vontobel: Traditionelle Rohstoffunternehmen sind nicht mehr attraktiv

In den vergangenen Jahrzehnten investierten viele Anleger in Energiefonds, um vom weltweiten Rohstoffboom zu profitieren. Ist das auch der beste Ansatz für die Zukunft? Wir meinen nein. Denn der intelligentere Weg der Rohstoffanlage für die Zukunft ist die Investition in "unkonventionelle" Energiegesellschaften.

Der Ressourcen-Nationalismus betrifft auch den Öl- und Gassektor. Ein bekanntes Beispiel dafür ist die argentinische Regierung, die die Kontrolle über YPF von der spanischen Ölgesellschaft Repsol an sich riss – angeblich wegen fehlender Investitionen. Zyniker würden sicherlich auch auf das riesige Potenzial von argentinischen Öl- und Gasvorkommen – eingeschlossen in Schiefergestein – hinweisen.

Die steigenden Ölpreise trieben während einer Dekade die Gewinne des Sektors in die Höhe. Der erforderliche Investitionsbedarf aber stieg angesichts der Notwendigkeit, die schwindenden Ressourcenvorkommen zu ersetzen, viel schneller. Zusammen mit den steigenden Kosten führte dies dazu, dass der gesamte freie Cashflow dieser Unternehmen weitgehend unverändert blieb. Trotz des beträchtlichen Umfangs der Investitionsausgaben, verharrt die Öl- und Gasproduktion allgemein auf dem bisherigen Niveau und beim Öl, der wertvolleren Ressource als Gas, hat sich dieses Niveau sogar verringert.

Der Nachfragezuwachs nach Öl und Gas dürfte deshalb künftig fast ausschließlich aus sogenannten unkonventionellen Energiequellen gedeckt werden, wie der Tiefsee, aus Schiefergasvorkommen oder Biotreibstoffen, da die meisten einfach erreichbaren Rohstoffe bereits erschlossen sind. Die Ausbeute aus traditionellen Vorkommen wird bestenfalls stagnieren oder gar sinken. Die auf dem Gebiet der unkonventionellen Energiequellen tätigen Spezialfirmen, oft mittelgroße, weniger bekannte Gesellschaften, werden von dieser Entwicklung profitieren. Dazu gehören Bohrgesellschaften, die in der Tiefsee sowie "Ultra-Tiefsee" aktiv sind, sowie deren Zulieferer und andere Ölservicegesellschaften oder Öl- und Gasproduzenten, die weit draußen auf dem Ozean tätig sind. Darüber hinaus gibt es interessante Gesellschaften in den Bereichen Biotreibstoffe und Verflüssigung von Erdgas.

Rohstoffe werden aber auch in Zukunft weiterhin attraktive Anlagegelegenheiten bieten, da das Pro-Kopf-Einkommen in den Entwicklungsländern steigt. Das größte Potenzial sehen wir dabei nicht in Rohstoffunternehmen selbst, sondern in Gesellschaften, die technologische Innovationen fördern, so dass der gesellschaftliche Wandel stattfinden kann. Wir sind auch der Ansicht, dass Änderungen bei den wirtschaftlichen Wachstumstreibern einen Einfluss darauf haben werden, wo wir am meisten Potenzial sehen.

Traditionelle Rohstoffunternehmen werden eine Reihe von Herausforderungen zu meistern haben, wie beispielsweise steigende Lohnkosten, höhere Projektkosten sowie ein zunehmender Ressourcen-Nationalismus. Dies schafft attraktive Chancen für profitable Aktienanlagen in Unternehmen, die Substitute für Roh- und Werkstoffe herstellen oder über ein effizienteres Ressourcenmanagement verfügen.

von Sreejith Banerji, Fondsmanager des Vontobel Fund – Future Resources

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