Zinserhöhung: Langlaufende Anleihen könnten unter Druck kommen

  • Eine weitere Zinserhöhung in den USA wird zusehends wahrscheinlicher
  • Steigende Zinsen belasten langlaufende Anleihen stärker, kurzlaufende Anleihen weniger

 

Deutsche Asset Management: Die nächste US-Zinserhöhung könnte schon im Juni kommen. Was das für Zinsanleger bedeutet und wie sie sich richtig positionieren. Erneut haben Führungsmitglieder der US-Zentralbank ihre Bereitschaft zu raschen Zinserhöhungen deutlich gemacht.

 

Auch der verhaltene Jahresstart der US-Wirtschaft sollte die Notenbank nach Einschätzung einer hohen Währungshüterin nicht von einer raschen Zinserhöhung abbringen. Anleger sollten sich darauf vorbereiten.


"Auch in schnelllebigen Zeiten sollten wir uns bei den einlaufenden Wirtschaftsdaten nicht zu Überreaktionen hinreißen lassen", sagte jüngst Loretta Mester, Chefin der Filiale der US-Notenbank in Cleveland. Das US-Bruttoinlandsprodukt hat in den ersten drei Monaten aufs Jahr hochgerechnet um moderate 1,2 Prozent zugelegt.

 

Zinserhöhung gegen mögliche Überhitzung der Wirtschaft
Die Notenbank wertet dieses eher bescheidene Wachstum jedoch als Ausreißer im Aufwärtstrend. Mester verweist darauf, dass die Fed immerhin schon ihr Ziel Vollbeschäftigung erreicht habe und bei der Inflation dem angestrebten Wert von zwei Prozent nahe sei. Die Notenbank müsse nicht mit einer weiteren Straffung der Geldpolitik warten, bis auch dieses Ziel erfüllt sei.

Die Äußerungen dürften viele Investoren erneut in ihrer Erwartung bestärken, dass die US-Notenbank im Juni den Leitzins weiter erhöhen wird. Sie hatte ihn zuletzt im März auf das aktuell gültige Niveau von 0,75 bis 1,0 Prozent angehoben.

Die Arbeitslosenquote war zuletzt auf 4,4 Prozent und damit das niedrigste Niveau seit fast zehn Jahren gesunken. Im April fiel zudem der Stellenzuwachs weit höher als erwartet aus. Einige Fed-Führungsmitglieder, etwa der Chef der Federal Reserve von San Francisco, John Williams, fürchten nun sogar schon wieder eine Überhitzung der US-Wirtschaft.

 

Langlaufende Anleihen könnten unter Druck kommen
Traditionell bekämpft die US-Notenbank solche Überhitzungserscheinungen mit höheren Zinsen. Die unmittelbare Folge höherer Zinsen dürften dann Kursverluste bei US-Anleihen sein.

Zinsen und Anleihenkurse bewegen sich immer in entgegengesetzte Richtungen. Je länger die Restlaufzeit einer Anleihe, desto stärker reagiert ihr Kurs auf Veränderungen des Zinsniveaus. Bei Anleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit, führt ein Anstieg der Zinsen um einen Prozentpunkt zu etwa sieben Prozent Kursrückgang.

Bei Anleihen mit kürzeren Restlaufzeiten sind die Auswirkungen steigender Zinsen weniger gravierend. Faustregel: Je kürzer die Laufzeit, desto weniger reagiert der Kurs auf steigende oder fallende Zinsen. Anleger, die weiterhin in US-Anleihen investiert bleiben wollen – beispielsweise weil US-Staatsanleihen deutlich mehr Rendite bringen als Bundesanleihen – sollten die Struktur ihres Anleihenportfolios überprüfen.

 

Wer einer möglichen Zinserhöhung vorbeugen will, wechselt so weit wie möglich von Anleihen mit langer Restlaufzeit in Anleihen mit kurzer Restlaufzeit und achtet auf ein international gut diversifiziertes Portfolio.

 

 

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