Aktie im Fokus: ASML mit plus 115 % in einem Jahr – warum die Analysten weiter mehrheitlich zum Kauf raten!
Es war wohl die Vorfreude auf die Zahlen von Nvidia, welche den Kurs von ASML in Richtung des bisherigen Allzeithochs am Donnerstag bei 1. 371,60 Euro trieben und am Freitag sogar noch weiter über die 1.400er Marke!
- Damit ist auch gleichzeitig der wichtigste Widerstand auf der Oberseite genannt, darüber gibt es keine relevanten Marken im Chartbild.
- Auf der Unterseite liegen die wichtigen Unterstützungsmarken bei 1. 243,20, 1. 180, 1. 167,40, 1. 097,80, 1. 077,80 und 1.057,80 Euro.
ASML Aktie Chart
Analyse der broker-test.de Redaktion
Mit einem Plus von 4,74 % auf 1.409,0 Euro hat die ASML-Aktie am Freitag, dem 22. Mai 2026, ein neues Allzeithoch markiert.
Anders als bei vielen anderen Tech-Werten, die zuletzt davongelaufen sind, hat die Wall Street bei ASML aber Schritt gehalten – oder genauer gesagt: ASML ist ihren Kurszielen noch nicht entwischt. Das durchschnittliche 12-Monats-Kursziel der 30 erfassten Analysten liegt bei 1.488,20 Euro, also weiterhin 5,61 % über dem aktuellen Kurs.
Bei 44 ausgewerteten Aktienratings sind 31 ein „Starker Kauf“ und nur 2 ein „Verkauf“ – das aggregierte Rating: klar „Kauf“.
Eine fast schon ungewöhnlich klare Wall-Street-Mehrheit, gerade für eine Aktie auf Allzeithoch.
Kennzahlen im Überblick
Was den Kurssprung am Freitag mitgetragen hat
Einen einzelnen, harten Auslöser für den Sprung am Freitag gab es nicht – eher eine Fortsetzung dessen, was ASML seit Wochen trägt: eine Mischung aus AI-Investitionswelle, DRAM-Aufschwung und schrittweisen Analystenanhebungen. Im Hintergrund wirkt noch immer der starke Q1-2026-Bericht vom 15. April: Mit einem Umsatz von 8,77 Milliarden Euro hat ASML die Konsensschätzung von rund 8,6 Milliarden übertroffen, der Gewinn je Aktie kletterte auf 7,15 Euro. Vor allem aber hat das Management die Umsatzprognose für 2026 von 34 bis 39 auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben.
Der eigentliche Treiber ist aber kein Quartalsbericht, sondern eine strukturelle Story: ASML ist faktisch der einzige Anbieter von EUV-Lithografie-Maschinen – also der Geräte, ohne die kein moderner AI-Chip entsteht. Jeder NVIDIA-Blackwell-GPU, jeder AMD-Instinct-MI400-Beschleuniger, jeder Apple-M-Chip läuft über ASML-Equipment. Ein Low-NA-EUV-System kostet rund 180 Millionen Euro, die neueren High-NA-Maschinen über 380 Millionen. CEO Christophe Fouquet hat das im Earnings Call so eingeordnet: Speicher- und Logik-Kunden würden auf die „unprecedented demand“ – also die beispiellose Nachfrage – mit beschleunigten Kapazitätserweiterungen reagieren.
Konkret heißt das: Allein SK Hynix will laut Berichten Equipment im Wert von rund 8 Milliarden Euro bei ASML bestellen. Samsung soll für seine neue P5-Fab etwa 20 EUV-Systeme ordern. TSMC, das ohnehin schon rund 40 % der EUV-Auslieferungen abnimmt, treibt den Ausbau für die 3-Nanometer- und Sub-2-Nanometer-Produktion weiter voran. Und Intel sowie SK Hynix gehören zu den ersten Kunden, die die nächste Generation – High-NA EUV – tatsächlich produktiv einsetzen wollen. Erste Chips mit dieser Technologie werden für die kommenden Monate erwartet.
Analystenstimmen: ein Chor mit wenigen Dissonanzen
Bei Qualcomm hat man in den vergangenen Wochen erlebt, wie Analysten einer Story hinterherlaufen. Bei ASML ist es eher umgekehrt: Die meisten Häuser sind seit Monaten bullish, und die jüngsten Updates haben den Optimismus eher noch verstärkt.
Dai argumentiert, dass die drei großen DRAM-Hersteller bis 2028 Kapazitäten für rund eine Million Wafer pro Monat aufbauen – und dass jede dieser zusätzlichen Wafer-Linien überproportional ASML zugutekommt. Seine Einschätzung: 2026 und 2027 würden „big years for EUV and for ASML“.
Ähnlich konstruktiv argumentiert Bank of America. BofA hat das Kursziel auf 1.598 Euro angehoben, eine Kaufempfehlung bestätigt und die Gewinnschätzungen für 2026 bis 2028 um 4 bis 6 Prozent hochgesetzt. TD Cowen bleibt ebenfalls bei „Buy“ und stellt vor allem die Rolle ASMLs für die AI-Infrastruktur in den Vordergrund. Berenberg hat das Buy-Rating am 8. Mai bekräftigt, Erste Group hat am gleichen Tag die Gewinnschätzungen für das laufende Geschäftsjahr nach oben revidiert.
