Warum die Zollpolitik die Devisenmärkte bewegt

  • Protektionismus der USA lässt Risiken steigen
  • Volatilität bietet Einstiegschancen
  • Steilere Zinskurve in den entwickelten Ländern möglich

T. Rowe Price: Eigentlich nutzen Staaten Währungen als Instrument, um ihre Volkswirtschaften anzukurbeln. In letzter Zeit setzen offenbar Regierungen eher Einfuhrzölle und Steuern ein, um dieses Ziel zu erreichen. Insbesondere dann, wenn sie erhebliche Handelsdefizite aufweisen.

„Es ist möglich, dass der sich verstärkende Protektionismus Vergeltungsmaßnahmen der Handelspartner hervorruft, die dann mit ähnlichen Maßnahmen reagieren“, sagt Andrew Keirle, Portfoliomanager und Mitglied des globalen Fixed Income Investmentteams bei T. Rowe Price. Und genau darin lauert seiner Meinung nach die Gefahr für die globale Wirtschaft. „Die Risiken sind deutlich gestiegen“, fügt er hinzu.

Konkret bezieht er sich auf die Politik der USA, die jüngst Strafzölle auf Waschmaschinen- und Solarmodul- sowie auf Stahl- und Aluminium-Importe verhängten. Ähnliche Maßnahmen hatten die Vereinigten Staaten unter Präsident George W. Bush schon einmal verordnet. „Damals gab es in den USA eine Rezession. Das kann man mit der heutigen Lage kaum vergleichen. Aktuell unterstützen ein robustes Wachstum und eine geringe Arbeitslosigkeit die US-Wirtschaft“, konstatiert Keirle.

Eine solche Strafzollpolitik hat nach Auffassung des Global-Investment-Teams von T. Rowe Price das Potenzial, die Volatilität an den Devisenmärkten merklich zu erhöhen. Bislang sei die Reaktion der Währungen in den Emerging Markets und in den Industrieländern sehr länderspezifisch ausgefallen. So hätten der japanische Yen und andere sogenannte Sichere-Hafen-Währungen Stärke gezeigt. Der Euro hingegen könnte jedoch künftig stärker in Bewegung geraten. Die USA hätten es mit ihrer Strafzoll-Politik gerade auf Regionen mit hohen Handelsüberschüssen abgesehen. Dies gelte insbesondere für Deutschland.

Falls die Handelsspannungen eskalieren, dürfte vor allem der asiatische Devisenmarkt ins Wanken geraten. „Einige asiatische Volkswirtschaften, etwa Südkorea, neigen dazu, gegenüber dem globalen Handel sehr empfindlich zu sein. Dies wirkt sich entsprechend auf die Währungen aus“, erläutert der Portfoliomanager.

Andere, höher verzinsliche Währungen wie beispielsweise die indonesische Rupiah, hätten das Potenzial, Turbulenzen gut zu meistern. Trotzt fundamental guter Voraussetzungen sei die Rupiah zuletzt auf das schwächste Niveau seit zwei Jahren gefallen. „Dies bietet gute Einstiegschancen“, so Andrew Keirle. Dies gelte jedoch nicht für die indische Rupie, mit der in risikoarmen Phasen eine Zeit lang Carry Trades möglich waren. Doch angesichts der in den USA geplanten Zinserhöhungen könnte das Performancepotenzial der Rupie jetzt begrenzt sein.

„Im Moment ist es schwierig vorauszusagen, wie es an den Devisenmärkten weitergeht. Allerdings bieten Währungs-Optionen einen Ausweg. Mit ihnen kann man sich gegen eine mögliche Eskalation an den Devisenmärkten absichern“, erklärt der Experte. So hätten Call-Optionen auf den japanischen Yen, die aus dem Geld liegen, derzeit durchaus ihren Reiz.

Denkbar sei folgendes Szenario: Strafzölle treiben die Inflation durch höhere Herstellungskosten an. Dies zwingt Unternehmen, die Preise zu erhöhen. Falls die Zentralbanken dies lediglich als vorübergehendes Phänomen betrachten, könnten die Zinskurven an den Anleihemärkten der entwickelten Länder künftig merklich steiler werden.

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