Vietnam meldet Rekordwachstum

Deutsche Asset Management: 2017 war für Vietnam ein Jahr der Rekorde. Das höchste Wirtschaftswachstum seit zehn Jahren, eine Exporttätigkeit in Rekordhöhe und auch bei den ausländischen Direktinvestments war ein neuer Höchststand zu verzeichnen. Vor allem aber strebt Vietnams Regierung an, die Rekorde im Jahr 2018 trotz aller Wiederstände noch zu toppen.

Die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams ist eine Erfolgsgeschichte. Seit Einführung der „Doi-Moi“-Wirtschaftspolitik im Jahr 1986 – Doi Moi steht auf Vietnamesisch für Erneuerung – ist das damals vom Vietnam-Krieg schwer gezeichnete südostasiatische Land inzwischen zu einem „Middle Income Country“ aufgestiegen. Das erklärte Ziel für 2020, an dem die Regierung unbeirrt festhält, ist es, den Status einer Industrienation zu erlangen.

Die Wachstumszahlen sprechen dafür, dass Vietnams Volkswirtschaft diesem ambitionierten Ziel immer näherkommt. Nachdem in den Jahren 2014 bis 2016 die Wirtschaft um jeweils mehr als 6% gewachsen ist, waren es im vergangenen Jahr 6,81%, wie der VnExpress International berichtet. Zugleich erklärt der Nachrichtendienst, dass die vietnamesische Regierung dies 2018 noch übertreffen will.

Ursächlich für die überdurchschnittliche Entwicklung in Vietnam sind der „lebhafte private Konsum“ insbesondere der stark gewachsenen Mittelschicht sowie „massiv gestiegene Exporte“, wie die Experten von Germany Trade & Invest aufzählen. Premierminister Nguyen Xuan Phuc bezeichnet 2017 denn auch als ein Jahr der Rekorde. So sei die Exporttätigkeit gegenüber 2016 um 21 Prozent angestiegen, die ausländischen Direktinvestitionen lagen mit mehr als 35 Milliarden US-Dollar sogar um 44% über den Zahlen von 2016 und auch das Wirtschaftswachstum von 6,81% markiert einen Rekord – den höchsten Stand der vergangenen 10 Jahre.

Vietnam will nicht mehr nur verlängerte Werkbank sein

Allerdings mehren sich auch mahnende Stimmen, die die Gefahr sehen, dass Vietnam sich in einer „Middle-Income-Trap“ verfangen könnte. Zwar verfügt Vietnam über eine relativ junge, arbeitsfähige Bevölkerung, doch finden diese allzu oft nur eine Beschäftigung als schlecht entlohnte Hilfsarbeiter. Die eigene Wertschöpfung im Lande sei dabei aber gering. Beispielsweise nutzen Technologiekonzerne wie Samsung, Panasonic, Microsoft und Intel Vietnam als verlängerte Werkbank, wobei die Produkte zumeist nur zusammengesetzt werden –Technologie, Software und Bauteile aber importiert werden müssen.

Vietnams Regierung hat diesen Missstand erkannt und will 2018 gegensteuern. Sie hat einen Aktionsplan erlassen, um „die Marktwirtschaft mit sozialistischer Orientierung zu vollenden und die Privatwirtschaft zu fördern“, berichtet Voice of Vietnam. So ist ein Gesetz zur Unterstützung von kleinen und mittelständischen Unternehmen in Vorbereitung. Zwar zählt Vietnam rund 700.000 aktive Unternehmen, doch rund 60% davon sollen nicht profitabel sein. Hier will die Regierung Abhilfe schaffen. Durch eine Ausbildungsoffensive, um Arbeitskräfte besser zu qualifizieren, ebenso wie mithilfe von Infrastruktur- und Umweltschutzmaßnahmen. Geplant ist ebenfalls der Aufbau von 3 Sonderwirtschaftszonen im Norden, im Süden und in Zentralvietnam.

Privatisierungen sollen die Verschuldung senken

Zur Finanzierung des Aktionsplans wurden weitreichende Privatisierungen angekündigt. Während die Privatisierung staatseigener Betriebe im Jahr 2017 rund sechs Milliarden Dollar in die Staatskasse brachte, soll 2018 in etwa das zehnfache vereinnahmt werden.  Auf der Privatisierungsliste stehen Industrieunternehmen wie Binh Son Refining and Petrochemical, PetroVietnam Oil oder PetroVietnam Power. Zugleich wurden die Beschränkungen für ausländische Investoren deutlich gelockert.

Die Erlöse aus den Privatisierungen werden allerdings auch dringend benötigt. Ende letzten Jahres erreichte die Verschuldung der öffentlichen Haushalte in Vietnam die 65-Prozent-Marke, was eine gesetzlich vorgesehene Obergrenze markiert . Entsprechend mussten erforderliche Investitionen zurückgefahren oder verzögert werden. Um wieder handlungsfähig zu werden, muss die vietnamesische Regierung die Verschuldung wieder senken.

Der neue Entwicklungsplan sieht neben den genannten Maßnahmen auch eine Green Growth Strategy vor, um die Entwicklung des Landes umwelt- und sozialverträglicher zu gestalten. Die Green Growth Strategy soll unter anderem den Umweltschutz und das Erreichen der Klimaschutzziele fördern, Energieengpässe durch den Ausbau Erneuerbarer Energien und effizienterer Energienutzung beseitigen, Verkehrswege modernisieren und nicht zuletzt auch die sozialen Sicherungssysteme auf- und ausbauen.

Unterstützend könnte sich bei der geplanten wirtschaftlichen Entwicklung das erwartete Wachstum der Weltwirtschaft zeigen, an dem Vietnam durch seine weitreichenden Handelsbeziehungen partizipieren kann. So soll etwa das Freihandelsabkommen EVFTA mit der EU im ersten Halbjahr 2018 in Kraft treten. Auch die Aufkündigung der Transpazifischen Partnerschaft TPP durch die USA brachte die Teilnehmer nur kurzfristig aus dem Takt. Das TPP ohne die USA soll noch in diesem Jahr unterzeichnet und möglichst schon 2019 in Kraft treten. Begleitet von „einem günstigen Investitionsklima“, einer geringen Inflation sowie stabilen Zinsen und einer festen Währung sollte dies nach Ansicht der Regierung ausländische Investoren überzeugen und die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams gewährleisten.

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