Bemerkenswert ist auch eine Bewegung von Anfang März: Das Hongkonger Research-Haus Aletheia Capital, das ASML zuvor mit „Sell“ eingestuft hatte, hat die Aktie nicht nur auf „Buy“ hochgestuft, sondern das Kursziel dabei von 750 auf 1.500 US-Dollar verdoppelt. Solche U-Turns sind selten und gelten als starkes Signal.
Auf der vorsichtigeren Seite stehen Wall Street Zen, das ASML am 3. Mai 2026 von „Buy“ auf „Hold“ zurückgestuft hat, und New Street Research mit einem Neutral-Rating. Begründung in beiden Fällen: Wachstumssorgen jenseits von 2026 und die durchaus stattliche Bewertung.
Kursziele: deutlicher Konsens, aber große Spannweite
Die Mehrheit ist also bullish – wie deutlich, zeigt das aggregierte Rating: Von 44 Analystenhäusern raten 31 zum starken Kauf, 5 zum Kauf, nur 6 halten neutral, 2 raten zum Verkauf, kein einziger zum starken Verkauf.
Die Spannweite bei den Kurszielen ist trotzdem enorm: Das höchste Ziel liegt bei 1.900 Euro (+34,85 % vom aktuellen Kurs), das niedrigste bei 980 Euro (-30,45 %). Der Konsens von 1.488,20 Euro ist eben das: ein Mittelwert zwischen Bullen, die auf die Monopolstellung und den AI-Capex-Zyklus setzen, und Skeptikern, die China-Risiken und Bewertung in den Vordergrund stellen.
| Haus / Analyst | Datum | Kursziel | Rating | Anmerkung |
|---|---|---|---|---|
| Bernstein (David Dai) | 26.03.2026 | 1.971 USD (vorher 1.911) | Outperform | Top Pick Europa |
| Bank of America | 20.04.2026 | 1.598 EUR (vorher 1.583) | Buy | EPS-Schätzungen +4–6 % |
| TD Cowen | Apr 2026 | n. a. | Buy | AI-Lithografie-These |
| Berenberg | 08.05.2026 | n. a. | Buy | Rating bestätigt |
| Erste Group | 05.05.2026 | n. a. | Buy | FY26-Schätzungen erhöht |
| Aletheia Capital | 05.03.2026 | 1.500 USD (vorher 750) | Buy | Upgrade von „Sell“ |
| Wall Street Zen | 03.05.2026 | n. a. | Hold | Downgrade von „Buy“ |
| Konsens (30 Analysten) | 22.05.2026 | 1.488,2 EUR | Kauf | 31× Starker Kauf, 5× Kauf, 6× Halten |
Bewertung: ambitioniert, aber durch das Quasi-Monopol gestützt
Bei den Margen wird aber sichtbar, warum: Die Bruttomarge lag im ersten Quartal 2026 bei 53,0 % – am oberen Ende der eigenen Guidance. Der Auftragsbestand summierte sich zum Jahreswechsel auf 38,8 Milliarden Euro. Die Dividende für 2025 wurde auf 7,50 Euro je Aktie angehoben, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr.
Das längerfristige Bild macht die Bewertung etwas erträglicher: Das Management peilt für 2030 einen Umsatz von 44 bis 60 Milliarden Euro an – also gut ein Drittel mehr als die obere Kante der aktuellen Jahresprognose.
Wer dieser Roadmap traut, sieht die heutigen Multiples weniger als Spekulationsprämie, sondern eher als Vorschuss auf den High-NA-EUV-Ramp.
Chancen und Risiken im Überblick
- Faktisches Monopol bei EUV-Lithografie
- 2026-Guidance auf 36 bis 40 Mrd. EUR angehoben
- Hochlauf der High-NA-EUV-Maschinen ab 2026/27
- DRAM-Capex-Welle stützt Auftragsbuch bis 2028
- Backlog von 35 Mrd. EUR sichert Visibilität
- US-Gesetz (MATCH Act) könnte China-Service-Geschäft kappen
- China-Anteil ~20 % weiter unter Druck
- Hohe Kundenkonzentration (TSMC, Samsung, Intel)
- KGV ~47× lässt wenig Spielraum für Enttäuschungen
- Wachstumssorgen jenseits 2026 (Hold-Kommentare)
Fazit: Eine teure Aktie – mit weiterhin starkem Rückenwind
Wer in den letzten Jahren auf die These „kein moderner AI-Chip ohne ASML“ gesetzt hat, ist eben gut gefahren.
Die Frage für Anleger ist deswegen weniger, ob die Geschichte stimmt – sondern, was davon noch nicht eingepreist ist. Die Wall Street ist sich hier auffallend einig: 31 von 44 Analysten raten zum starken Kauf, der Konsens sieht noch 5,6 % Luft nach oben. Das spricht dafür, dass das Allzeithoch eben nicht das Ende der Fahnenstange sein muss.
Gleichzeitig sind die Risiken konkret: Das geplante US-Gesetz zur Beschränkung von DUV-Service-Leistungen in China könnte einen profitablen Umsatzstrom kappen, und ein KGV jenseits der 45 verzeiht wenig Enttäuschungen.
Für mittel- bis langfristig orientierte Anleger, die an die strukturelle AI-Capex-Welle glauben, bleibt ASML wohl eines der überzeugendsten Investments im Halbleiter-Universum.
Wer auf eine attraktivere Einstiegsbewertung warten will, sollte mit ausgeprägter Geduld kommen – die Aktie hat in den vergangenen drei Jahren wenige längere Schwächephasen geboten. Ein gestaffelter Aufbau einer Position könnte daher der pragmatischere Weg sein als das Warten auf den perfekten Rücksetzer.
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