XTB: Langfristige Erholung in den Krisenländern?

Am Donnerstag der vergangenen Woche reagierten die Märkte noch enttäuscht auf die Äußerungen von Mario Draghi. Auf breiter Front verloren Unternehmen, Öl, Gold und der Euro an Wert. Nachdem man eine Nacht darüber geschlafen hatte wurden die Aussagen anscheinend anders bewertet. Als die erste Enttäuschung verschwunden war sah man, dass die EZB Anleihekäufen mitnichten eine Absage erteilt hatte, sondern lediglich beim Ankündigen dieser Möglichkeit ihr Mandat wahren wollte. Durch die Koppelung der Anleihekäufe mit dem Antrag auf Hilfe durch EFSF oder ESM hat Draghi eine gute Balance zwischen der Beruhigung der Märkte und der Aufrechterhaltung des Reformdrucks auf die Krisenstaaten Südeuropas geschaffen.

 

In den vergangenen Monaten war ein Antrag auf Staatshilfe immer ein Horrorszenario für die Investoren, die dann im Nachgang den Euro und mit der Gemeinschaftswährung verbundene Assets verkauft haben. Draghis Schachzug nimmt diesen Anträgen ein wenig ihren Schrecken, denn nun kann man sich sicher sein, dass im Fall der Fälle die EZB als letzter Kreditgeber der Länder zur Verfügung steht. Das drückt die Risikoaufschläge der Staatsanleihen und hilft entsprechend dem Euro.

 

Durch die verbesserte Grundstimmung an den Börsen kommen auch positive Entwicklungen aus Südeuropa zu Tage, die zuvor von negativen Schlagzeilen überschattet wurden.

 

So kehren zum Beispiel auf dem spanischen Immobilienmarkt die Käufer zurück. Nachdem fast vier Jahre lang die Preise gefallen waren, schlagen internationale Investoren wieder zu. Das könnte den krisengeplagten spanischen Banken helfen aus der Krise zu kommen in die sie sich zum Teil selbst manövriert haben. Sie sitzen auf 180 Mrd. € faulen Immobilienkrediten, welche sie im Zuge des spanischen Baubooms vergeben hatten. Zuletzt mussten die Institute sogar von den Euro-Staaten mit 100 Mrd. € gestützt werden. Mittlerweile sind die Gebäude aber wieder günstig genug bewertet, dass ein Anleger damit wieder einen Profit erwirtschaften kann. Geht es in dieser Branche wieder bergauf und stehen die Banken dann wieder stabiler da, wird es auch die Renditen der spanischen Anleihen verringern, was wiederum den Verkaufsdruck aus dem Euro nehmen würde.

 

Allerdings sollte man diese Meldung nicht überbewerten, denn Spanien steckt nach wie vor in der Rezession und leidet unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Mit den angestoßenen Reformprogrammen befindet man sich aber auf dem richtigen Weg. Ziel muss es sein die Lohnstückkosten zu verringern, denn in einer Gemeinschaftswährung, die man nicht individuell auf- und abwerten kann, entscheidet die Wettbewerbsfähigkeit der Produkte über den Erfolg einer Volkswirtschaft. In dieser Schlüsselkennzahl haben die Krisenländer bereits erste Fortschritte gemacht. So hat zum Beispiel Spanien seine Lohnstückkosten bereits um 3,9% senken können. Dieser beschwerliche Weg, den Deutschland bereits gegangen ist, wird die spanische Wirtschaft noch einige Zeit belasten. Durch die Rückendeckung der EZB wird das Land aber genug Zeit erhalten, um ihn zu Ende gehen zu können.

 

Auch Italien hat die richtigen Schritte eingeleitet. Ein Sparpaket über 26 Mrd. € wurde beschlossen und sowohl Rentensystem, als auch Arbeitsmarkt reformiert. Der Kündigungsschutz wurde gelockert und das Einstellen neuer Arbeitskräfte wurde erleichtert.

 

Selbst aus Griechenland kommen wieder gute Nachrichten. Die Gespräche mit der Troika scheinen gut gelaufen zu sein. Dem Land wurde ein Vorankommen bei den Sparbemühungen attestiert, das jetzt konsequent weiter verfolgt werden muss. In den kommenden Tagen erwartet der Markt einen Entwurf zu weiteren Sparmaßnahmen der griechischen Regierung, um die Forderungen ihrer Kreditgeber zu erfüllen. Ende September wird die Troika das Land ein weiteres Mal besuchen und einen abschließenden Bericht veröffentlichen, von dem die nächste Hilfsmitteltranche abhängt.

 

Zusammen mit der EZB, die zur Unterstützung der Staaten bereit steht, machen diese positiven Signale aus den Krisenländern wieder Mut für die weitere Entwicklung in Europa. Der eingeschlagene Weg ist der richtige und wird mittel- bis langfristig wieder zu steigenden Kursen führen. Bis dahin werden die Märkte aber noch einige Rückschläge verkraften müssen.

 

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten derzeit nicht investiert.

von Nikolas Mauder

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