Linde AG: Steuermann Reitzle macht Kasse!

Man mag es kaum glauben – aber dieser Trade ist der einzige Insider-Verkauf der aktuellen Woche (Stand: Donnerstag) gewesen. Und dennoch: Dieser eine Trade besaß mehr Umfang als alle kummulierten Käufe. Was hat dies zu bedeuten?

Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle ist einer der bestverdienenden Manager Deutschlands. Das ist nicht unentscheidend seiner starken und lange währenden Position bei Linde geschuldet und den damit zusammenhängenden Aktienpaketen. Und irgendwo macht er da ja sicherlich auch einen guten Job. Geht man der vorliegenden Sache nun weiter auf den Grund, so erfährt man Folgendes: Es handele sich um den “Verkauf von Aktien, die das Vorstandsmitglied in Ausübung von Aktienoptionen im Rahmen des Linde Management Incentive Programm 2002 zum Bezugspreis von 47,91 Euro bezogen hat”. Nun hat er 130.000 Stücke zu einem Preis von je 86,79 Euro abgestoßen. Grob überschlagen ergibt das für Hernn Reitzle also einen Gewinn von knapp über fünf Millionen Euro. Respekt.

Fragt sich nur, warum dieser kluge Mann sich gerade diesen Zeitpunkt ausgesucht hat. Immerhin verhielt er sich ja Sentiment-technisch genau gegenteilig zu all den anderen Insidern diese Woche. Ein vorausberechnetes Kursziel kann es nicht gewesen sein, denn Linde stand diesen Monat teilweise schon bei über 90 Euro. Ein Stopp auf charttechnischer Basis erscheint bei näherem Hinsehen zwar sinnvoll, aber lässt sich nicht mit dem hohen Verkaufspreis vereinbaren. Bei ungefähr 82 Euro hat Linde das trendbestimmende Tief im Chart erneut unterboten und ist damit in einen Abwärtstrend übergegangen. Reitzle verkaufte jedoch bereits zuvor.

Was hat der gute Mann sich bloß dabei gedacht? Wenn ich fünf Millionen im Plus bin bei einem Trade, dann halte ich ihn doch gemütlich und warte auf sechs oder sieben Millionen, oder? Man kann aber davon ausgehen, dass der Herr sich seiner Schritte bestens bewusst ist. Und hier scheint er lieber die fünf Millionen einpacken zu wollen, anstatt zuzusehen, wie diese immer weniger werden. Man wird nie erfahren können, welcher Grund es wirklich ist, aber er scheint irgendwo einen guten Grund zu haben.

Das ist das Wesen des Insider-Alarms: Entweder der Insider einer Aktiengesellschaft geht davon aus, dass seinem Unternehmen schlechtere Zeiten blühen, vielleicht ist ein Großauftrag abhanden gekommen oder ein Staatsanwalt hat mal von wegen Korruption vorbeigeschaut. Oder aber auch, bei einer Persönlichkeit wie Herrn Reitzle durchaus denkbar, der Verkaufsgrund hat mit Linde nichts zu tun, sondern mit der gesamten Wirtschaft. Nun gut, vielleicht hat es auch einfach steuerrechtliche Gründe. Letztlich bleibt hier jedoch trotz aller Spekulation eine starke bärische Indikation für die Linde AG und genau das ist die besondere Qualität der Insider-Signale.

Wie könnte es bei Linde AG weitergehen?

Hier muss nicht mehr allzu viel gesagt werden. Der Trend hat stark nach unten gedreht und es bleibt abzuwarten, ob sich die Zone zwischen 80 und 82 Euro als Unterstützung bewährt. Die Vorzeichen sind im Moment eher negativ. Auch den aktuellen Schub im DAX erlebte die Linde AG übrigens als Underperformer. Aufmerksamkeit ist geboten!

Wie sieht die Aktie der Linde AG technisch betrachtet aus?

Für den Freitag als Handelstag generiert das Papier der Linde AG folgende Unterstützungen und Widerstände auf Basis des Tagescharts:

S1/S2/S3 82,99/82,01/81,53 und

R1/R2/R3 84,45/84,93/85,91

Auf Basis des Tagescharts handelt die Aktie der Linde AG derzeit mit einem RSI-Wert von 45,235 im neutralen Bereich.

Zum Zeitpunkt der Analyse kostet das Wertpapier der Linde AG EUR 83,85 (11:39 Uhr) via XETRA.

Stammdaten der Transaktion

Unternehmen: Linde AG

Insider: Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Reitzle, Vorstandsvorsitzender

Transaktion: Verkauf

Volumen: 11.282.700,00 EUR

Stückzahl: 130.000

Ausführungskurs: 86,79 EUR

Aktueller Kurs – Bid: 83,77 € / Ask: 83,80 €

(L&S: 28.05.2010, 11:47:09)

Wertpapier – ISIN: DE0006483001 / WKN: 648300

Erfassung: Dienstag, 25.05.2010, 15:45 Uhr

Unsere Trade-Analyse:

Das hier ist zweifelsohne das interessanteste Signal des aktuellen Monats: Das Volumen ist exorbitant hoch und der Insider ein prominentes Gesicht der deutschen Wirtschaft. Daneben ist es das einzige Verkaufs-Signal der noch aktuellen Woche. Technisch betrachtet hat Herr Reitzle hier direkt mit dem Aufwärtstrendbruch verkauft. Wer weiß jedoch, ob hier nicht noch ein bisschen mehr im Busch ist. Ein Signal wie dieses kann fast schon als Gesamtmarkt- bzw. Branchenindikator gelten. Wir bleiben gespannt. Wer Linde AG Aktien hält, sollte hier nun verkaufen. Auch ein Leerverkauf könnte hier jedes Long-lastige Portfolio unterstützen. Klares Fazit: Verkaufen!

Informationen über Linde AG:

Branche: Spezialchemie

Börsensegment: DEU – Dax

Marktkapitalisierung: 14.16 Mrd. EUR

Website: www.linde.com/

Portrait des Unternehmens:

Linde ist ein internationaler Technologiekonzern, der in seinen beiden Arbeitsgebieten Gas und Engineering führende Marktpositionen besetzt. Linde Gas bezeichnet sich auf den Gebieten Industrie- und Medizingase als erste Adresse in Europa. Im Mittelpunkt steht nach den Angaben des Unternehmens das Segment „On-Site“, das auf Großverbraucher von Industriegasen ausgerichtet ist. Die Gasversorgung wird mit Anlagen gesichert, die direkt beim Kunden vor Ort stehen. Hier komme die Kooperation von Linde Gas und Linde Engineering und die Technologieführerschaft bei Luftzerlegungs- und Wasserstoffanlagen zur Geltung. Am 6. März 2006 unterbreitete Linde ein freundliches Übernahmeangebot für den britischen Gasspezialisten BOC Group. Durch diese Akquisition stieg Linde zu einem weltweit führenden Gase- und Engineeringunternehmen auf. Im Zuge der Konzentration auf die Kerngeschäfte wurden im September 2004 der Unternehmensbereich Kältetechnik und Ende 2006 der Bereich Fördertechnik verkauft.

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