Warnsignale vom Yuan – der Offshore-Yuan taucht ab

Bernstein Bank: Die Wall Street arbeitet sich voran, der DAX läuft mit. Alles bestens also an der Börse. Wenn da nicht das Thema China wäre. Konkret: Hongkong. Noch konkreter: Die jüngste Talfahrt des Offshore-Yuan. Tatsächlich droht ein neuer Handelskonflikt zwischen China und den USA. Und zwischen die Fronten könnten chinesische Aktien geraten.

Und die Börsen im Westen gleich mit. Anleger sollten das Thema im Auge behalten.

 

Der Offshore-Yuan taucht ab

Offenbar ist hinter den Kulissen schon einiges in Gange. Gerade ist der Offshore-Yuan in unangenehme Tiefen abgetaucht – wir stehen an einem Zwölfjahres-Tief. Wer hat hier verkauft und warum? Tatsächlich könnte hinter dem Absturz eine Kapitalflucht aus China stehen. Denn Peking dürfte sich in Kürze recht unverhohlen Hongkong einverleiben und den Sonderstatus der ehemaligen britischen Kronkolonie beenden. Jedenfalls hat die Ankündigung, die nationalen Sicherheitsgesetze auf Hongkong auszuweiten, auch Folgen für den Finanzmarkt.

Präsident Donald Trump kündigte Maßnahmen gegen China an, nannte aber keine Details. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Kayleigh McEnany, sagte, der Präsident sei „verärgert“ über Chinas Vorgehen.

Die Frage sei, wie Hongkong ein Finanzzentrum bleiben könne, wenn Peking seine umstrittenen Hongkong-Pläne in die Tat umsetze.

 


 

Konkret könnte eine Gegenreaktion der Administration so aussehen:
Zunächst könnte Trump nach dem U.S.-Hong Kong Policy Act von 1992 Strafzölle auf chinesische Produkte erheben und den Zugang zu sensiblen Technologien einschränken.

Weitere Mittel wären Exportkontrollen und Investment-Restriktionen plus Einreisesperren für kommunistische Kader.

Die nukleare Option wäre es, den Zugang chinesischer Banken zum Dollar-Clearing-System zu blocken.

 

Drohendes Delisting in den USA

Vorige Woche verabschiedete der US-Senat einen Gesetzentwurf, der das Listing chinesischer Firmen an der Nasdaq limitieren oder gar stoppen soll. Der Bill ist gerade im Abgeordnetenhaus eingebracht worden. Damit könnten chinesische Aktien von der US-Börse verschwinden – außer ihre Geschäftsberichte werden von US-Regulierungsbehörden geprüft.

 

Vom Regen in die Traufe
Bei chinesischen Firmen wächst nun die Nervosität. Zwei von Chinas wertvollsten, an der US-Börse gelisteten Megacaps, wollen nun mit einem zweiten Börsengang in Hongkong den Zugang zu Kapital sichern. Es handelt sich um NetEase, das ist ein Online-Spiele-Anbieter. Und um JD.com, den Betreiber einer E-Commerce-Website. Die Prüfung für das Listing an der Hong Kong Stock Exchange hat laut „Wall Street Journal“ gerade begonnen.

Der Erfolg der beiden Zweitlistings dürfte also den Weg für chinesische Aktien weisen.

Möglicherweise können von der US-Börse verbannte China-Konzerne damit zwar dem Zorn der Amerikaner entgehen – aber damit auch gleich in die Fänge der chinesischen Aufsicht laufen.

 

Handelskrieg Revisited

Keine schöne Wahl also – dann also lieber gleich raus aus dem chinesischen Markt und aus chinesischen Assets. Was den Absturz des Offshore-Yuan erklären würde. Und damit hätten wir das nächste Problem: Ein solch günstiger Renminbi dürfte bald wieder die Falken in Washington auf den Plan rufen.

Denn ein schwacher Yuan verbilligt chinesische Exporte, für Amerika war immer die 7.00 die Rote Linie.

Konkret war übrigens die 7.20 das Tief im Handelsstreit gewesen.

 


 

Klare Kante in den USA
Zu all dem gesellt sich der Zorn in Amerika wegen Corona. China hat höchst wahrscheinlich die Welt in Sachen Covid-19 belogen und die Ursprünge des Virus vertuscht. Trump wird im Wahlkampf nicht müde, China als Verantwortlichen von Corona zu brandmarken – und die Amerikaner denken ebenso.

Und das wären die Folgen für Trader und Investoren: Bei einem neuen Handelskrieg mit Hongkong-Variante dürften zunächst der Hang Seng in Turbulenzen geraten.

Schließlich der CSI-300.

Und dann die Wall Street.

Der Yuan dürfte sich sowieso auf der Short-Seite wiederfinden.

Das jedenfalls, sofern Peking zurückschlägt und die Lage eskaliert. Die Bernstein-Bank behält das Thema für Sie im Auge – und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

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