Interview mit Christoph Schnabel: Nebenwerte-Analyse – Profitieren Sie vom starken Mittelstand
broker-test.de im Interview mit Christoph Schnabel, Chefredakteur „Nebenwerte-Analyse“, über die Stärke deutscher Nebenwerte, Nähe zu Unternehmensentscheidern, den Mut rechtzeitig zu investieren sowie einen Ausblick auf die nächsten 12 Monate.
Seit der ersten Veröffentlichung in 2002 gehören Sie zum Redaktionsteam der Nebenwerte-Analyse (ehemals Der Falkenbrief). Welche Gründe sprachen dafür in einem Jahr, in dem die Börsen nur den Weg nach unten kannten, einen Nebenwerte-Dienst zu gründen?
Christoph Schnabel: Chancen am Aktienmarkt gibt es doch gerade dann, wenn das Blut auf der Straße fließt. Wenn alle denken das Ende ist nahe, dann muss man rein! So war das am 11. September 2001, 2002 aber auch 2009. Und noch eines gilt es dabei zu bedenken. Die Idee des Börsenbriefs hatten wir schon zwei Jahre im Vorfeld. Bloß da war noch kein Vorstand bereit mit uns Newcomern ernsthaft zu reden! In der Internetblase haben die doch alle nur noch ihr Geld gezählt.
Seit 2005 haben Sie die Chefredaktion des Falkenbrief übernommen. Was hat sich damit an der Strategie des Dienstes geändert?
Christoph Schnabel: Auf jeden Fall nichts Inhaltliches! Es war schon immer Ziel und der Zweck unterbewertete mittelständische Unternehmen aus Deutschland und Österreich auf Herz und Nieren zu prüfen und diese dann in Folge der Leserschaft vorzustellen. Lediglich das Format hat sich der schnelllebigeren Zeit angepasst. So ist es heute Standard, dass Analysen sofort nach Erstellung per Mail versandt werden. Früher ging das ja schon aufgrund der schmalen Datenraten nicht.
Während der letzten großen Krise haben Sie ja bereits im Dezember 2008 schon wieder massiv zum Kauf von Nebenwerten aus Deutschland und Österreich aufgerufen. Das in einer Zeit, in der das Gros der Analysten noch zum Verkauf riet. Was machte Sie so sicher, dass genau diese Zeit den idealen Einstiegszeitpunkt darstellt?
Christoph Schnabel: Sicherlich war ich wieder einmal etwas früher dran als viele meiner Kollegen, die zu diesem Zeitpunkt entweder alle noch voll investiert waren oder gerade ihre Verkaufsorders mit hohen Verlusten positionierten. Letzteres war für mich auf jeden Fall schon ein sehr gutes Indiz. Aber da gab es noch viele andere. Unter anderem konnte man am Markt beobachten, dass die Übernahmetätigkeit markant anstieg. Das heißt, viele kleinere Aktiengesellschaften wurden einfach vom Markt zu Schleuderpreisen weggekauft.
Und schließlich waren es auch die laufenden Gespräche mit den Unternehmensentscheidern, die mir Sicherheit gaben. Denn viele von Ihnen reagierten mit Bravur auf die sinkende Nachfrage und konnten so sehr schnell Kostenstrukturen senken um auch weiterhin nahe der Profitabilität zu bleiben. Schließlich wurden dann ja auch noch weltweit Milliarden an Staatshilfen in Aussicht gestellt.
Wie haben sich Ihre Empfehlungen seit dem entwickelt?
Christoph Schnabel: Besser als der Markt und besser als die vieler meiner Kollegen. Bitte verstehen Sie, dass ich Ihnen jetzt nicht im Detail aufführe wie viele 100% oder gar 1.000% drin waren. Das halte ich für eine zu unseriöse und unausgewogene Berichterstattung. Eins kann ich aber dennoch dazu sagen. Über alle Empfehlungen hinweg war schon deutlich mehr als eine Verdopplung drin.
