Interview mit Karl Matthäus Schmidt, Quirin Privatbank, von der Gründung des Online Brokers Consors bis zum Robo Advisor Quirion

Karl Matthäus Schmidt, Quirin Bank, zu Consors-Zeiten im Jahr 2001 (links) und heute (rechts)

Karl Matthäus Schmidt, Quirin Bank, zu Consors-Zeiten im Jahr 2001 (links) und heute (rechts)

Hinter dem Robo Advisor quirion steht die von Karl Matthäus Schmidt gegründete Quirin Privatbank. Sein Name ist in der Brokerage-Branche immer noch ein Begriff – immerhin gründete Schmidt 1994 den ersten Online Broker Deutschlands: die Consorsbank (damals noch unter dem Namen Consors).

Können Sie unseren Lesern etwas über die Anfänge bei Consors erzählen?

Ja klar – gerne. Ich habe Anfang der 90er Jahre an der Uni in Nürnberg studiert. Die Börse fand ich schon immer sehr spannend, also war ich dort auch im Börsenverein aktiv.

Was mich allerdings extrem gestört hat, waren die unverschämt hohen Gebühren, die ich für meine Aufträge bezahlen musste. Ich wusste schließlich, welche Werte ich kaufen oder verkaufen wollte und brauchte die Bank nicht für eine angeblich tolle Beratung, sondern eigentlich nur zur Abwicklung.

Und dafür mindestens ein Prozent des Ordervolumens zu zahlen, fand ich extrem teuer. Außerdem wurden Aufträge von Privatkunden oft nur zum Kassakurs, also am Mittag, ausgeführt. Der flexible variable Handel war nur für institutionellen Kunden möglich.

In den USA gab es schon Broker, die Privatkunden den Zugang zur Börse zu guten Konditionen ermöglicht haben – das haben wir dann auch in Deutschland umgesetzt und sind so 1994 gestartet.

Die Innovation ist also gewissermaßen aus dem persönlichen Leidensdruck entstanden. Aus heutiger Sicht fast unvorstellbar: Die Orderaufgabe erfolgte am Anfang per Telefon oder Fax. Der Online-Kanal kam dann aber zum Glück schnell dazu.

 


 

Und wie kam es später zur Gründung der Quirin Privatbank?

Schon lange vor der Finanzkrise konnte man sehen, das Banken Anleger nicht wirklich berieten – stattdessen wurden die Berater mehr und mehr zu Verkäufern. Angeboten wurden ausschließlich hauseigene Produkte: „Bestenfalls“ Investmentfonds mit hohen Ausgabeaufschlägen und jährlichen Managementgebühren, die aber gerne verschwiegen wurden.

Wenn es für den Kunden richtig hart kam, standen gerade komplexe Zertifikate auf den Listen der zu verkaufenden Produkte. Da haben die Kunden dann weder die Funktion noch die Kosten verstehen können.

Ich habe mich gefragt, wie sich die Situation für Anleger verbessern kann. Die konsequenteste Lösung ist die unabhängige Beratung des Kunden gegen Honorar. Nur hier sind Interessenkonflikte wirklich ausgeschlossen. Also habe ich mit Quirin die erste – und bis heute einzige – reine Honorarberaterbank in Deutschland gegründet.

 

Wie kam es dann zur Idee den Robo Advisor quirion ins Leben zu rufen?

Nachdem wir mit Consors gewissermaßen das Brokerage demokratisiert hatten, wollten wir das auch mit dem Zugang zu einer professionellen Vermögensverwaltung schaffen. Unabhängige Vermögensverwalter oder Verwalter bei klassischen Banken rufen oft hohe sechsstellige Mindestanlagen auf.

Mit einem Robo Advisor ist Vermögensverwaltung dank Digitalisierung bereits für kleinere Anlagen möglich. Bei quirion beispielsweise starten wir mit einer Mindestanlage von 1.000 Euro.

 

Wodurch unterscheidet sich quirion von anderen Robo Advisorn in Deutschland? Wo sind die besonderen Stärken quirions zu sehen?

Wir haben die Einstiegshürden im wahrsten Sinn des Wortes auf Null gesetzt. Für die ersten 10.000 Euro, die ein Kunde bei quirion anlegt, berechnen wir keine Gebühr. Erst danach werden ab 0,48% per anno fällig, was sehr günstig ist.

Die Kombination aus niedrigen Gebühren, geringer Mindestanlage von 1.000 Euro, Sparplänen bereits ab 30 Euro und nachhaltigen Portfolios, gekoppelt mit einer wissenschaftlich fundierten Anlagestrategie und einem Testsieg bei der Stiftung Warentest ergeben ein sehr gutes Paket.

