Anleihen: Risikoneigung steigt

Börse Frankfurt: Die Ankündigung des 130 Milliarden Euro schweren Konjunkturpakets für Deutschland und die stärker als erwartete Aufstockung des EZB-Pandemic Emergency Programm (PEPP) um 600 auf insgesamt 1.350 Milliarden Euro heben Arthur Brunner zufolge die Risikoneigung an den Finanzmärkten. „Sichere Häfen wie etwa Bundesanleihen haben deutlich verloren“, beschreibt der ICF Bank-Händler die Reaktionen am Rentenmarkt.

Der Euro-Bund-Future gab im Wochenverlauf von 172,25 auf 170,40 Prozent nach. „Anleihen von Italien, Portugal und Griechenland profitierten.“ Etwa sank die Rendite zehnjähriger italienischer Bonds seit gestern um 13 Basispunkte auf derzeit 1,42 Prozent, wie Brunner beispielhaft berechnet.

 


 

Realwerte und Corporate Bonds profitieren

Für viele Analysten lassen die europäischen Währungshüter mit ihren Maßnahmen keinen Zweifel daran, die Risikoaufschläge für die Peripheriestaaten mit allen Mitteln gering zu halten. Durch die langfristige Wiederanlage von Kapitalrückzahlungen im Rahmen ihrer Wertpapierkaufprogramme halte die EZB vor allem südländischen Eurostaaten den Rücken für Refinanzierungen noch lange frei.

Darüber hinaus werde aber auch die Tragfähigkeit der wachsenden Schulden aller Euroländer gewährleistet. Langfristig sieht Carsten Mumm vom Bankhaus Donner & Reuschel in den damit auf Dauer zementierten Niedrigzinsniveaus Rückenwind für Unternehmensanleihen und Realwerte wie Aktien, Immobilien und Edelmetalle.

Grenke-Anleihe in Bewegung

Im Handel mit Unternehmensanleihen verbucht Gregor Daniel gute Umsätze in einer 200 Millionen Euro schweren fünfjährigen Grenke Finance-Anleihe (WKN A19YH2) mit einem Kupon von 1,0 Prozent. „Käufe und Verkäufe hielten sich in etwa die Waage“, beschreibt der Händler der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank.

Seit dem Tief Mitte Mai gewann die Aktie des Finanzdienstleisters von 61 auf etwas unter 80 Euro zu. Zuletzt hätten nachlassende Sorgen hinsichtlich einer anstehenden großen Pleitewelle den Kurs gestützt.

DIC Asset gefragt

Rege hin und her geht es Daniel zufolge auch in einer im Oktober 2023 fälligen DIC Asset-Anleihe (WKN A2NBZG), die Anlegern jährlich nominal 3,5 Prozent Zinsen bringt. Aktuell notiert der Wert knapp unter 100 Prozent.

Der auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Konzern sieht in der Corona-Krise neben den Risiken auch Chancen für den Ausbau des Geschäfts. So werde der Bedarf etwa bei Büroflächen pro Arbeitsplatz durch Abstandsgebote und Vorsichtsmaßnahmen voraussichtlich eher steigen als sinken. Zudem habe DIC erst vor kurzem zwei Vermietungen über 20 Tausend Quadratmeter langfristig erneuert.

UMB gesucht

Eine Anleihe der österreichischen UBM Development (WKN A2R9CX) mit Laufzeit bis 2025 und einem Kupon von 2,75 Prozent wird Daniel zufolge überwiegend gekauft. Der Immobilienentwickler konnte im ersten Quartal seinen Gewinn vervierfachen. Zudem sieht sich UBM für das Corona-bedingt schwierige Jahr unter anderem durch Eigenkapital in Höhe von 483,3 Millionen Euro und liquide Mittel von knapp 190 Millionen Euro gut positioniert.

Erleichterung über Lufthansa-Rettung

Nach der grundsätzlichen Einigung über das Lufthansa-Rettungspaket erholten sich Bonds der größten deutschen Airline, wie Rainer Petz von der Oddo Seydler Bank feststellt. Etwa legte eine bis 2075 laufende Lufthansa-Hybridanleihe (WKN A161YP) mit einem Kupon von 5,125 Prozent seit Anfang der Woche von 76 auf 85 Prozent zu.

 


 

publity zapft Kapitalmarkt an

Bis zu 100 Millionen Euro plant publity über eine Anleihe aufzunehmen und bietet Anlegern dafür einen Kupon von 5,5 Prozent. Gezeichnet werden kann der fünfjährige Bond des Finanzinvestors für Gewerbeimmobilien (WKN A254RV) voraussichtlich bis 17. Juni 2020 über die Börse Frankfurt.

Parallel dazu bietet das vornehmlich in deutschen Ballungsgebieten aktive Unternehmen Besitzern einer am 17. November 2020 fälligen Wandelanleihe (WKN A169GM) einen Tausch im Verhältnis eins zu eins. Als Bonus erhalten Teilnehmer einen Zusatzbetrag in Höhe von 20 Euro je umgetauschter Anleihe. Die Erlöse aus der Emission sollen zur Refinanzierung der Wandelanleihe und für das weitere Wachstum der Unternehmensgruppe verwendet werden.

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