Investieren mit der „Crowd“ – Was bringt die Zukunft für Social Trading?

QTrade Kolumne:
Immer mehr neue Unternehmen, sogenannte Startups, konzentrieren sich auf die Verbesserung von Finanzentscheidungen durch modernste Technologien. Unter Investoren werden diese Firmen gerne „FinTechs“ genannt, da sie Finanz-Technologie einsetzen um dadurch Geschäfte, die bisher offline abgewickelt wurden, einfach und schnell mittels Internet umzusetzen. Viele Ideen sind revolutionär und nagen an den Margen und Geschäftsmodellen der Banken.

Ein gutes Beispiel hierfür ist Paypal. Der Zahlungsabwickler hat den Banken Milliarden an Zahlungen weggenommen und selbst verarbeitet. Einfach nur dadurch, dass Anmeldung und Bezahlung für den Kunden extrem einfach sind. Zudem wird Paypal in weit mehr als 100 Ländern akzeptiert. Dies macht es dem Unternehmen einfach, Marktanteile zu gewinnen.

Crowdfunding – ein zartes Pflänzchen!
Crowdfunding bedeutet, dass sich mehrere Leute zusammenschließen und gemeinsam ein Unternehmen finanzieren. Meist geht es um kleinere Summen zwischen 100.000 und 1.000.000 Euro. Bisher hat sich das Konzept in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Vergleicht man die beiden großen Anbieter im deutschsprachigen Raum, Companisto und Seedmatch, so haben beide bisher insgesamt knapp 44 Millionen Euro an Investments durch Crowdfunding vermittelt.

Ähnliche Unternehmen in Großbritannien, vermitteln derartige Summen in einem Monat. Die beiden deutschen Unternehmen, haben hierfür hingegen 2 Jahre gebraucht. Deutschland ist offenbar nicht der beste Markt um Crowdfunding anzubieten. Zumal durch neue Vorschriften der Bundesregierung die Hürden erneut schwerer wurden, um an einem Crowdfunding teilnehmen zu können. Mir scheint, das Thema Crowdfunding hat hierzulande keine große Chance.

Crowdinvesting – Folge der Masse!
Beim Crowdinvesting investieren Anleger zusammen in einen Wert. Meist geht es dabei um langfristige Anlagen bei denen Leute untereinander ihre Anlagetipps und Ideen teilen. Anschließend werden bestimmte Aktien, Fonds oder Sparprodukte gekauft. Der Sinn besteht darin, dass jeder etwas beitragen kann und die Masse zusammen die besten Entscheidungen trifft.

Außerdem kann der erfolgreichste Anleger sein Portfolio allen zeigen, so dass jeder am Erfolg teilhaben kann, indem er ebenfalls dieselben Werte kauft. Den klassischen Vermögensverwaltern wird durch dieses Geschäftsmodell Konkurrenz gemacht, spart man sich doch die Kosten für die Verwaltung. Ein interessanter Trend, der jedoch noch ausbaufähig ist.

Social-Trading – Von Regulierung bedroht!
Beim Social-Trading gibt es meist einen „Top-Trader“ der sich einen „Track Record“ (Handelshistorie) aufgebaut hat und diese öffentlich auf einer der großen Plattformen zeigt. Andere Trader die nicht selbst handeln möchten oder können, haben die Option sich dem besten Trader anzuschließen. In der Regel wird direkt das Handelskonto des Verfolgers mit dem Top-Trader verbunden. Dieser handelt und im Erfolgsfall wird eine Provision fällig.

Diese Praxis haben die Regulierungsbehörden, allen voran die englische FCA, seit dem Jahr 2014 im Visier. Der Trend bewegt sich in Richtung einer Regulierung von Social Trading Angeboten. Das bedeutet, dass Webseiten die ein derartiges Produkt anbieten, in den kommenden Monaten eine eigene Lizenz für dieses Geschäft benötigen. Höchstwahrscheinlich eine eigene Vermögensverwalterlizenz, da es sich im klassischen Sinne bei Social Trading um nichts anderes als die Verwaltung von Geldern handelt.

Dies dürfte einige Anbieter aus dem Markt fegen, bietet für den Nutzer von Social Trading jedoch eine bessere Sicherheit, da er sich auf die Überwachung durch die Finanzaufsicht verlassen kann. Ob die Idee des Social Trading hiervon jedoch profitiert, wenn hohe Hürden genommen werden müssen, aufgrund einer Vermögensverwaltungslizenz bleibt abzuwarten. Die „Crowd“ oder Masse an Anlegern wird dadurch sicherlich ausgedünnt!

Von Sebastian Hell, QTrade 

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