Wirecard-Chef Braun tritt zurück

Bankenverband: Nachdem Wirecard am Donnerstag erneut seinen Jahresabschluss verschieben musste und keine testierte Konzernbilanz vorlegen konnte, hat der langjährige Firmenchef Markus Braun mit sofortiger Wirkung sein Amt niedergelegt. Das teilte der Zahlungsdienstleister am Freitag mit.

Zum Interimschef wurde James Freis berufen, der erst am Donnerstag sein Amt als neuer Compliance-Vorstand angetreten hatte. Vorstandsmitglied Jan Marsalek, der jahrelang als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständig gewesen ist, wurde bereits am Vorabend mit sofortiger Wirkung freigestellt.

 


 

Noch in der Nacht zu Freitag hatte Braun, insgesamt mehr als 20 Jahre bei Wirecard in führenden Positionen tätig, versucht, die Wogen bei den Anlegern zu glätten. “Es kann derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass die Wirecard AG in einen Betrugsfall erheblichen Ausmaßes zum Geschädigten geworden ist”, sagte Braun in einem Video.

Im Mittelpunkt des Skandals stehen zwei asiatische Banken und ein Treuhänder, die insgesamt 1,9 Milliarden Euro für Wirecard verwalten sollen. Die für das Unternehmen tätigen Wirtschaftsprüfer bezweifeln jedoch mittlerweile die Existenz des Geldes.

Am Freitag haben die beiden philippinischen Geldhäuser, die BDO Unibank und die Bank of the Philippine Islands (BPI), jegliche Geschäftsbeziehungen mit dem Zahlungsdienstleister bestritten. “Das Dokument, in dem die Existenz eines Wirecard-Kontos bei BDO behauptet wird, ist ein manipuliertes Dokument, das gefälschte Unterschriften von Bankangestellten trägt”, erklärte die BDO. Man habe den Fall bereits an die Zentralbank der Philippinen berichtet, hieß es.

Die Wirecard-Aktie konnte den freien Fall im Zuge der Bekanntgabe des Rücktritts zumindest vorerst stoppen. Nachdem sie am Freitagvormittag auf 20 Euro gefallen war, stabilisierte sie sich zuletzt auf rund 25 Euro.

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