Siemens Energy: Für zwei Siemens-Aktien gibt es eine Siemens Energy-Aktie

Siemens: Die Siemens AG hat am Dienstag mit der Einladung zur außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Juli 2020 wesentliche Details zum Spin-off ihres Energiegeschäfts veröffentlicht. Der vorgelegte Spaltungsbericht stellt einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur Schaffung eines eigenständigen und weltweit führenden Energiespezialisten dar.

Die Siemens-Aktionäre sollen für je zwei Aktien der Siemens AG automatisch eine Aktie der Siemens Energy AG erhalten. Es werden 55 Prozent von Siemens Energy an die Siemens-Aktionäre abgespalten.

In Abhängigkeit von der strategischen und operativen Entwicklung beider Gesellschaften beabsichtigt die Siemens AG, binnen 12 bis 18 Monaten ihren Anteil an Siemens Energy weiter deutlich zu reduzieren. Zudem verpflichtet sich die Siemens AG vertraglich, künftig keinen beherrschenden Einfluss mehr auf die neue Gesellschaft auszuüben.

Vorbehaltlich der Zustimmung der außerordentlichen Hauptversammlung ist der Spin-off wie angekündigt bis Ende September 2020 geplant. Das Erstlisting soll am 28. September erfolgen.

 


 

„Die Verselbstständigung des Energiegeschäfts von Siemens ist ein wichtiger Meilenstein bei der erfolgreichen Umsetzung unserer Vision 2020+“, sagte Joe Kaeser, Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG.

„Die erhebliche Wertsteigerung bei der Gesundheitstechnik macht deutlich, welche Potentiale mit der weiteren Fokussierung des Gesamtunternehmens gehoben werden können. Dies gilt sowohl für die Siemens Energy als auch die auf die Industriellen Geschäfte konzentrierte ‚Neue Siemens AG‘. Damit ist ein wesentlicher Meilenstein der Neuausrichtung erreicht, die die Siemens-Unternehmen auf die gewaltigen technologischen Transformationen vorbereitet.“

Global Player mit einzigartiger Aufstellung im Energiesektor
Mit der geplanten Börsennotierung von Siemens Energy entsteht ein starkes, fokussiertes und global aufgestelltes Unternehmen, das inklusive des Servicegeschäfts entlang der gesamten Energiewertschöpfungskette aktiv ist. Dank dieser einzigartigen Aufstellung kann Siemens Energy schnell auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren und dabei helfen, den weltweit steigenden Energiebedarf zu decken und gleichzeitig die CO2-Belastung signifikant zu reduzieren.

Die Siemens AG selbst konzentriert sich künftig auf Digital Industries, Smart Infrastructure und Siemens Mobility. Mit Siemens Healthineers ist das Medizintechnikgeschäft mit klarem Fokus auf diagnostische und therapeutische Bildgebung, Labordiagnostik und molekulare Medizin sowie Gesundheitsservices bereits seit März 2018 als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert.

Die neue Siemens Energy wird weltweit rund 91.000 Mitarbeiter beschäftigen (Stand 31. März 2020). Zu ihren Produkten zählen unter anderem Gas- und Dampfturbinen, Generatoren, Transformatoren und Kompressoren. Bei Windturbinen gehört Siemens Energy mit der 67-prozentigen Beteiligung an Siemens Gamesa Renewable Energy zu den Weltmarktführern im Bereich Erneuerbare Energien.

Der Auftragsbestand von Siemens Energy lag zum 30. September 2019 bei 77,0 Milliarden Euro. Siemens Energy erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2019 gemäß dem freiwillig erstellten kombinierten Abschluss der Siemens Energy AG zum 30. September 2019 einen Umsatz von rund 29 Milliarden Euro. Bereinigt um Restrukturierungskosten in Höhe von rund 0,3 Milliarden Euro hätte das angepasste EBITA rund 1,3 Milliarden Euro betragen.

Investment-Grade-Rating für Siemens Energy angestrebt
Siemens Energy geht sehr solide finanziert an den Start: Die neue Gesellschaft wird von Beginn an über ein hohes Maß an Kapital und Liquidität verfügen. Es wird angestrebt, die Voraussetzungen für ein solides Rating im Investment-Grade-Bereich zu erfüllen. Gemäß den freiwillig erstellten kombinierten Finanzinformationen der Siemens Energy AG zum 31. März 2020 betrug das Eigenkapital rund 17,3 Milliarden Euro (IFRS). Dies entspricht einer Eigenkapitalquote von 37,8 Prozent. Siemens Energy wurde mit Liquidität im Gegenwert von rund 6,2 Milliarden Euro ausgestattet. Etwa 4,1 Milliarden Euro davon werden bis zur Abspaltung zur Begleichung von Verbindlichkeiten verwendet. Zusätzlich wurde durch ein Bankenkonsortium eine revolvierende Kreditlinie in Höhe von 3,0 Milliarden Euro zugesagt.

 


 

Strategisch und finanziell hervorragend positioniert
„Siemens Energy ist nicht nur operativ und strategisch, sondern auch finanziell hervorragend aufgestellt“, sagte Ralf P. Thomas, Finanzvorstand der Siemens AG.

„Das Unternehmen wird unabhängig von der Siemens AG seine Strategie konsequent vorantreiben und sich eigenständig am Markt finanzieren können. Der Spin-off gibt unseren Aktionären die Möglichkeit, unmittelbar von den künftigen Erfolgen des neuen Unternehmens zu profitieren. Gleichzeitig sind wir zuversichtlich, dass sich damit auch der Konglomeratsabschlag auf die Aktie der Siemens AG reduzieren wird.“

„Die globalen Energiemärkte befinden sich in einem fundamentalen Wandel“, ergänzte Christian Bruch, Vorstandsvorsitzender der Siemens Energy AG.

