ETFs in der Liquiditätsfalle?

DEKA ETFs: Ein gut gemeinter Aufklärungsartikel der BaFin für Privatanleger zu den ETFs hat in der Fondsbranche einige Diskussionen ausgelöst. "BaFin rückt ETFs ins rechte Licht" heißt es in der Veröffentlichung eines Anbieters aktiver Fonds, der dann flugs für seine Produkte als die bessere Alternative wirbt.

 

Aktien-ETFs so sicher wie Zinsen?

Beim genauen Lesen der BaFin-Verbraucherinformation wird schnell klar: Da hat sich jemand ein paar Risikopunkte herausgepickt um damit Marketing zu betreiben. In diesem Artikel geht es darum zu klären, ob Aktien-ETFs so sicher wie Zinsen sind, die ja bekanntlich zurzeit kaum zu bekommen sind.

 

Das sind sie natürlich nicht, weil Aktien nicht so sicher wie Staatsanleihen mit hoher Bonität sind, aber Aktien mit höheren Risiken auch mehr Rendite bieten – nun wahrlich keine neue Erkenntnis.

Die BaFin macht privaten Anlegern in diesem Artikel klar, dass ETFs nicht risikolos sind. Daran muss man in der Tat immer wieder angesichts manch schöner Werbesprüche der Branche erinnern. ETFs nivellieren zwar das Einzelrisiko in einem breit gestreuten Index, nicht aber das Marktrisiko. ETFs schwanken wie die abgebildeten Märkte. Genau das wird von einem Indexfonds erwartet.

 

Liquiditätsrisiko bei ETFs?
Warum die BaFin Anleger eindringlich vor dem Liquiditätsrisiko in Marktturbulenzen warnt, erschließt sich dem institutionellen Profi, der seit Jahren in teilweise heftig schwankenden Märkten mit Millionen, ja Milliarden agiert, nicht unbedingt. Immerhin haben die ETFs und ihre robuste Handelstechnik zuletzt in der Finanzkrise 2008 gezeigt, dass sie liquide sind. Zwar wurden mit erhöhter Volatilität die Spreads ausgeweitet, aber handeln konnte man immer. Genau das hat den Siegeszug der ETFs bei den institutionellen Anlegern enorm befördert.

Die BaFin fordert die privaten Investoren auf, kritisch zu hinterfragen, ob sie die Anteile auch wirklich jederzeit zu einem "fairen" Preis verkaufen können. Liest sich gut, aber niemand weiß, was der wirklich faire Preis in einer Situation extremen Risikos ist. Größere Spreads sind kein „unfairer Preis“, sondern der Preis für das erhöhte Risiko.

Der Profi weiß darum. Er schaut in den Normalzeiten, dass er ETFs erwirbt, die eine hohe Liquidität aufweisen – in der Annahme, dass sie das auch in turbulenten Zeiten tun und notfalls einen akzeptablen Ausstiegskurs ermöglichen.

Das Fondsvolumen ist ein erster Anhaltspunkt. Je größer der Fonds, desto mehr Market Maker betreuen ihn. Das kann in Krisenzeiten hilfreich sein. Aber viel wichtiger ist immer die Liquidität des Underlyings. Grundsätzlich gilt, wenn es beim Underlying Stress gibt, gibt es den auch bei den ETFs.

 

Ein Fonds der 100 Millionen Euro Volumen hat, muss nicht unbedingt größere Probleme haben als ein ETF mit einer Milliarde Euro, wenn es sich um hochliquide Referenzwerte wie DAX-Aktien handelt. Dabei hilft die robuste Handelstechnik mit dem Creation-Redemption-Prozess. Anders sieht es bei exotischen Underlyings wie Emerging-Markets-Aktien aus, deren Liquidität deutlich geringer als bei Standardwerten ist. Da hat der große Fonds ebenso viele Probleme wie der kleine, wenn er verkaufen muss.

 

Auch Fonds können schließen
Im Übrigen gilt, dass auch klassische Aktienfonds in solchen Turbulenzen ihre Schwierigkeiten bekommen. Zwar kann ein solcher Fonds etwas verzögert reagieren, sofern er gerade eine große Barquote aufweist. Aber wenn immer mehr Anteile zurückgegeben werden, muss ebenso verkauft, im Extremfall der Fonds sogar geschlossen werden. Auch dafür gibt es Beispiele.

Den Privatanlegern darf man raten, dass sie sich vom Thema Liquidität in Marktturbulenzen nicht verrückt machen lassen. Institutionelle Anleger haben die Erfahrung bisher gemacht, dass diese selbst in der Finanzkrise gut gemeistert werden konnte. Viel wichtiger ist das Marktrisiko allgemein.

 

Das lässt sich mit breiter Streuung über Anlageklassen, Regionen, Branchen, deutlich abmildern. Hilfreich sind auch Produkte mit ETFs, die nicht nur breit diversifiziert sind, sondern mit aktiver Risikosteuerung Verluste begrenzen können.

Kolumne von Dr. Bernhard Jünemann, Finanzjournalist

 

 

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