Zins- & Kreditmonitor: Anstieg der Kreditzinsen auf ca. 4.0%
Der Monitor bietet eine umfassende Einschätzung der aktuellen Situation auf dem Kreditmarkt, informiert über Kreditkosten, Zinssätze sowie die wichtigsten Markttrends und volkswirtschaftlichen Kennzahlen.
Anstieg der Unternehmenskreditzinsen auf durchschnittlich ca. 4.0%
Die Zinsen für Unternehmenskredite sind seit Anfang 2022 zunächst moderat, ab dem zweiten Quartal 2022 zunehmend rapide angestiegen. Ab November 2022 hat sich der Zinsanstieg etwas abgebremst, die Kreditzinsen gingen sogar leicht auf etwa 3.8% zurück.
Aktuell sind die Durchschnittszinsen erneut leicht angestiegen und liegen per Februar 2023 wieder bei ca. 4.0%.
Diese Zinsentwicklungen wurden insbesondere getrieben durch die Ukrainekrise und die durch sie hervorgerufene Marktunsicherheiten sowie die rapiden angestiegenen und noch immer sehr hohen Inflationsraten in Deutschland, im Euroraum und den USA.
Aufgrund der weiterhin hohen Inflation und seitens EZB und FED weiterer avisierter Leitzinserhöhungen ist auch im laufenden Jahr mit weiter steigenden Kreditzinsen zu rechnen. Auch werden die Banken ihre Risikomargen weiter erhöhen, um ggf. steigende Kreditausfälle zu kompensieren und ihre Zinserträge weiter zu steigern.
Zusammen mit den Leitzinserhöhungen und dem daraus resultierenden Anstieg der Referenzzinsen (EURIBOR- und Swap-Sätze) führt dies für die finanzierenden Unternehmen sogar zu einem „doppelten“ Zinssteigerungs-Effekt.
Mit einer Stabilisierung, d.h. einem Stopp des Zinsanstiegs der Unternehmenskreditzinsen rechnet FCF daher nicht vor Ende des ersten Halbjahres 2024.

Zins- & Kreditmonitor Q4/2022 – Entwicklung Leitzinsen und Prognose (Quelle: FCF)
Inflation nach wie vor deutlich über dem 2% EZB-Ziel in allen 19 Ländern der Eurozone
In allen 19 Ländern der Eurozone lagen Inflation und Kerninflation per Ende 2022 deutlich über dem 2%-EZB-Inflationsziel. Auch per Ende Februar 2023 liegt die Inflation in Deutschland bzw. in der Eurozone nach wie vor bei zu hohen 8.9% bzw. 8.5%.
Seit Anfang 2022 hat die EZB die Leitzinsen bereits fünf Mal angehoben sowie das EZB-Anleihekaufprogramm bereits weitestgehend eingestellt. Weitere Leitzinserhöhungen zur Inflationsbekämpfung wurden seitens der Zentralbank bereits angekündigt.
Auch die zu erwartende Neuverschuldung der Bundesrepublik (und anderer EU-Staaten) im Zusammenhang mit der Corona- sowie der Ukraine-Krise spricht für kurz- bis mittelfristige zusätzliche Zinserhöhungen.
Finanzierungsumfeld für Unternehmen weiterhin positiv
Der Bankenmarkt ist noch immer sehr aufnahmefähig für neue Finanzierungen – insbesondere für Firmen mit guten Bonitäten (d.h. Investment Grade aber auch höheres Sub-Investment Grade) sind nach wie vor attraktive Konditionen realisierbar.
Dieses Fenster könnte sich jedoch in den nächsten wenigen Monaten recht schnell schließen, insbesondere für Firmen mit niedrigeren Ratings im Bereich von „BB“ und darunter.
Für den Fall, dass die Insolvenzquote oder der Anteil notleidender Kredite ansteigen sollte, wird sich das Refinanzierungsfenster erfahrungsgemäß sehr schnell schließen.
Kai Frömert, Managing Director bei FCF rät Unternehmen daher zum vorausschauenden Handeln: „CFOs sollten sich die aktuell vergleichsweise noch immer relativ guten Konditionen durch vorzeitige Erneuerung / Prolongation ihrer Finanzierungen jetzt noch sichern. Darüber hinaus können variabel verzinste Finanzierungen durch Zinssicherungsinstrumente vor weiteren, unvorhergesehenen Zins-Events geschützt werden.“
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