Warum konzentrieren Sie sich auf Nebenwerte, obwohl der Großteil der Anleger und Medien doch immer auf den DAX mit seinen Blue Chips schaut?
Christoph Schnabel: Genau deswegen. DAX Titel bieten für mich einfach kein verborgenes Potenzial mehr. Denn wenn einmal über hundert Analysten weltweit über einen Aktie schreiben, dann können Sie sich sicher sein, gibt es nichts mehr, was der Markt nicht bereits schon weis und eingepreist hat. Bei Nebenwerten ist dies anders. Oftmals fehlt hier komplett die Berichterstattung. Mit ein Grund warum man als Redakteur hier auch schnell direkten Draht zu den Entscheidern aufbauen kann. Die sind von den Medien und Investoren einfach noch nicht so verwöhnt worden wie die Großen.
Nach den Tiefstständen im März 2009 haben sich DAX, MDAX und SDAX schon wieder verdoppelt. Was denken Sie, wie die Entwicklung in den nächsten 12 Monaten aussehen wird?
Christoph Schnabel: Aktuell befindet sich der Markt in einer äußerst wichtigen Konsolidierungsphase. Das heißt nichts anderes, als das der letzte Anstieg verdaut wird. Sobald dies abgeschlossen ist, wird es weiter nach oben gehen. Ich rechne hier fest damit, dass wir die alten Höchststände in den kommenden 12 Monaten sehen werden. Leider reicht der Platz an dieser Stelle nicht für eine vollumfängliche Begründung. Nur so viel. Das äußerst günstige Zinsniveau, der ungebrochene Nachfrageanstieg in Schwellenländern wie China, Brasilien oder Indien und die hohe Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit der heimischen Wirtschaft stimmen mich überaus zuversichtlich.
Trotz der guten Entwicklung der Aktienmärkte in den letzten 24 Monaten, sind viele Anleger verunsichert und zum Teil immer noch nicht an die Börse zurückgekehrt. Was raten Sie diesen Anlegern?
Christoph Schnabel: Keine Aktien mehr zu kaufen oder dringend damit zu beginnen ein Börsentagebuch zu führen. Warum? Ich erkläre Ihnen das gerne. Wer bis jetzt keine Aktien gekauft hat, der hat so leid es mir auch tut, einen Fehler gemacht. Das ist zwar um Gotteswillen nicht schlimm und eigentlich auch etwas ganz natürliches. Ja auch mir passiert es noch oft, dass ich Fehler am Kapitalmarkt mache. Schlimm wäre es aber, wenn Sie den gleichen Fehler ein zweites oder drittes Mal wiederholen. Denn einmal zahlt jeder von uns gerne Lehrgeld. Das ist oftmals die beste Investition die man überhaupt machen kann. Ein zweites Mal sollte es dann aber möglichst nicht mehr geben, denn ansonsten verliert man sehr schnell die Lust am Kapitalmarkt. Und dies kann man meiner Meinung nach nur verhindern, in dem man seine Erfolge und Misserfolge am Kapitalmarkt in einem Buch, mit den dazugehörigen Gründen niederschreibt. Dieses Werk kann dann bei schwerwiegenden Anlageentscheidungen oft als hervorragende Hilfestellung herangezogen werden.
Der erste Eintrag in diesem Buch müsste demzufolge lauten. März 2011 – aufgrund der herben Verluste der Aktienmärkte in 2008 und der damit verbundenen Stimmungsmache in den Medien, habe ich die sehr guten Einstiegsmöglichkeiten in 2009 verpasst. Gründe dafür waren u.a. Mein Bankberater hat mir vom Kauf abgeraten, die Kurse vielen sogar unter die Buchwerte der Unternehmen (Endzeitstimmung), es war vom Ende der Automobilindustrie die Rede, der Ölpreis drittelte sich, obwohl die Reserven knapp waren und die Menschheit weiter wächst, …
Vielen Dank für das Gespräch
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