätten den Elektroautobauer damit innerhalb kürzester Zeit zum wertvollsten Autokonzern der Welt gekürt. „Dabei lag der Umsatz von Tesla im vergangenen Jahr bei nur 20 Milliarden Euro.“ Im Zertifikate-Handel positionierten sich Wilhelms Kunden eher short. Das gelte beispielsweise für ein gefragtes Faktor 1:1-Produkt auf den US-Autobauer.

Bullish für VW

Auf steigende Kurse der VW-Aktie setzen Käufer eines gern gehandelten Calls auf den Wolfsburger Fahrzeughersteller mit einer Knock-Out-Schwelle von 124 Euro, wie Wilhelms registriert. Trotz Absätzen im Volumen von rund 252 Milliarden Euro in 2019 stehe der größte Automobilproduzent der Welt mit einen Börsenwert von 77 Milliarden Euro eher klein da.

Gold uneinheitlich

Gold und Silber bleiben als Underlying gefragt. Derivate-Anleger positionieren sich Wilhelms zufolge in Gold-Zertifikaten sowohl Long als auch Short. „Gold ist etwas zur Ruhe gekommen.“

Königer spricht von Interesse an Goldprodukten, die von steigenden Kursen profitieren. Gefragt sei beispielsweise ein Tracker-Zertifikat auf Gold.

Nach Ansicht von Wilhelms französischen Kollegen könnte der Goldpreis im ersten Quartal 2021 im Schnitt bei 2.200 US-Dollar pro Feinunze liegen. Aktuell liegt der Preis bei 1.945 US-Dollar. Sollten sich die Weltwirtschaft sowie die Finanzmärkte normalisieren, werde Gold im Anschluss eher nachgeben.

Für die Goldpreisentwicklung sei zudem die Nachfrage nach Gold-ETFs entscheidend. An die hohe Nachfrage in diesem Jahr werde Gold in 2021 aller Voraussicht nach nicht anknüpfen können. Große Vermögensverwalter und viele Privatkunden hätten ihre Goldallokation bereits erhöht.

Silber mit Aufwärtspotenzial

Silber sehen Käufer eines Knock-Out-Produkts mit einer Schwelle von 19,3635 US-Dollar tendenziell stärker, wie Weilhelms informiert. Auch König spricht von Nachfrage nach zumeist Long-Silberwerten.

Euro: ohne eindeutige Tendenz

Derivate, die das Währungspaar Euro/US-Dollar abbilden, waren Wilhelms zufolge sehr gefragt. „Aufgrund der schwächeren Volatilität kommen zumeist Faktorprodukte zum Einsatz.“ Mit einem rege gekauften Hebel-Zertifikat setzten Anleger auf eine weitere Aufwertung der Gemeinschaftswährung zum Greenback. Käufer eines Puts erwarteten einen schwächeren Euro.

DAX unentschieden

„In einer Spanne von 13.000 bis 13.500 Punkten ist der DAX mit größeren Ausschlägen im Moment etwas richtungslos“, stellt Görich fest. Das spüre man im Handel.

Wilhelms sieht das ähnlich. Mit einem gefragten Indexzertifikat auf den DAX profitierten Anleger von einer fortgesetzten Erholung am deutschen Aktienmarkt. Ebenso erwarteten Käufer eines Knock-Out-Produkts eher steigende DAX-Kurse. Gleichzeitig käme ein Short-Derivat häufig zum Tragen, das bei Erreichen von 13.600 Punkten und darüber wertlos wird.

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