Niedrige Zinsen als “treue Begleiter”

Bankhaus SpänglerDas Salzburger Bankhaus Spängler sieht die derzeit auf einem Rekordtief befindlichen Zinsen weiterhin als “treue Begleiter” der Finanzmärkte auf beiden Seiten des Atlantiks.

Sowohl die Europäische Zentralbank als auch ihr US-amerikanisches Pendant Federal Reserve haben in der Corona-Krise neue Maßnahmen gesetzt, um den Auswirkungen des Lockdowns auf geldpolitischer Ebene entgegenzuwirken, so die Experten der ältesten Privatbank Österreichs in ihrer aktuellen Zinseinschätzung.

Die EZB setzt insbesondere auf neue Aktivitäten bei Refinanzierungsgeschäften, die FED bekennt sich weiterhin zu einer expansiven Geldpolitik, schließt aber – entgegen zunehmender Spekulationen – einen Eintritt in das umstrittene Feld der Negativzinsen aus.

 


 

“Trotz unveränderter Leitzinssätze hat die EZB bei den Refinanzierungsgeschäften nachgelegt und neue Aktionen eingeleitet, um den Liquiditäts- und Kreditfluss in der Eurozone zu stabilisieren”, sagt Markus Dürnberger, Bereichsleiter Asset Management im Bankhaus Spängler.

Dabei werden die Konditionen der längerfristigen Refinanzierungsgeschäfte verbessert, eine neue Reihe an Pandemie-Notfallrefinanzierungsgeschäften angeboten sowie das Pandemie-Notfallankaufprogramm im Gesamtumfang von 750 Mrd. Euro weiterhin durchgeführt.

“Die EZB bleibt also in der Krise nicht untätig, selbst wenn ihr Handlungsspielraum im Bereich der Leitzinssätze aufgrund der bereits länger geführten Niedrigzinspolitik eingeschränkt ist”, so Dürnberger.

Nur langsame Erholung der amerikanischen Wirtschaft

Nachdem die Federal Reserve im März zwei außerplanmäßige Leitzinssenkungen auf einen Korridor von 0,00 bis 0,25 Prozent vornahm, blieb dieser bei der letzten Zinssitzung im April unberührt. Die FED bekennt sich aber weiterhin dazu, die Konsequenzen der Corona-Pandemie im Rahmen ihres Handlungsfeldes einzudämmen.

“Aktuell ist davon auszugehen, dass die FED mit einer graduellen Erholung der amerikanischen Wirtschaft rechnet und es dauern wird, bis ein Beschäftigungsgrad am Arbeitsmarkt erreicht wird, der nahe einer Vollbeschäftigung liegt”, analysiert der Asset Manager im Bankhaus Spängler. Die Finanzmärkte jedenfalls preisen mittelfristig eine lockere Geldpolitik ein.

US-Inflation könnte Zinsentscheidung beeinflussen

Sinken die US-Leitzinsen sehr bald gar in den negativen Bereich, wie manche Marktteilnehmer glauben? “Eher nein”, meint Markus Dürnberger. “Die FED selbst schließt negative Leitzinsen derzeit aus und verweist dabei auf die ‘gemischten’ Erfahrungen anderer Zentralbanken sowie die ungeklärte rechtliche Situation diesbezüglich.

Einzig die Entwicklung der US-Inflation, die dem weltweiten Trend folgend massiv gesunken ist, könnte die Negativzins-Überlegungen erneut auf die Agenda der US-Notenbank bringen.”

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