Europäischer Anleihemarkt trotzt Irankrieg: 2026 mit hohem Emissionsvolumen
Das im 1. Quartal 2026 am Primärmarkt für erstrangig unbesicherte Bankanleihen im EUR-Benchmark-Format emittierte Volumen erreichte immerhin rund 76 Mrd. EUR. Trotz des Ende Februar ausgebrochenen Irankriegs lag es somit nur 8% unter dem Rekordvolumen des gleichen Vorjahreszeitraums und beachtliche 26% über dem Durchschnitt der Auftaktquartale in den letzten zehn Jahren.
Die hohen Überzeichnungsquoten von durchschnittlich nahezu 3x belegen die sehr gute Aufnahmebereitschaft der Transaktionen bei den Investoren. Bis Ende der neunten Kalenderwoche befand sich der Primärmarkt in diesem Segment somit auf Rekordkurs, bevor er dann abrupt zum Stillstand kam.
Die starke Primärmarktaktivität in den ersten Wochen war vor allem durch die hohen Fälligkeiten im Jahr 2026 getrieben. Diese sind u.a. darauf zurückzuführen, dass inzwischen auch die nach der Finanzmarktkrise eingeführte Kategorie der Senior Non-Preferred (SNP) Anleihen voll etabliert ist und sich bei ihr ein ausgewogener Rhythmus zwischen Neuemissionen und Fälligkeiten eingestellt hat.
Darüber hinaus nutzen Banken aus den USA und Großbritannien die für sie günstigen Refinanzierungskonditionen am EUR-Markt weiterhin intensiv. Ihr Anteil am Neuemissionsvolumen belief sich im Auftaktquartal auf hohe 31%. Der Anteil französischer Banken, von denen einige aufgrund ihrer umfangreichen Kapitalmarktaktivitäten traditionell zu den aktivsten Playern gehören, fiel hingegen auf 11%.

Wir senken unsere Schätzung für das Neuemissionsvolumen bei erstrangig unbesicherten Bankanleihen im EUR-Benchmark-Format für das Gesamtjahr 2026 um 20 Mrd. EUR auf 210 Mrd. EUR. Dies entspricht nunmehr einem leichten Rückgang gegenüber dem Rekordvolumen von 220 Mrd. EUR im Jahr 2025. Wir begründen dies mit der eingelegten Pause am Primärmarkt für Senior-Anleihen aufgrund des seit mittlerweile nahezu fünf Wochen andauernden Irankriegs.
In unseren volkswirtschaftlichen Prognosen gehen wir allerdings nicht von einem langanhaltenden Konflikt aus. Für ein erneut starkes Emissionsjahr sprechen unverändert vor allem die umfangreichen Fälligkeiten. Diese nehmen 2026 nochmals leicht zu und verharren 2027 auf hohem Niveau.
Für SNP-Emissionen bleiben die regulatorischen Anforderungen ein wichtiger Faktor. Zwar sind die Mindestquoten erreicht, hohe Fälligkeiten sind inzwischen jedoch auch in diesem Bereich Haupttreiber für die Emissionspläne. Wir erwarten, dass der Anteil der SNP-Emissionen weiterhin deutlich über der Hälfte der Gesamtemissionen liegen wird.
Geopolitische und makroökonomische Unsicherheiten werden wohl auch weiterhin für ein volatiles Kapitalmarktumfeld sorgen. Angesichts der hohen Fälligkeiten sind die Emittenten bereit, offene Kapitalmarktfenster für Transaktionen zu nutzen. Das richtige Timing bleibt eine Herausforderung.
Covered Bonds: Fliegen auf Sicht
„Covered Bonds sind verlässlich“, „Covered Bonds sind stabil“, „Covered Bonds sind schlecht-Wetter-Produkte“ oft bemühte Attribute, die der Covered Bond Markt im ersten Quartal bestätigen musste.
Der Covered Bond Markt startete zunächst mit mit Rückenwind ins neue Jahr. Das signifikant negative Nettoemissionsvolumen im 4. Quartal 2025 sorgte offenbar auf der Investorenseite für gehörigen Investitionsdruck. Wie im 1. Quartal üblich, war der Dealflow im Januar mit 28 Mrd EUR und im Februar mit knapp 24 Mrd. EUR stark. Unüblich dagegen waren die Überzeichnungsquoten im Primärmarkt, die bei einzelnen Transaktionen bis zu 10x betrugen. Ebenso unüblich waren die vielen negativen Vorzeichen vor den Neuemissionsprämien und die dennoch gute aftermarket performance.
Die ersten Gewitterwolken zogen im Rahmen des Weltwirtschaftsforums in Davos mit der Rede von US-Präsident Trump auf. Der finale Wetterumschwung kam dann r am 28. Februar mit dem Beginn des Irankriegs. Für knapp zwei Wochen standen am Covered Bond Primärmarkt die Räder still, bevor die Royal Bank of Canada den Markt wieder eröffnete. Die daraufhin im März platzierten etwas mageren 11,5 Mrd. EUR sollten vor diesem Hintergrund als Beleg für die oben bemühten Attribute verstanden werden.
Tatsächlich materialisierte sich der Wetterumschwung nur in sehr geringem Maß durch weitere Spreads. Letzteres geht in diesen Marktphasen eher selten vom umsatzschwachen Sekundärmarkt aus, sondern wird in der Regel durch repricing Wellen am Primärmarkt angestoßen. Unter Inkaufnahme niedrigerer Überzeichnungsquoten wurden Ausweitungstendenzen aber bis date weitestgehend weggepuffert.
Für den Moment erscheinen die niedrigeren Emissionsvolumina auch fundingseitig kein Problem. Die flexiblen Einsatzmöglichkeiten von Covered Bonds vor allem als retained Transaktionen sind ein weiterer Beleg für die oben genannten Attribute. Wir sehen im verstärkten Einsatz von retained Covered Bonds ein mögliches „Ventil“, um Druck aus dem Primärmarkt abzulassen.
Dieses Vorgehen könnte – zum Preis eines geringeren Maßes an langfristiger Finanzierung – auch dazu beitragen, die Spreads im Primär- und Sekundärmarkt unter Kontrolle zu halten. Von Jahresbeginn bis zum 28. Februar – dem Tag des Beginns der US-Militäroperation – wurden über alle Währungen knapp 14,5 Mrd. EUR an retained Covered Bonds begeben. In den vier Wochen danach waren es gut 36 Mrd. EUR.
Aufgrund der in Intensität und Dauer verstärkten Eventrisiken gehen wir zwar noch von unseren ursprünglich avisierten 162,5 Mrd. EUR aus, würden diese jedoch nicht mehr, wie im November, als eher zurückhaltende Schätzung bezeichnen. Emissionsseitig negativ, spreadmäßig positiv, könnte sich die sich abzeichnende verstärkte Nutzung von retained Covered Bonds auswirken.








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