„Die Nachfrage nach bezahlbarer und verlässlicher Energie steigt weiter an. Rund 850 Millionen Menschen haben heute immer noch keinen Zugang zu Strom. Der Bedarf steigt ständig und gleichzeitig müssen die CO2-Emissionen radikal reduziert werden – das ist Herausforderung, vor allem aber Chance. Mit Siemens Energy schaffen wir ein integriertes Energieunternehmen, das Lösungen bietet und seine Kunden auf allen Stufen der Wertschöpfungskette unterstützen kann.“

Unabhängigkeit vertraglich abgesichert
Siemens Energy wird mit der Abspaltung selbstständig und unabhängig geführt – dies sichert ein sogenannter Entherrschungsvertrag mit der Siemens AG ab. Siemens verpflichtet sich darin, keinen unmittelbaren oder mittelbaren beherrschenden Einfluss auf die neue Gesellschaft zu nehmen.

Die Vereinbarung sieht unter anderem vor, dass dem Aufsichtsrat der Siemens Energy AG maximal drei der Siemens AG zuzurechnende Mitglieder angehören. Zudem werden künftig Stimmrechte soweit begrenzt, dass bei bestimmten Beschlussgegenständen – insbesondere bei der Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern – keine Entscheidungen einseitig gegen die anderen Aktionäre der Siemens Energy AG durchgesetzt werden können.

Hochkarätig besetzter Aufsichtsrat
Der Aufsichtsrat von Siemens Energy wird nach der Abspaltung 20 Mitglieder umfassen und paritätisch besetzt sein. Bereits vor Vollzug des Spin-offs konnte Siemens hochkarätige Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Energiebranche als Vertreter der Kapitalseite für das Gremium gewinnen: Dr. Christine Bortenlänger, Sigmar Gabriel, Geisha Jimenez Williams, Dr. Hubert Lienhard, Hildegard Müller, Laurence Mulliez und Randy Zwirn. Dabei wurde neben einschlägigen Kompetenzen ein besonderer Wert auf Diversität und Internationalität gelegt.

Als Siemens-Vertreter im Aufsichtsrat der Siemens Energy AG sind Joe Kaeser, Ralf P. Thomas sowie Matthias Rebellius, COO Smart Infrastructure, vorgesehen. Es ist geplant, dass Ralf P. Thomas die Leitung des Prüfungsausschusses übernimmt und Joe Kaeser zum Aufsichtsratsvorsitzenden vorgeschlagen wird.

Teil eines starken Siemens-Ökosystems
Siemens und Siemens Energy haben miteinander diverse Lizenz- und Serviceverträge abgeschlossen, die sich an branchenüblichen Standards orientieren. Als Teil des Siemens-Ökosystems wird Siemens Energy weiter die Marken „Siemens Energy“ und „Siemens Gamesa“ nutzen.

Für die Nutzung der Marke entrichtet Siemens Energy eine margenabhängige Lizenzgebühr, die jährlich zwischen 0,3 Prozent und 1,2 Prozent der Umsatzerlöse (ausgenommen Siemens Gamesa) liegen wird. Die zu zahlende Lizenzgebühr für das Geschäftsjahr 2020 wird dabei voraussichtlich einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Darüber hinaus wird Siemens Energy für einen Übergangszeitraum Dienstleistungen der Siemens AG in Anspruch nehmen – beispielsweise in Personal- und Rechnungswesen, Einkauf, IT sowie in ausgewählten Bereichen von Forschung und Entwicklung. Das Gesamtvolumen dieser meist mehrjährigen, sogenannten „Transitional Services Agreements“ sowie der langfristigen Dienstleistungsverträge beläuft sich über deren gesamte Laufzeit auf einen Betrag von insgesamt circa 1,0 Milliarden Euro.

 


 

Attraktive Dividendenpolitik angestrebt
Die Aktionäre der Siemens AG werden im ersten Schritt 55 Prozent der Anteile der Siemens Energy AG halten. 35,1 Prozent der Anteile werden bei der Siemens AG liegen, davon 12,0 bei der 100-prozentigen Tochter Siemens Beteiligungen Inland (SBI) GmbH. Weitere 9,9 Prozent werden vom Siemens Pension-Trust e.V. gehalten.

Siemens Energy beabsichtigt künftig, jährlich zwischen 40 Prozent und 60 Prozent des Konzerngewinns nach Steuern an die Aktionäre auszuschütten. Damit steht die Siemens Energy AG – wie auch die Siemens AG – für eine attraktive Dividendenpolitik. Vorbehaltlich einer gesetzlichen Mindestdividende wird die Siemens Energy AG für das Geschäftsjahr 2020 voraussichtlich keine Dividende ausschütten.

Siemens-Aktionären werden neue Aktien automatisch in ihr Depot gebucht
Mit der geplanten Verselbstständigung von Siemens Energy werden die Aktionäre der Siemens AG künftig an zwei börsennotierten Gesellschaften beteiligt sein. Die Aktionäre erhalten damit die Möglichkeit, eigenständig und separat über ihr Investment in den jeweiligen Geschäftsaktivitäten zu entscheiden. Die neuen Aktien der Siemens Energy AG werden automatisch mit der Börsennotierung in das Depot der Siemens-Aktionäre gebucht.

Aufgrund des Zuteilungsverhältnisses von 2:1 werden sich sogenannte Aktienspitzen für jene Siemens-Aktionäre ergeben, die aktuell über eine ungerade Anzahl von Aktien verfügen. Die betroffenen Aktionäre können dann über einen entsprechenden Kauf- oder Verkaufsantrag bei ihrer Depotbank ihre Rechte arrondieren.

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