Eurozone: Es wird wieder investiert

Helaba: Die Investitionstätigkeit in der Eurozone gewinnt an Fahrt. In Deutschland haben sich die Rahmenbedingungen durch die gestiegene industrielle Kapazitätsauslastung und die bessere Ertragslage deutlich verbessert.

Günstige Konjunktur nicht nur in der Industrie
Trotz der Katalonien-Krise ist das sentix-Investorenvertrauen sowohl in der Eurozone als auch in Deutschland gestiegen. Dies legt nahe, dass die ZEW-Befragung ebenfalls optimistischer ausfällt. Der Wirtschaftsaufschwung ist zurzeit so stark, dass selbst erhebliche politische Verunsicherungen die Finanzmarktteilnehmer nicht beunruhigen.

 

Zunehmend wird deutlich, dass die Entwicklung in Deutschland nicht nur vom Konsum und den Bauinvestitionen getragen wird. Die Produktion des Verarbeitenden Gewerbes dürfte 2017 mit 3 % stärker zulegen als noch Anfang des Jahres erwartet und die Kapazitätsauslastung liegt mit fast 87 % über dem langjährigen Durchschnitt.

 

Damit werden Erweiterungsinvestitionen dringlicher. Die Finanzierungsbedingungen sind zudem weiterhin außergewöhnlich günstig, zumal sich die Ertragslage verbessert. So dürften die Erzeugerpreise im September im Vorjahresvergleich um fast 3 % gestiegen sein. Das Produzierende Gewerbe tätigt allerdings weniger als ein Drittel der gesamten Ausrüstungsinvestitionen.

 

Rund zwei Drittel stammen von den Dienstleistungsbereichen. Hier dürfte die Kapitalbildung ebenso an Fahrt gewinnen, denn die günstige Konjunktur des Produzierenden Gewerbes sollte auch Impulse für industrienahe Dienstleister geben.

 

Die Ausrüstungen dürften 2018 um 4,5 % zulegen nach schätzungsweise nur 2,5 % in diesem Jahr. Damit wird nach zehn Jahren das Niveau vor der Wirtschafts- und Finanzkrise erstmals wieder überschritten.

Italien hinkt hinterher
In Frankreich wird das Vorkrisenniveau ebenfalls erreicht, obwohl das Land seit 2008 langsamer gewachsen ist als Deutschland. Dagegen ist die Entwicklung in Spanien anders verlaufen. Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wurde das Land nicht nur von einem langjährigen Niedergang des Immobilien- und Bausektors heimgesucht.

 

Zudem hat die Euro-Schuldenkrise ab 2010 zur Verschlechterung des Investitionsklimas beigetragen. Im Jahr 2013 begann zwischen Pyrenäen und Mittelmeer jedoch eine Aufholjagd. Die Katalonien-Krise besitzt allerdings das Potenzial, diese Erfolgsstory zu stoppen. Wenig erfolgreich hingegen war Italien. Hier erreichen die Investitionen bei weitem noch nicht das Niveau von 2008.

 

Obwohl sich die Konjunktur festigt, bremsen hartnä- ckige strukturelle Verkrustungen die Entwicklung. Ein mittelfristig höheres Wirtschaftswachstum erfordert weitere Reformen, beispielsweise im Bildungswesen. Darüber hinaus sollten die Reformen der öffentlichen Verwaltung und des Justizsystems fortgesetzt und die organisierte Kriminalität konsequenter bekämpft werden.

 

Die FuE-Aktivitäten sind zu gering und die Innovationstätigkeit kommt nicht in Gang. Zusätzlich belasten die Schwierigkeiten im Bankensektor. Die spätestens im Mai 2018 anstehenden Parlamentswahlen lassen kaum ein höheres Reformtempo erwarten.

Autor: Dr. Stefan Mütze

 

 

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