Großbritannien nach Brexit: Wachstum springt nach oben!

Helaba: Über einige Jahre galt die britische Wirtschaft als Negativbeispiel. Die quälenden Debatten über den Brexit dämpften das Wachstum. Dann ließ die Corona-Pandemie das britische Bruttoinlandsprodukt 2020 um fast 10 % einbrechen – so viel wie in keinem anderen Industrieland.

Zuletzt verursachte die Ausbreitung der „britischen“ Virusvariante inklusive der Gegenmaßnahmen einen erneuten Schock. Dieser fiel jedoch bei weitem nicht so schlimm aus wie befürchtet. Das BIP schrumpfte im ersten Quartal „nur“ um 1,5 % zur Vorperiode und damit sogar etwas weniger als das der Eurozone.

Dabei musste das Land neben dem verschärften Lockdown noch den „de-facto-Brexit“, also den Austritt aus EU-Binnenmarkt und -Zollunion, verkraften.

 

 

Rosige Aussichten für 2021

Nun hat sich das konjunkturelle Bild klar zum Positiven gewendet. Die Ursache hierfür liegt – wenig überraschend – nicht im Brexit, sondern an der erfolgreichen Impfkampagne. In Großbritannien erhielten mittlerweile mehr als 50 % der Bevölkerung eine Erstimpfung. Die Corona-Inzidenz steuert auf die Marke von 20 zu.

Dabei wurden schon im April u.a. der Einzelhandel und die Außengastronomie geöffnet. Jetzt folgen in England auch Innengastronomie, Kino, Theater, Museen und sogar in die Fußballstadien werden wieder Zuschauer gelassen.

Für das zweite Quartal zeichnet sich ein deutlicher Wachstumsschub ab, der sich zumindest in der Folgeperiode fortsetzen wird. Vor allem der private Konsum wird kräftig anspringen. Zudem werden die Unternehmen wieder verstärkt investieren. Sehr optimistische Stimmungsindikatoren untermauern dies.

Wir erhöhen daher unsere Wachstumsprognose für 2021 von 4,7 % auf 5,7 %. Die hohen Raten kann man jedoch relativieren: Inklusive des massiven Einbruchs 2020 fällt der Zweijahresvergleich weniger schmeichelhaft für die britische Wirtschaft aus.

Kurzfristig betrachtet taugt Großbritannien dennoch als positives Beispiel: Die Impfkampagne liegt in Deutschland und vielen anderen EU-Staaten etwa zwei Monate hinter der britischen zurück, ein Wachstumsschub ist daher auch bei uns absehbar.

 

 

Brexit bislang keine große Belastung

Ein anderes Thema hat bislang weniger belastet als befürchtet – der Brexit. Während im Januar der britische Handel mit der EU heftig einbrach, sah die Situation im März schon weniger dramatisch aus – zumindest bei den britischen Ausfuhren. Das Chaos an den Grenzen währte nur kurz.

Da die britischen Importe im ersten Quartal stärker als die Exporte fielen, ging vom Außenhandel sogar ein deutlich positiver Wachstumsbeitrag aus. Selbst die britische Industrie schrumpfte nur wenig.

Der Brexit wird voraussichtlich durch Produktionsverlagerungen oder ausbleibende Investitionen das Wachstum belasten. Aber diese Effekte sind vermutlich nur langfristig in Form eines geringeren Trendwachstums zu erkennen und werden kurzfristig von der Corona-Aufholjagd überlagert.

Droht nach dem Ende des Brexit- und Corona-Schocks gar Langeweile im Vereinigten Königreich? Naja, die nach Unabhängigkeit strebenden Schotten könnten das verhindern…

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