Nachzügler Platin

Bernstein Bank: Der Niedrigzins der Notenbanken spricht für ein Investment in Edelmetalle. Das gilt sowohl für Gold, aber auch für die weißen Kollegen. Silber und Palladium profitieren zudem von einem möglichen Neustart der globalen Wirtschaft – sie haben zuletzt recht gut performt. Nur Platin hinkt hinterher. Wir beleuchten die Hintergründe.

Schub durch Niedrigzins
Die Edelmetalle, die zu Investmentzwecken gekauft werden, profitierten laut CNN Business von der Corona-Pandemie, der dadurch ausgelösten weltweiten Rezession und der Angst davor, dass die USA wegen der Politik nicht schnell ein neues Stimulus-Programm aufleben könnten. Außerdem werde die Federal Reserve die Zinsen wohl in den kommenden Jahren nicht von Null anheben.

Vor allem Gold legte daher zu. Auch die US-Bank Wells-Fargo urteilte jüngst, es gebe drei Hauptgründe für das gelbe Metall: niedrige langfristige Zinsen, den exzessiven globalen Druck von Geld und den schwächeren Dollar. Analyst John LaForge, urteilte, „Trust in money, over the very long term, has been a fickle thing. No paper money has survived time, while gold has. Gold is history’s trusted ‘store of value.’”

Generell dürfte der Rückenwind für Investment-Edelmetalle anhalten – wenn auch Gold und Silber jüngst durch eine neue Dollar-Stärke zurückgeworfen wurden. Der Markt wolle immer mehr vom billigen Geld, urteilte SchiffGold.com. Auf der anderen Seite könne die Federal Reserve die Zinsen nicht anheben, weil das die Wirtschafserholung abwürgen würde.

 


 

Nur Platin in der Verlustzone
Während Gold in diesem Jahr neue Rekorde markiert hat und auch Silber und Palladium haussierten, hinkt Platin hinterher. Das weiße Metall hat seit dem 01. Januar rund 12 Prozent verloren. Gold und Silber haben trotz der jüngsten Korrektur rund 23 Prozent zugelegt. Und Palladium liegt Year-to-date rund 13 Prozent in der Gewinnzone.

Laut CNN Business liegt dies an der Tatsache, dass Platin stärker in der Industrie eingesetzt wird, als die anderen Metalle. So ist Platin ein wichtiger Zusatz in Katalysatoren – die Autoindustrie ist aber wegen Corona ausgeknockt. Dazu gesellt sich der Aufstieg von elektrischen Marken wie Tesla, die keine Katalysatoren brauchen.

 

 

Einbau in Auto-Katalysatoren
Warum aber haussierte dann Palladium, das ebenfalls bei Autos verbaut wird? Die Antwort: Zum einen ist der Markt sehr klein und seit Jahren von Angebotsdefiziten geprägt. Hier greifen die US-Sanktionen gegen den größten Förderer Russland.

Platin stammt dagegen zu drei Vierteln aus Afrika. Wegen strengerer Umweltauflagen mussten die Automobilhersteller zur Reduzierung schädlicher Emissionen mehr Palladium in Katalysatoren einbauen, was den Preis nach oben zog.

Aber: Es gab ein Manko für Platin. Bei Katalysatoren von Diesel-Fahrzeugen ist der Anteil von Platin in der Verarbeitung viel höher gewesen. Wie es aussieht, wurde Palladium eher bei Benzinern verbaut und Platin eher bei Dieselautos. Der von Volkswagen ausgelöste Dieselskandal dürfte also den Platinpreis gebremst haben.

Doch wenn die Wirtschaft in ärmeren Ländern wie Indien oder China nach Corona wieder hochgefahren wird, dürften vor allem Dieselautos gekauft werden – diese Technologie ist einfach, ausgereift und günstig. Zudem könnten die Hersteller auch bei Benzinern wieder auf Platin umsteigen.

Einsatz in der Ölindustrie
Übrigens werden sowohl Platin als auch Palladium beim Hydrocracking eingesetzt, das ist das Aufspalten von Schweröl zur Gewinnung von Benzin, Kerosin oder Diesel. Womit wir ebenfalls einen Pull-Faktor für beide Metalle hätten, falls die Wirtschaft wieder anspringt. Und wobei wir ebenfalls realisieren, dass Platin nun weit günstiger ist und daher bevorzugt in der Öl-Industrie zugekauft werden dürfte. Platin kostete zuletzt 847 Dollar je Unze, Palladium 2.216 Dollar.

Die Investment-Alternative
Möglicherweise wird somit gerade Platin wegen seines Nachzügler-Status aufholen. „The Fed has pumped more money into the markets. There is potential for more inflation as Powell talks about uncertainty and more stimulus,“ urteilte Ed Moy, Chef-Stratege beim Gold-Verkäufer Valaurum und früherer Chef der US Mint. „So there will be point where investors flock more to alternative assets like platinum.“

Platin habe weit mehr Potenzial für eine Aufholjagd als Gold. Seiner Meinung nach ist das weiße Metall unterbewertet, es sollte viel näher an der Parität notieren. Das wäre also ein hübscher Weg nach oben bis zum Goldpreis von rund 1.850 Dollar.

 


 

Platin in der Geschichte meist teurer als Gold
Und Will Rhind, Chef von GraniteShares, wies daraufhin, dass Platin in der Geschichte sogar mit einem Aufpreis zu Gold notiert habe. Erst 2015 drehte sich das um. Spätestens nach der US-Präsidentenwahl könnte der Kick für Platin einsetzen: Egal wer gewinnt, muss sich um die Wirtschaft kümmern. Wir dürfen uns für 2021 somit auf neue Stimuli einstellen. Und eventuell auf neue Infrastrukturprogramme. Beides dürfte den Automarkt ankurbeln.

„It doesn’t matter who wins in November. There could be a huge amount of stimulus — trillions of dollars spent,“ urteilte Steven Dunn, Chef der Abteilung Investmentfonds bei Aberdeen Standard Investments, er verwaltet den Aberdeen Standard Physical Platinum Shares ETF. „More manufacturers could switch to platinum,“ Dunn said.

„Platinum should make up some ground. There was a shortage before Covid-19. The pandemic has only made it worse,“ urteilte auch Everett Millman, Edelmetall-Spezialist bei Gainesville Coins. Der Preis bewege sich noch immer rund 50 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen Dekade, die Industrienachfrage sollte einen Boden unter dem Preis einziehen.

Unser Fazit: Die genannten geldpolitischen Push-Faktoren gelten für Gold (Wertanlage, Schmuck, Zahntechnik) und für die anderen Edelmetalle. Wobei Silber (Schmuck, Investment, Spiegel, Elektronik, Solarindustrie), Palladium und Platin (beide Schmuck und Investment, Öl- und Autoindustrie, Medizin- und Zahntechnik) eben auch in der Industrie eingesetzt werden.

Aber nur ein Metall aus der Gruppe hat den Bull-Run noch nicht absolviert: Platin. Darüber sollten Sie mal nachdenken. Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Auge und wünscht erfolgreiche Trades und Investments.

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