Wirecard verschiebt erneut Jahresabschluss, Aktie stürzt ab

Bankenverband: Der Zahlungsdienstleister Wirecard kann wegen milliardenschwerer Unklarheiten in der Bilanz seinen Jahresabschluss erneut nicht vorlegen. Die beauftragte Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY habe das Unternehmen informiert, dass über die Existenz von Bankguthaben auf Treuhandkonten in Höhe von 1,9 Milliarden Euro keine ausreichenden Prüfungsnachweise vorlägen, teilte der Dax-Konzern heute am Firmensitz in Aschheim mit. Damit geht es um etwa ein Viertel der gesamten Bilanzsumme.

Der Kurs der Wirecard-Aktie brach daraufhin um bis zu zwei Drittel auf 35 Euro ein und lag am Mittag noch mit rund 43 Prozent im Minus. Der Handel wurde zudem zwischenzeitlich ausgesetzt. Wirecard will Strafanzeige gegen unbekannt erstatten, wie ein Konzernsprecher sagte. Das Unternehmen sehe sich als mögliches Opfer eines “gigantischen Betrugs”.

Es gebe Hinweise, dass dem Abschlussprüfer von einem Treuhänder oder aus dem Bereich von Banken, die die Treuhandkonten führen, “unrichtige Saldenbestätigungen zu Täuschungszwecken vorgelegt wurden”, hieß es in der Mitteilung.

Sollte der Konzern einen testierten Abschluss bis Freitag (19. Juni) nicht vorlegen, könnten Kredite der Wirecard AG in Höhe von etwa zwei Milliarden Euro gekündigt werden, warnte das Unternehmen.

 


 

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wird die aktuellen Ereignisse in ihre laufende Untersuchung von Wirecard einbeziehen, teilte die Behörde auf Anfrage mit.

Dem Zahlungsdienstleister droht außerdem ein Sanktionsverfahren der Deutschen Börse.

Wie in solchen Fällen üblich, werde aufgrund der nicht fristgerechten Lieferung des Jahresfinanzberichts die Einleitung eines Sanktionsverfahrens geprüft, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse

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