Kryptowährungen: Erholung vorbei

Aus dem Bitcoin-Comeback ist nichts geworden – zumindest vorerst. Ein wichtiger Grund: steigende Anleiherenditen und die Erwartung höherer Leitzinsen, die die zinslosen Kryptowährungen unattraktiver machen. Auch die Hoffnungen in den neuen US-Notenbankchef Kevin Warsh, lange verbunden mit Zinssenkungen, schwinden. Die Folge sind hohe Abflüsse aus Krypto-Produkten: aus den großen in den USA zugelassenen Bitcoin-Spot-ETFs, etwa von BlackRock, Fidelity oder Grayscale, aber auch aus den hiesigen ETNs.

„Abflüsse in Höhe von 1,07 Milliarden US-Dollar beenden die sechswöchige Zuflussreihe“, meldet Kypto-ETN-Anbieter CoinShares mit Blick auf die Vorwoche. „Die Risikoaversion breitete sich weltweit aus: Nahezu jede Region wies Abflüsse auf.“

Der Bitcoin wird am Freitagabend bei rund 73.500 US-Dollar gehandelt, nach in der Spitze über 81.000 US-Dollar in der ersten Mai-Hälfte. Damit hat die Kryptowährung seit Jahresanfang wieder 16 Prozent an Wert verloren. Gegenüber dem Allzeithoch im Oktober vergangenen Jahres bei fast 126.000 US-Dollar sind es sogar 42 Prozent. Für Ethereum und Solana ging es noch mehr nach unten.

 

Ethereum Chart

 

Hohe Abflüsse im Mai

„Der Bitcoin reagiert stark auf das makroökonomische Umfeld“, bemerkt Dovile Silenskyte von WisdomTree. Werde wegen Inflation und politischen Unsicherheiten nach Anlagealternativen gesucht, lege der Bitcoin tendenziell zu. Er bleibe aber anfällig, wenn die Realzinsen stiegen und der US-Dollar an Wert gewinne. „Derzeit ist das makroökonomische Umfeld zwar leicht unterstützend, aber nicht stützend genug für einen Durchbruch.“

Im April verzeichneten Bitcoin-ETNs noch Zuflüsse, wie WisdomTree meldet. Im Mai drehte sich das Bild: In den USA kam es in den ersten drei Mai-Wochen zu massiven Abflüssen.

Im Handel mit Krypto-ETNs ist wenig Bewegung. Bei der ICF Bank ist fast gar nichts los. Die ersten zehn Plätze auf der Umsatzliste von ETFs, ETCs und ETNs belegen anderen Produkte. „Der erste Krypto-ETN kommt spät, ein Solana-Tracker“, berichtet Ivo Orlemann. Andreas Schröer von Lang & Schwarz sieht vor allem Handel mit Währungen aus der zweiten und dritten Reihe. Ein Beispiel: der 21shares Ondo (CH1396389921).

 

Bitcoin Chart

 

Nicht mehr wie der Nasdaq

André Dragosch von Bitwise weist darauf hin, dass sich Bitcoin und US-Tech-Werte – anders als zuvor – zuletzt sehr unterschiedlich entwickelt haben. „Aktuell sehen wir die extremsten Bewertungsunterschiede, die wir je beobachtet haben“, erklärt er. Gemessen am Marktwert-zu-Realisierungswert-Verhältnis (MVRV) – dem Pendant zum Kurs-Buchwert-Verhältnis von Aktien – notiere Bitcoin nach wie vor unter seinem historischen Durchschnitt.

Das Nasdaq 100-Kurs-Buchwert-Verhältnis liegen hingegen nahe seinem höchsten jemals von Bitwise gemessenen Stand. „Sollte sich die derzeitige Konzentration auf US-Large-Cap-Tech-Unternehmen auflösen – sei es aufgrund enttäuschender Gewinne, einer genauen Prüfung der Investitionen in KI oder einer Rückkehr zum langfristigen Bewertungsdurchschnitt –, dürfte Bitcoin davon profitieren“, meint Dragosch.

 

Nicht alle verlieren

Doch nicht alle Kryptowährungen verlieren: Dragosch erwähnt Hyperliquid – mit einem Anstieg von 77 Prozent seit Jahresbeginn das Krypto-Asset mit der besten Performance unter den Large-Cap-Token. Hyperliquid entwickle sich von einer Krypto-Handelsplattform zu einer globalen „Financial Super App“. Bitwise bietet einen Hyperliquid-ETN (DE000A4ARTJ5), ebenfalls 21shares, CoinShares, VanEck und Virtune.

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