Zweitgrößter Short Squeeze der Geschichte treibt Bitcoin in Richtung 70.000-USD-Widerstand
Vor einem Jahr erlebten Bitcoin-Anleger eine der größten Rallys in der Geschichte des Kryptomarktes.Getragen von der doppelten Dynamik des Post-Halving-Momentums und massiven institutionellen ETF-Zuflüssen kletterte der Kurs im Oktober 2025 auf ein Allzeithoch von 126.073 $. Danach folgte jedoch ein langer, kalter Krypto-Winter, der bis Juni 2026 anhielt und bei dem der Bitcoin mehr als die Hälfte seines Wertes einbüßte.
Nachdem der Kurs sechs Wochen lang zäh zwischen 62.000 $ und 66.000 $ pendelte, schoss der Bitcoin am 19. August explosionsartig nach oben. Kurzzeitig berührte der Kurs die Marke von 69.900 $, bevor er sich knapp über 69.000 $ einpendelte.
Dies ist der höchste Stand seit Anfang Juni und der erste ernsthafte Versuch seit zwei Monaten, die psychologisch wichtige Marke von 70.000 $ zu knacken.
Auslöser für diesen Befreiungsschlag war das Zusammenspiel mehrerer starker Katalysatoren: Erstens kündigte das US-Finanzministerium an, sein Rückkaufprogramm für länger laufende Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln. Zweitens stellte die US-Börsenaufsicht SEC ihren ersten großen Regulierungsvorschlag für Kryptowährungen vor. Und drittens empfing US-Präsident Trump mehrere führende Krypto-Manager im Weißen Haus und forderte den Kongress öffentlich auf, den „Clarity Act“ endlich zu verabschieden.
Die bisherige Entwicklung des Bitcoins im Jahr 2026 war geprägt von einem zähen Ringen zwischen einem makroökonomischen Umfeld, das zinslose Risikowerte stark abstraft und einer soliden strukturellen Nachfrage, die einen vollständigen Absturz immer wieder verhinderte. In dieser Woche drehte sich der regulatorische und politische Wind jedoch schlagartig – der Markt reagierte mit der zweitgrößten Zwangsliquidation von Short-Positionen (Short Squeeze) in der Geschichte der Kryptowährungen.
Um zu verstehen, was genau passiert ist und ob es sich hierbei um eine echte Trendwende handelt, lohnt sich ein Blick auf die jüngsten Kurstreiber sowie die Entwicklung im Altcoin-Sektor.
MicroStrategy, ETF-Abflüsse und die plötzliche Wiederbelebung des Clarity Act
Um das Ausmaß der Kursbewegung vom 19. August zu ermessen, muss man sich vor Augen führen, wie fest die Bären den Markt zuvor im Griff hatten. In den vergangenen sechs Wochen steckte der Bitcoin in einer engen Spanne zwischen der Unterstützung bei 62.000 $ und dem scheinbar unüberwindbaren Widerstand bei 66.000 $ fest. Das technische Bild wurde zudem von einer Reihe schwerer struktureller Belastungsfaktoren getrübt. So schloss der Softwarekonzern MicroStrategy Anfang August seinen vierten Bitcoin-Verkauf im Jahr 2026 ab und stieß 1.690 BTC im Wert von 108,6 Millionen Dollar ab, um Dividendenzahlungen für Vorzugsaktien zu finanzieren.
Ein herber Dämpfer ausgerechnet vom bekanntesten institutionellen Fürsprecher des Bitcoins. Zudem verzeichneten US-Spot-Bitcoin-ETFs in der Woche bis zum 14. August Nettoabflüsse in Höhe von 389,7 Millionen Dollar, den stärksten wöchentlichen Rückzug seit sechs Wochen. Allein aus dem IBIT von BlackRock flossen an einem einzigen Handelstag 55,5 Millionen Dollar ab.
