Anleihen: Grenke zwischenzeitlich erholt

Börse FrankfurtFür die Europäische Union ist die Auflage ihrer ersten Anleihen im Rahmen von SURE ein voller Erfolg. Die als Social Bonds konzipierten Papiere mit Laufzeiten von zehn und 15 Jahren im Volumen von zusammen 17 Milliarden Euro waren mit Bestellungen von 233 Milliarden Euro rekordverdächtig überzeichnet.

Die SURE-Mittel – das Kürzel steht für Support to mitigate Unemployment Risks in an Emergency – können Mitgliedsstaaten in Krisenzeiten wie Corona zur Aufstockung ihrer Arbeitslosenversicherungen oder zur Zahlung von Kurzarbeitsgeldern nutzen.

Gegenpol zu Bundesanleihen

Der Zins von 0,13 Prozent für das 20-jährige und minus 0,24 für das zehnjährige Papier scheint institutionelle Anleger nicht zu verschrecken. Immerhin liegt die Rendite über der von Bundesanleihen gleicher Laufzeit. Anders als bislang wird die Staatengemeinschaft künftig in größerem Stil am Emissionsmarkt gehandelt.

Mit den geplanten SURE-Bonds in Höhe von 88 Milliarden Euro und dem größeren Wiederaufbaufonds befinden sich für die kommenden Jahre EU-Bonds im Volumen von über 800 Milliarden Euro in der Pipeline. Ratingagenturen bewerten EU-Anleihen zudem mit Bestnoten. Das sind für so manchen Analysten gute Voraussetzungen, um eine Angebotsverschiebung sicherer Euro-Anleihen auszulösen.

Noch ist es für die Helaba verfrüht, Bundesanleihen die Benchmark-Rolle im Euroraum abzusprechen. EU-Bonds etablierten sich aber auch auf internationaler Ebene mit rasender Geschwindigkeit.

 


 

Grenke mit Erholungstendenzen

Im Handel mit Unternehmensanleihen sieht Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Erholungstendenzen in Grenke-Bonds. Bei der Börse Frankfurt zählt ein in 2022 fälliges Grenke-Papier mit einem Kupon von 0,875 Prozent zu den meist gehandelten Werten.

Die überwiegenden Käufe stehen Daniel zufolge im Licht einer Mitteilung des Leasing-Spezialisten. Hinsichtlich der im Raum stehenden Betrugsvorwürfe durch die Investorengruppe Viceroy hat Warth & Klein Grant Thornton demnach bei den bislang geprüften Übernahmen der Franchise-Partner durch Grenke keine Auffälligkeiten gefunden. Offizielle Ergebnisse stünden allerdings noch aus.

Übernahmeangebot überzeugt nur kurz

Ein Angebot von Liberty Steel zur Übernahme der Stahlsparte von ThyssenKrupp war für die Aktie des Essener Konzern wohl lediglich ein Strohfeuer, wie Daniel feststellt. Eine Thyssen-Anleihe mit Fälligkeit im Februar 2024 und einem Kupon von 2,875 Prozent verlor auf Wochensicht von 96 auf rund 95 Prozent.

Neben Liberty Steel gelten die indische Tata Steel und das chinesische Unternehmen Baosteel als mögliche Käufer. SSAB aus Schweden ist eigenen Angaben zufolge nicht interessiert.

Noratis begibt neue Anleihe

Ab Montag bis voraussichtlich 9. November 2020 können Anleger eine neue fünfjährige Noratis-Anleihe mit einem jährlichen Zinssatz von 5,5 Prozent zeichnen. Die Einbeziehung der Anleihe in den Börsenhandel der Frankfurter Wertpapierbörse ist für den 11. November geplant.

Mit den Erlösen – insgesamt sollen bis zu 50 Millionen Euro aufgenommen werden – wolle der Immobilien-Spezialist zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum in Deutschland entwickeln. Aktuell verfüge Noratis über mehr als 3.400 Wohnungen in der Bundesrepublik.

Voestalpine eher nicht

Von einer Voestalpine-Anleihe mit einem Kupon von 1,75 Prozent trennten sich Anleger Daniel zufolge. Die eher kleineren Abgaben führt der Händler auf Meldungen über zusätzliche Abschreibungen für das laufende Geschäftsjahr in Höhe von 200 Millionen Euro zurück. Der Stahl- und Technologiekonzern macht hauptsächlich die Corona-Pandemie und damit verbundene veränderte Rahmenbedingungen dafür verantwortlich.

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