Fundamentaldaten als Kompass in volatilen Märkten

Amundi: Die zweite Stufe der Kursverluste hatte am Markt Rotationen zur Folge, die Outperformance zyklischer gegenüber defensiven Aktien ist vorläufig gestoppt. Aus unserer Sicht ist es jedoch zu früh für eine strukturelle Themenrotation, die für zyklische Werte günstige Entwicklung ist noch nicht definitiv vorbei.

Derzeit stehen die Stimmungsindikatoren auf neutral (nicht auf negativ), Anleger haben keine massiven Barreserven angelegt und die Bewertungen werden überall attraktiver, insbesondere in Europa und Japan. Wir sind weiterhin optimistisch für Aktien und sehen dies durch die Fundamentaldaten bestätigt (Ertragswachstum).

Europa
Die Fundamentaldaten haben sich nicht wesentlich verändert, in dieser neuen, volatileren Marktphase kommt es jedoch zu geringfügigen Neubewertungen defensiver Aktien. Die wirtschaftliche Entwicklung ist weiter positiv und wird durch steigende Investitionsausgaben und hohe Inlandsnachfrage gestützt. Die Märkte dürften daher von einer guten Berichtssaison profitieren, die Nachwirkungen durch den steigenden Euro sollten im zweiten Quartal langsam abebben.

Die fallenden Zinsen als Folge geopolitischer Risiken halten wir für ein temporäres Phänomen. Trotz der Kursfluktuationen sind wir weiterhin optimistisch für Banken und Versicherungen und vorsichtig bei Immobilien, Telekomanbietern und Versorgern. Mit Fortschreiten des Zyklus achten wir außerdem genau auf die Nachhaltigkeit der Erträge. Außerdem halten wir eine ausgewogene Strategie mit wenig Sektor- und Stilabweichungen für angezeigt, denn Potenzial liegt mehr in der Bottom-Up-Wertpapierauswahl.

USA
Die US-Fundamentaldaten sind insgesamt noch immer stark. Der US-Konsum hält sich gut, da sinkende Steuern, Regulierungsabbau in vielen Sektoren und steigende Ausgaben für Investitionen sowie Forschung und Entwicklung den Druck ausgleichen, der unter anderem durch steigende Lohn-, Rohstoff- und Logistikkosten und höheren Wettbewerbsdruck entsteht.

Die Berichtssaison sollte die Märkte stützen, die positive Wirkung durch die Steuerreform konkurriert dabei mit dem rasanten Wirtschaftswachstum. Die Bewertungen sind insgesamt attraktiver geworden, einige Hyper-Wachstumsaktien sind jedoch weiterhin zu teuer, der Markt wird langsam selektiver. Wir erwarten, dass Facebook, Amazon, Netflix und Google weiterhin Ziel strikterer Datenschutzvorschriften sein werden. Allerdings fällt auf, dass gleichgewichtete Tech-Indizes kapitalgewichtete Benchmarks übertreffen konnten, was erneut die Bedeutung aktiver Wertpapierauswahl unterstreicht.

Wir mögen Tech-Aktien, die von steigenden IT-Ausgaben und sinkenden Steuern profitieren könnten. Gute Beispiele hierfür sind Cloud-Infrastruktur und Anwendungen. Entscheidend ist die Auswahl der richtigen Aktien auch in Sektoren wie Basiskonsumgütern und Telekommunikation, die einen tiefgreifenden Wandel durchleben könnten. Wir bevorzugen Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und angemessenen Bewertungen (Chancen bei Banken und Energieunternehmen), vorsichtig sind wir bei Industriewerten, wo Zyklizität zu stark eingepreist ist.

 


 

Emerging Markets
Die letzte Berichtssaison verdeutlichte die positive Entwicklung der Schwellenländer, die sich zudem trotz der Handelsgespräche gegenüber Industrieländern als robust erwiesen. Wir sehen darin ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des Inlandswachstums und einen Rückgang der Ungleichgewichte.

Wegen der Ölpreisentwicklung und dem guten Welthandel haben wir unsere EPS-Prognosen auf einen hohen einstelligen Bereich angehoben. Wir bevorzugen weiterhin zyklische Sektoren. Aufgrund der hohen Binnennachfrage haben wir die Ertragsprognosen in China am stärksten angehoben. In Russland sehen wir weiterhin Potenzial bei Aktien, die von der Erholung der russischen Wirtschaft und dem steigenden Ölpreis profitieren. Nach den letzten Sanktionen und der angespannten Lage in Syrien ist jedoch auch das Länderrisiko gestiegen, weshalb wir Aktien genauer auswählen.

Weitere Meldungen:
Anziehende Inflation ist aktuell das makroökonomische Hauptrisiko
USD-Comeback – Trendwende oder Strohfeuer?
Worauf steuern die Märkte zehn Jahre nach der Finanzkrise zu?

Weitere News Beiträge Weitere News Beiträge