Startschuss für eine Sommerrally?

HelabaNachdem EZB-Präsident Mario Draghi seine Bereitschaft für weitere geldpolitische Lockerungen signalisierte, ist auch US-Notenbankchef Jerome Powell in die verbale Offensive gegangen. Damit hat die Geldpolitik in den USA und im Euroraum endgültig die Rolle rückwärts vollzogen.

Anleger spekulieren nun nicht mehr auf das Ob, sondern vielmehr auf Zeitpunkt und Höhe der geldpolitischen Maßnahmen. Aktien und Gold waren aus diesem Grund stark gefragt. US-Aktien knackten historische Rekordmarken und der deutsche Leitindex DAX stieg zunächst mit über 12.400 Punkten auf ein neues Jahreshoch. Am Ende waren es Sorgen vor einer Verschärfung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran, die den Höhenflug beendeten.

Im geldpolitischen Contest zwischen EZB und Fed um den expansivsten Richtungswechsel haben sich die Devisenmärkte für den Euro entschieden. So geriet der US-Dollar mit der Erwartung niedrigerer US-Leitzinsen unter Druck – die europäische Gemeinschaftswährung wertete über 1,13 gegenüber dem Dollar auf.

Der US-Notenbank wird angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage – der Fed Funds Target Satz befindet sich in einer Bandbreite zwischen 2,25% und 2,5% – schlichtweg ein größerer Spielraum zugebilligt. Diesem Eindruck versucht allerdings die EZB entgegenzutreten, sehr zum Ärger von US-Präsident Trump.

 


 

Renten zählten zu den Profiteuren der abgelaufenen Handelswoche. Zunächst verzeichneten sie im Gefolge von „Draghi-Powell“ Kursgewinne: 10-jährige US-Treasuries notierten erstmals seit 2016 unter 2%, während die Renditen im Euroraum über alle Mitgliedsländer – auch Italien – gesunken sind. Die 10-jährige Bundesanleihe erreichte mit -0,32% einen Rekordwert.

Mit den jüngsten Spannungen zwischen USA und Iran waren Renten dann im Zuge der gestiegenen Risikoaversion gut unterstützt. Fast hat es den Anschein, als ob EZB-Chef Draghi kurz vor Ende seiner Amtszeit mit seiner Meldung aus dem portugiesischen Sintra einen zweiten „Whatever it takes“-Moment geschaffen hat.

Um ein Handeln der EZB auszulösen, reicht es aus, wenn sich keine Verbesserungen zeigen, insbesondere auf der Inflationsseite. Die europäische Geldpolitik wolle sich nicht mit niedrigen Inflationsraten abfinden, weshalb der EZB-Rat in den kommenden Wochen über eine Anpassung seiner Instrumente beraten wolle.

Offen ist, ob es dabei um Zinssenkungen, eine Staffelung beim Einlagenzins oder die Wiederaufnahme der Anleihekäufe geht. Offensichtlich hat sich die Europäische Zentralbank von der Idee verabschiedet, dass negative Zinsen schädlich sind.

Nachdem der EU-Gipfel keine Fortschritte in den wichtigen Personalfragen brachte, geht der Blick nun nach Osaka, wo das G-20-Treffen ab nächsten Freitag Neuigkeiten im Handelsstreit zwischen den USA und China bringen könnte.

 


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