Wie schützt man sich vor Totalverlusten?

Deutsches Institut für AltersvorsorgeDer Neue Markt, Enron, Parmelat und jetzt auch Wirecard. Trotz moderner Researchinstrumente, transparenter Informationsquellen und bestätigter Testate von Wirtschaftsprüfern kommt es selbst bei vermeintlich „bewährten“ Geschäftsmodellen immer wieder zu Totalausfällen.

Nicht nur Privatanlegern entstehen so hohe Vermögensschäden, auch erfahrene Portfoliomanager mit jahrzehntelanger Expertise greifen mal daneben. Zu unterscheiden sind hier allerdings fehlerhafte Einschätzungen, überzogene Erwartungen oder schlichtweg Betrug.

 


 

Zunächst gilt es festzuhalten, dass kein seriöser Berater oder Vermögensverwalter willkürlich E-Mails mit Wertpapierempfehlungen verschickt. Einerseits handelt es sich bei sämtlichen Hinweisen, die letztlich in einer Empfehlung wie „halten“, „kaufen“ oder „verkaufen“ münden, um eine Anlageberatung, die zu protokollieren ist. Andererseits haben solche Mails meist auch werbenden Charakter. Privatpersonen darf man aber ungefragt keine solchen Mails zusenden, wenn keine Einverständniserklärung vorliegt.

Der Informationsquelle auf den Grund gehen

Sofern Vermögensverwalter oder Berater in Medien zitiert werden, kann man schon eher von einer ordentlichen Reputation ausgehen, da Tageszeitungen oder Fachmagazine in der Regel zunächst einen Kontakt aufbauen, bevor sie Experten zitieren. Interessenten sollten dann trotzdem zunächst einen Blick auf die Internetseite des Anbieters werfen. Im Impressum ist erkennbar, welche Genehmigungen für den Geschäftsbetrieb vorliegen und welche Dienstleistungen überhaupt angeboten werden dürfen. Einige Firmen liefern auch regelmäßige Finanzinformationen per Abonnement.

Was macht eine Aktie kaufenswert?

Für den Einstieg in die Aktienanlage eignen sich Werte, die schon länger am Markt sind, etwas produzieren, was auch in Zukunft gebraucht wird, ein vergleichsweise leicht nachvollziehbares Geschäftsmodell besitzen, international aufgestellt sind und eine ordentliche Dividende zahlen. Die Fundamentaldaten sollten über einen längeren Zeitraum stabil, Gewinnwarnungen eher eine Ausnahme und das Management des Unternehmens über einen längeren Zeitraum aktiv gewesen sein.

Unterschiedliche Formen der Beratung

Wenn man keine Zeit, Interesse oder Know How hat, kann man sein Portfolio von einem erfahrenen Vermögensverwalter managen zu lassen, da einem dann sämtliche Anlageentscheidungen abgenommen werden. Von ihm muss man sich allerdings vorher die Anlagephilosophie erläutern lassen. Bei größeren Vermögen ist es unter Umständen sinnvoll, mehrere Fachleute zu beauftragen.

Mit Kosten von ca. einem Prozent zuzüglich Mehrwertsteuer pro Jahr bezogen auf das verwaltete Vermögen muss dafür gerechnet werden. Alternativ kann man auch einmal im Jahr unabhängigen Rat von einem Honoraranlageberater oder einem Vermögensverwalter einholen und die Vermögensstruktur gegebenenfalls optimieren.

Bei Standardaktien kann sicherlich auch die Hausbank helfen. Allerdings haben einige Banken ihre Beratung deutlich reduziert und bieten Aktienberatung oft nur im Private-Banking an.

Strategie ist wichtiger als das einzelne Wertpapier

Die grundsätzliche Allokation des Vermögens auf Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, Rohstoffe und Liquidität muss zu den wesentlichen Zielen und Wünschen des Anlegers passen. Danach sollte eine fundamentale Einzeltitelauswahl erfolgen. Professionelle Portfoliomanager kaufen die ausgewählten Wertpapiere nicht komplett bei Geldeingang, sondern staffeln die Käufe. So bauen sie Positionen über einen längeren Zeitraum auf. Das Timingrisiko verringert sich deutlich.

Insgesamt sind die Grundausrichtung des Portfolios und eine ordentliche Einzeltitelauswahl langfristig entscheidender als das Timing. Privatanleger können das Timing optimieren, indem sie Fonds, ETFs oder mittlerweile auch einzelne Aktien über einen monatlichen Sparplan kaufen.

 


 

Wie informieren sich Finanzprofis?

Finanzprofis haben in der Regel den Vorteil, dass sie verschiedene Print- und Digital-Medien erhalten und ohnehin verpflichtet sind, Börsenpflichtblätter zu abonnieren. Hinzu kommt, dass die Market-Management-Systeme zur Beobachtung der Kurse auch permanente Nachrichten-Flows von Reuters oder dpa enthalten. Zusätzlich kommen kostenpflichtige Anbieter von Finanzinformationsdiensten ins Spiel, die mittlerweile auch Privatanleger verwenden können. Allerdings sollten die Kosten hierfür in einer vernünftigen Relation zum Vermögen stehen.

Unter den frei zugänglichen Anbietern von Finanzinformationen sind die Seiten von Finanzen.net, Finanzen100 oder Onvista einen Blick wert. „MyDividends“ bietet auch sehr ordentliche Informationen zu den relevanten Dividendentiteln. Auch der professionelle Anbieter Teletrader aus Österreich hat neben den kostenpflichtigen Profianwendungen auch einen sehr übersichtlichen kostenfreien Internetauftritt.

Bewährte Geschäftsmodelle bevorzugen

Fazit: Es gibt eigentlich genügend seriöse Informationsquellen. Vor Betrug mit gefälschten Bilanzen, die auch einen Wirtschaftsprüfer täuschen, können sich Privatanleger nur indirekt mit einer breiten Vermögensstreuung schützen. Grundsätzlich sollten bewährte Geschäftsmodelle vorgezogen werden. Es gibt weltweit genügend transparente Aktiengesellschaften, die auch erfahrene Portfoliomanager für die Depotstrukturierung verwenden.

Auch nachhaltige, ökologische Ansätze unter Berücksichtigung der ESG-Kriterien und der 17 Sustainable Development Goals (Ziele für nachhaltige Entwicklung) können helfen, Reputationsrisiken zu minimieren. Hier sind unter Umständen keine exorbitanten Wertsteigerungen möglich, allerdings erfolgt die Wertentwicklung stabil und stressfreier.

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