Anleihen: Raum für Renditerückgänge beschränkt
Entspannung an den Märkten wegen des Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran: Der Ölpreis ist deutlich gesunken, der Preis für ein Barrel Brent fiel am Freitagmittag zwischenzeitlich unter die 80 US-Dollar Marke, konnte sich dann aber noch leicht erholen.
Inflations- und Zinserhöhungssorgen haben spürbar nachgelassen.
Brent Öl Chart
Der Renditerückgang nach dem Abkommen währte allerdings nur kurz.
Unter dem Strich haben sich die Renditen im Wochenvergleich kaum bewegt: Zehnjährige Bundesanleihen werfen aktuell wieder 2,97 Prozent ab.
Vor einer Woche waren es 2,98 Prozent.
„Die nachlassenden Inflationssorgen stehen dem extrem hohen Kapitalbedarf der Staaten gegenüber“, bemerkt Arthur Brunner, der für die ICF Bank Anleihen handelt.
„Viel zu hohe Haushaltsdefizite“
Die Commerzbank geht nicht davon aus, dass die Renditen über den Tag hinaus noch stark fallen werden. „Kurzfristig mag es weiter bergab gehen, wenn der Nahost-Konflikt schrittweise in den Hintergrund gerät. Aber auf Sicht der kommenden sechs, zwölf Monate ist der Raum für weitere Renditerückgänge beschränkt“, erklärt Chefvolkswirt Jörg Krämer.
Auch er meint, dass die Aussicht auf Leitzinssenkungen in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres weitgehend kompensiert werde durch die in den meisten Ländern viel zu hohen Haushaltsdefizite.
„Warsh will glaubwürdiger Inflationsbekämpfer sein“
Warsh habe deutlich gemacht, dass kurzfristig keine geldpolitische Lockerung bevorstehe.
Er gelte zwar grundsätzlich als offen für die These eines langfristig nachlassenden Inflationsdrucks durch technologische Fortschritte und KI.
Seine erste Fed-Sitzung zeige jedoch, dass Warsh als Notenbankchef zunächst vor allem eines sein wolle: ein glaubwürdiger Inflationsbekämpfer.
„Damit entfernt er sich zumindest vorerst von den Zinssenkungswünschen Donald Trumps und positioniert sich deutlich näher an der traditionellen Fed-Linie.“
Die EZB hatte in der Woche davor die Leitzinsen ebenfalls nicht verändert.
TPG nach Kursschock erholt
Einiges um geht im Staatsanleihehandel bei der Steubing AG in Anleihen von Italien (IT0005425761) und Spanien (ES0000012C12). Im Handel mit Unternehmensanleihen ist es eher ruhig. „Im Moment will sich kaum jemand positionieren, die Impulse fehlen“, berichtet Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. Steubing-Händler Oechsner meldet gute Umsätze für Anleihen von Volkswagen mit Laufzeit bis 2027 und aktueller Rendite von 2,29 Prozent (XS2374595044) und Nestlé bis 2029 – in Euro – und 2,70 Prozent (XS1707075328).
Viel Bewegung gab es diese Woche beim E-Commerce-Unternehmen The Platform Group, kurz TPG (NO0013256834). „Der Kurs der Anleihe fiel nach kritischen Berichten des ‚Manager Magazin‘ über das Unternehmen von 77 Prozent auf unter 30 Prozent“, erklärt Brunner. Daraufhin kündigte TPG einen Anleiherückkauf ab dem 2. Juli an. Jetzt wird der Bond wieder zu 50 Prozent gehandelt.
Nvidia mit Mega-Anleihe, SpaceX soll folgen
Nun hat auch Nvidia erstmals seit Beginn des KI-Booms den Anleihemarkt angezapft.
Die US-Dollar-Anleihen werden bei Fälligkeiten zwischen 2028 und 2056 mit 4,25 bis 5,625 Prozent verzinst (US67066GAP90, US67066GAQ73, US67066GAS30, US67066GAV68). Mindestanlagesumme sind 2.000 US-Dollar.
Zudem hat SpaceX nach dem Rekordbörsengang vergangene Woche nun eine Mega-Anleiheemission angekündigt: Bonds im Wert von 20 Milliarden US-Dollar sollen begeben werden, wohl schon in der nächsten Woche, wie die Financial Times berichtet.
NVIDIA Chart
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