Investmentausblick 2026: US-Dollar im Krisenmodus und Gold & Silber weiter auf Höhenflug – Risikomanagement & Diversifikation werden wichtiger!
Die globalen Kapitalmärkte stehen vor einem strukturellen Umbruch. Davon ist Werner Krämer, Geschäftsführer und Senior Economic Analyst bei Lazard Asset Management in Deutschland, überzeugt. Die wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen Jahre – insbesondere seit der Pandemie – hätten eine neue Phase eingeläutet, die von stärkerem staatlichem Einfluss, zunehmender Fragmentierung des Welthandels und neuen geopolitischen Spannungen geprägt sei.
Die Vereinigten Staaten hätten seit der globalen Finanzkrise unter den großen Industrieländern eine herausragende Wachstumsdynamik gezeigt und die Kapitalmärkte dominiert.
Diese Phase könne sich jedoch dem Ende nähern.
„Der US-Aktienmarkt ist hoch bewertet, während der Wachstumsvorteil der US-Wirtschaft zunehmend schwindet“, so Krämer. Hinzu kämen protektionistische Tendenzen, eine restriktivere Einwanderungspolitik sowie eine hohe fiskalische Belastung.
„Die größte Gefahr ist jedoch die hohe Staatsverschuldung“, erklärt Krämer.
Inzwischen würden die USA mehr Geld für den Schuldendienst ausgeben als für die Verteidigung. Und die Fiskalpolitik bleibe expansiv – getragen von Steuersenkungen, Deregulierung und steigenden Ausgaben.
Auch die jüngste Verteuerung von Industriemetallen sei Ausdruck dieser Entwicklung.
Im Zentrum der systemischen Risiken steht für Krämer der US-Dollar.
„Wenn es eine Krise gibt, schlägt sie sofort auf den US-Dollar durch“, sagt er. Zwar bestehe keine ernstzunehmende Alternative zur US-Währung als globale Leitwährung. Doch die aktuelle Politik der USA untergrabe zunehmend das Vertrauen in den Dollar, was sich in dessen Kursentwicklung bereits widerspiegele.
Die Stärke von Gold und Silber sei Ausdruck der wachsenden Unsicherheit an den Märkten.
Europa: Verpasste Gelegenheiten trotz wachsender Schulden
Europa wiederum habe – so Krämer – „die große Stunde verpasst“. So werde in Deutschland zwar mit einem „Sondervermögen“ von 500 Milliarden Euro in Infrastruktur investiert und die Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben gelockert. Zudem sei über die kommenden zwölf Jahre ein massiver Anstieg der deutschen Staatsverschuldung auf bis zu 1,8 Billionen Euro vorgesehen, was rund 90 Prozent des BIPs entspräche.
Doch trotz dieser fiskalischen Impulse scheitere ein echter Neustart an fehlenden Strukturreformen. „Die EU ist nicht stark und Deutschland im Nirgendwo“, sagt Krämer. Aus seiner Sicht dürfte der fiskalische Impuls das Wachstum in der Eurozone langfristig um lediglich 0,5 Prozentpunkte pro Jahr erhöhen.
Asien: unterschiedliche Strategien mit unterschiedlichem Erfolg
Japan wiederum habe nach Jahrzehnten der Deflation einen Wendepunkt erreicht.
Die Inflation sei deutlich gestiegen, die Geldpolitik befinde sich im Umbruch, und Reformen im Unternehmenssektor könnten langfristig positive Effekte entfalten. „Die Situation in Japan hat sich gravierend gewandelt“, stellt Krämer fest. Dennoch bleibe der gesamtwirtschaftliche Ausblick mit einer BIP-Prognose von etwa 1 Prozent moderat.
Was bedeutet das für Investoren?
Für Investoren leitet Krämer daraus die Notwendigkeit einer breiteren Diversifikation ab. „Nach Jahren außergewöhnlicher US-Dominanz spricht vieles dafür, globale Portfolios ausgewogener aufzustellen“, sagt er. Für Euro-Investoren werde zudem die Frage der Währungsabsicherung an Bedeutung gewinnen.
Chancen sieht Krämer unter anderem in ausgewählten Schwellenländern, die von einem schwächeren US-Dollar, sinkenden Leitzinsen und strukturellen Reformen profitieren könnten. Auch Qualitätsaktien sowie US Small Caps erschienen nach Jahren der Underperformance wieder attraktiver bewertet.
Fazit: „Wir stehen nicht vor einem abrupten Bruch, sondern vor einer schrittweisen Neuordnung der globalen Kapitalmärkte“, resümiert Krämer. „In diesem Umfeld gewinnen Risikomanagement, Diversifikation und eine differenzierte regionale Betrachtung deutlich an Bedeutung.“
Die Vielzahl potenzieller Risiken von der US-Dollar-Schwäche über Inflationsdruck bis hin zu fehlenden Reformen erinnert den Ökonomen an „einen Himmel voller schwarzer Schwäne“. Welche davon im weiteren Jahresverlauf tatsächlich landen könnten, sei noch offen.
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