Was bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen hilft

Die Bayerische: Rund drei Viertel aller Erwerbstätigen litten letztes Jahr für eine gewisse Zeit unter Rückenschmerzen, jeder siebte sogar drei Monate oder länger, so ein Studienergebnis einer gesetzlichen Krankenkasse. Die Ursachen dafür sind vielfältig. Gesundheitsexperten, unter anderem von Berufsgenossenschaften, erklären, welche präventiven Maßnahmen es dagegen gibt und was bei akuten oder chronischen Rückenschmerzen hilft.

Nach Angaben der Krankenkasse DAK-Gesundheit (DAK), einem Träger der gesetzlichen Krankenversicherung, ist alleine in den ersten sechs Monaten diesen Jahres rund jede fünfte Krankschreibung auf Rückenprobleme und andere Muskel-Skelett-Erkrankungen zurückzuführen. Wie der aktuelle Gesundheitsreport der DAK ergab, hatten 75 Prozent der Erwerbstätigen letztes Jahr mindestens einmal Rückenschmerzen, rund 14 Prozent sogar drei Monate oder länger.

Jeder zwanzigste Berufstätige ist zudem mindestens einmal pro Jahr wegen eines Rückenleidens krankgeschrieben und jeden vierten plagen aktuell Rückenprobleme. Basis des Gesundheitsreports waren die Antworten von über 5.200 Beschäftigten bei einer Befragung Ende letzten Jahres sowie die Auswertung der Daten von rund 2,5 Millionen Erwerbstätigen, die bei der DAK krankenversichert sind.

Verschiedenste Ursachen
Laut Gesundheitsexperten gibt es diverse Ursachen für Rückenbeschwerden – von zu langem Stehen oder Sitzen, zu wenig Bewegung, einer einseitigen Haltung, zum Beispiel kniend, hockend oder gebückt, bis hin zur Überlastung durch falsches oder zu schweres Tragen oder ruckartige Bewegungen. Auch Zeitdruck, Stress und andere psychische und psychosoziale Belastungen können zu Rückenschmerzen zum Beispiel infolge einer überhöhten Muskelanspannung führen.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) stellt zusammen mit den Berufsgenossenschaften (BGs) und Unfallkassen zwei Flyer zum kostenlosen Download mit Präventionstipps und Linderungsmaßnahmen gegen Rückenleiden zur Verfügung.

Der Ratgeber „Fit im Job“ enthält neun verschiedene Ausgleichsübungen, die im Stehen oder Sitzen in kurzer Zeit durchgeführt werden können. Der Flyer „Bewahren Sie Haltung“ zeigt, worauf beim Sitzen, Stehen, Heben und Tragen zu achten ist, um den Rücken möglichst zu schonen.

Rückenschonend sitzen …
Wichtig bei einer sitzenden Tätigkeit ist zum Beispiel das sogenannte dynamische Sitzen. Ergonomische Bürostühle sind beispielsweise so konstruiert, dass sie dem Sitzenden einen häufigen Wechsel der Position und Haltung sowie mehr Bewegungsfreiheit in unterschiedliche Richtungen ermöglichen. Besonders das statische, starre Sitzen führt laut Gesundheitsexperten nämlich zu einer einseitigen, monotonen Belastung der Bandscheiben und zur Erschlaffung der Skelettmuskulatur.

Wer sich jedoch auch beim Sitzen bewegt und sich mit geradem Rücken abwechselnd immer wieder bewusst aufrecht hinsetzt, leicht nach vorne neigt oder nach hinten zurücklehnt sowie ab und an aufsteht und ein paar Schritte geht, vermeidet eine schnelle Ermüdung der Muskulatur. Sinnvoll sind zudem kurze Ausgleichsübungen während der Arbeitszeit.

Auch die richtige Sitzposition ist wichtig. Tisch und Stuhl sind von der Höhe dann optimal ausgerichtet, wenn die Unterarme waagerecht auf der Tischplatte aufliegen. Zudem sollten Ober- und Unterschenkel einen rechten Winkel bilden, die Lendenwirbelstütze in Gürtelhöhe und die Füße ganzflächig auf dem Boden sein sowie die gesamte Sitzfläche des Stuhles ausgenutzt werden.

… sowie heben und tragen
Beim Anheben von Lasten sollte der Rücken möglichst gerade sein und die Knie nicht mehr als im 90 Grad Winkel gebeugt werden. Zudem ist es wichtig, die Last kontrolliert anzuheben und anzusetzen, also nicht ruckartig.

Wer schwer tragen muss, weil keine anderen Hilfsmittel wie eine Sackkarre verwendbar sind, sollte dabei eine aufrechte Körperhaltung einnehmen, also sich nicht nach hinten beugen, sowie die Last beim Tragen möglichst dicht am Körper halten. Außerdem sollte man weder zu viel anheben und/oder tragen noch das Gewicht einseitig hochheben und halten, sondern auf beide Arme verteilen.

Grundsätzlich raten Gesundheitsexperten auch zu Sport, Bewegung und Aktivität in der Freizeit, um Rückenschmerzen vorzubeugen oder zu minimieren. Hilfreich sind zudem Entspannungsübungen und eine Stressreduzierung, denn Untersuchungen haben laut DGUV gezeigt, dass auch psychische und psychosoziale Belastungen zu arbeitsbedingten Rückenbeschwerden führen können.

Weitere Tipps zur Vorbeugung und Linderung von Rückenleiden
Weitere umfassende Tipps, um Rückenprobleme, aber auch Stress zu vermeiden oder zu lindern gibt es im Webportal der Beratungsstelle für Technologiefolgen und Qualifizierung im Bildungswerk der Vereinten Dienstleistungs-Gewerkschaft (ver.di) im Lande Hessen e.V.

Auch die Webportale der Aktion Gesunder Rücken e.V. (AGR) und die BG für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege liefern Expertenratschläge und -informationen zum Thema Rückenschmerzen. Kostenlose bestell- und herunterladbare Broschüren dazu bietet außerdem die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mit der Lektüre „Auf und nieder – immer wieder! Mehr Gesundheit im Büro durch Sitz-Steh-Dynamik“ und die AGR mit einem themenspezifischen AGR-Magazin an.

Ausführliche Tipps und Hinweise enthält zudem die Website www.patienten-informationen.de , ein gemeinsamer Webauftritt der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Hier stehen unter anderem Patientenleitlinien im PDF-Format wie die jeweils zweiseitigen Flyer „Akute Kreuzschmerzen“ sowie „Chronische Kreuzschmerzen“ und der ausführliche 101-seitige Ratgeber „Kreuzschmerzen“ zum kostenlosen Download zur Verfügung.

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