 

Bei quirion kann man auch Sparpläne abschließen – für wen ist dieses Instrument besonders geeignet?

Für jeden, der mittel- oder langfristig Vermögen aufbauen will. Stichworte wie Cost-Average-Effekt und Flexibilität von Sparplänen sind weitere Argumente für einen Sparplan. Außerdem gibt es in der Null- bzw. Negativzinsphase eigentlich keine anderen Sparmöglichkeiten mehr, die realen Vermögenszuwachs bringen.

Diese Punkte gelten natürlich für jede Form von Wertpapiersparplänen. Aber mit einem Robo-Sparplan haben Sie den großen Vorteil, dass Ihr Portfolio immer wieder automatisch an Ihr Chancen- und Risikoprofil angepasst wird.

Durch unser Rebalancing stellen wir ja mindestens einmal im Jahr das ursprüngliche Verhältnis von Aktien und Anleihen wieder her. Der Anleger kann also bereits ab 30 Euro Sparrate in ein sehr breit gestreutes Aktien- und Anleihenportfolio investieren.

 

Welche Ziele hat sich quirion für 2020 gesetzt? Und sind diese trotz Corona Krise noch haltbar?

Seit dem Start 2013 konnten wir unsere Kundenzahl jährlich verdoppeln. Das würden wir auch in diesem Jahr gerne schaffen. Glücklicherweise spüren wir so gut wie keinen negativen Einfluss der Corona-Krise.

Natürlich hatten wir marktbedingt einen Rückgang des verwalteten Kundenvermögens. Unterm Strich waren die Nettomittelzuflüsse aber deutlich positiv. Die Anleger haben also aufgestockt oder sind sogar ganz neu bei uns eingestiegen. Sie haben sehr besonnen reagiert und wissen, dass eine digitale Vermögensverwaltung kein kurzfristiges Tradingprodukt ist.

 


 

Wie sehen Sie das Anlageverhalten der Deutschen im Allgemeinen und was könnte sich hier verbessern?

Bei der negativen Realverzinsung muss sich eigentlich jeder Anleger mit den Kapitalmärkten beschäftigen. Zumal die Zinsen, auch dank Corona, sicher noch lange niedrig bleiben werden. Da sind wir aber beim etwas leidigen Thema Wertpapierkultur in Deutschland. Die Deutschen lieben immer noch das Spar- oder Tagesgeldkonto und ihre versicherungsbasierten Anlagen. Sie sind mehrheitlich einfach sehr risikoscheu und nehmen lieber negative Renditen in Kauf.

Populistische Politikeraussagen gegen Anlagen in Aktien und ETFs und eventuell schlechte Erfahrungen mit Empfehlungen ihrer Bankverkäufer tun ihr übriges. Außerdem sind die Crashmeldungen in vielen Medien immer sehr prominent, die Erholungsmeldungen dann deutlich kleiner.

Dabei sprechen alle Statistiken eine eindeutige Sprache: Langfristig führt an der Anlage am Kapitalmarkt kein Weg vorbei. Das sagen ja mittlerweile auch eher kritisch eingestellte Verbraucherschützer. Die Anlage sollte aber einfach und günstig sein und diese Kriterien erfüllen ETFs und Robos wie quirion.

Wir müssen also weiter Überzeugungsarbeit leisten – da bleiben wir dran.

 

Welche Innovationen kann man von quirion in nächster Zeit erwarten?

Wir verzahnen die Angebote von quirion und der Quirin Privatbank noch stärker miteinander. Damit reagieren wir auf den Wunsch einiger Kunden, die ihr Geld bei quirion anlegen, aber auf persönliche Beratung nicht verzichten möchten. Ihnen bieten wir mit unserem Comfort-Modell jetzt eine Beratung in den 13 Niederlassungen der Quirin Privatbank in ganz Deutschland an.

Außerdem haben wir gerade unsere App komplett neu aufgesetzt und arbeiten bereits an der nächsten Version. Wir haben auch noch die ein oder andere neue Idee, die aber noch in einem so frühen Stadium ist, dass wir noch nicht darüber sprechen können. Lassen Sie sich überraschen…

 

Und wo sehen Sie quirion in 5 Jahren?

quirion wird ein weiter deutlich gewachsener Robo-Advisor sein, der seine Top3-Position in Deutschland gehalten oder ausgebaut hat und dessen Kunden sich über eine gute Performance ihrer Anlage freuen können.

 

 

Hinweis der Redaktion

Die wichtigsten Infos zum Robo Advisor Quirion auf einen Blick!

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