Auch auf regulatorischer Ebene sah es düster aus: Alex Thorn, Forschungsleiter bei Galaxy Research, hatte noch am 14. August die Wahrscheinlichkeit, dass der Clarity Act noch im Jahr 2026 verabschiedet wird, auf gerade einmal 10 % beziffert. Umso dramatischer wirkte daher Trumps Auftritt im Weißen Haus am 19. August. Flankiert von den Chefs der Branchengrößen Coinbase, Gemini, Ripple und Chainlink Labs forderte der Präsident öffentlich eine „faire Version“ des Gesetzesentwurfs und drängte den Kongress, diesen noch vor dem Ende des Zeitfensters im September, also vor den Wahlen im November, auf den Weg zu bringen.
Der ebenfalls anwesende SEC-Vorsitzende Paul Atkins verknüpfte den neuen Krypto-Entwurf der Behörde direkt mit der Notwendigkeit gesetzlicher Planungssicherheit und erklärte vor den geladenen Gästen:
„Unser Vorschlag wird Krypto-Unternehmern die nötige Sicherheit geben, um in den Vereinigten Staaten Kapital mithilfe digitaler Vermögenswerte aufzunehmen.“
Für einen Markt, der eine positive regulatorische Wende in diesem Jahr mit einer Wahrscheinlichkeit von fast Null eingepreist hatte, wirkte dieses Treffen wie ein Retter in der Not. Die anschließende Liquidation von Short-Positionen im Wert von 1,4 Milliarden Dollar tat ihr Übriges.
Ein Short Squeeze auf breiter Front
Geoffrey Kendrick, Leiter der Digital-Assets-Forschung bei Standard Chartered, bezeichnete die Ankündigung des US-Finanzministeriums zu den Anleiherückkäufen als „genau das, was der Bitcoin braucht“ und fügte hinzu, dass Anleger nun mit einem Anstieg auf 100.000 $ bis Ende 2026 rechnen sollten. In der vergangenen Woche schoss Ether an einem einzigen Handelstag um 18 % auf 2.253 $ nach oben und erreichte damit den höchsten Stand seit Mai, während XRP um 10,8 % und Solana um 10,7 % zulegten.
Die Breite dieser Aufwärtsbewegung ist bemerkenswert. Es handelte sich hierbei nicht um einen reinen Bitcoin-Squeeze, sondern um eine grundlegende Neubewertung der Krypto-Risikoprämie im Allgemeinen. Dies deutet darauf hin, dass sich in dieser Woche nicht nur die Preise für digitale Assets verändert haben, sondern auch die institutionelle Wahrnehmung des regulatorischen Umfelds an sich. Abseits dieser spektakulären Ausbrüche vollzieht sich im Hintergrund bereits seit Wochen ein stiller Umschichtungsprozess. Selbst in den schwierigsten Phasen des Bitcoins im Frühsommer stemmten sich Solana-ETFs erfolgreich gegen den allgemeinen Abflusstrend.
Allein in der Woche bis zum 14. August verzeichneten sie Zuflüsse in Höhe von 10,26 Millionen Dollar – die stärkste Performance seit Mai. Grund dafür ist das bevorstehende Alpenglow-Upgrade, das die Transaktionsdauer bei Solana von 12,8 Sekunden auf nur noch 150 Millisekunden drastisch senken soll. Solche Umschichtungen, bei denen das Kapital trotz der BTC-Schwäche im Krypto-Ökosystem verblieb, waren stets ein starkes Signal für das grundlegende Vertrauen in diese mittlerweile etablierte Anlageklasse.
Die jüngste Kursexplosion hat dies nun eindrucksvoll bestätigt. Die verbleibende Frage ist, ob der Kongress tatsächlich die von Trump geforderte gesetzliche Klarheit liefert und ob der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed im September die Zinsen stabil hält, um diese Rallye am Laufen zu halten oder doch die Zinserhöhung verkündet, für die die Wahrscheinlichkeit vor 48 Stunden noch bei 61 % lag.
Für den Moment haben die Bullen nach sechs Wochen in der Lethargie endlich den lang ersehnten Impuls erhalten.
Bitcoin Chart
Solana Chart
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