DAX verliert 2 Prozent – EZB-Zinsentscheid, US-Erzeugerpreise und Oracle dominieren die kommende Woche

Der DAX hat die abgelaufene Handelswoche mit einem Minus von rund 2,0 Prozent abgeschlossen und dabei einen Teil der Vorwochengewinne wieder abgegeben. Zum Freitagsschluss notierte der Leitindex bei 26.046 Punkten – die Marke von 26.000 Punkten blieb jedoch verteidigt.

Den Ton gab bereits der Wochenauftakt am Montag vor: Die erneute Zuspitzung der Lage im Nahen Osten ließ die Öl- und Gaspreise kräftig steigen und schürte Inflationssorgen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erreichte den höchsten Stand seit mehr als 15 Jahren. In dieser Gemengelage fiel der DAX um 1,17 Prozent auf 26.258 Punkte – zinssensible Werte wie Immobilienaktien gerieten besonders unter Druck.

Im weiteren Wochenverlauf dominierten die VW-Nachrichten das Geschehen. Der Aufsichtsrat billigte einen drastischen Sparplan mit dem Abbau von weiteren 50.000 Stellen sowie möglichen Werksschließungen. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von knapp sieben Prozent – auch andere Autowerte profitierten von den Abstrahlungseffekten.

Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor dieser Vorschau lag noch vor dem Wochenende: Der offizielle US-Arbeitsmarktbericht für August wurde heute veröffentlicht und fiel wesentlich besser als erwartet aus. So wurden 162000 neue Stellen in den USA geschaffen und diese Zahl lag weit über den erhofften 55000. Auch die Daten für Juli wurden nach oben revidiert, so dass es im Juli keine Jobverluste gab, sondern ein Kleiner Zuwachs. Das Ergebnis sorgte bereits für einen festen USD und fallenden Gold-Notierungen.

 

DAX Chart

 

Die US-Inflationsdaten erhalten anschließend besonderes Gewicht. Im Juli stieg der Verbraucherpreisindex lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat, lag aber noch 3,4 Prozent über dem Vorjahr. Die Kernrate betrug 2,5 Prozent. Gleichzeitig lag der Erzeugerpreisindex im Juli trotz stagnierender Monatspreise noch 4,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit ist der Inflationsdruck keineswegs verschwunden. Ein deutlicher Wiederanstieg von PPI oder CPI könnte die Renditen erneut nach oben treiben und insbesondere hoch bewertete Wachstums- und Technologieaktien belasten.

 

Verkürzte US-Woche wird zu einer der wichtigsten Septemberwochen

Die kommende Handelswoche dürfte trotz des verkürzten US-Handels zu einer der geldpolitisch wichtigsten Septemberwochen werden. Am Montag bleiben die US-Aktienbörsen wegen des Labor Day geschlossen, sodass der Wochenauftakt vor allem durch Europa und Asien geprägt wird. Ab Dienstag verschiebt sich der Fokus schnell auf Inflation und Notenbanken: Am Donnerstag trifft die EZB-Zinsentscheidung nahezu zeitgleich auf die amerikanischen Erzeugerpreise, am Freitag folgt mit den US-Verbraucherpreisen für August der wahrscheinlich wichtigste globale Makrodatensatz der Woche.

EZB-Sitzung wird zum zentralen Termin der europäischen Handelswoche

In Europa steht die Woche klar im Zeichen der EZB-Sitzung am Donnerstag. Der Rat tagt am 9. und 10. September in Berlin; die geldpolitischen Entscheidungen werden nach dem regulären EZB-Zeitplan um 14:15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz beginnt um 14:45 Uhr. Der Einlagensatz liegt derzeit bei 2,25 Prozent, nachdem die EZB ihn im Juni angehoben und im Juli unverändert gelassen hatte.

Die Ausgangslage ist für die EZB komplizierter geworden. Die vorläufige Eurozonen-Inflation stieg im August von 2,9 auf 3,3 Prozent, wobei die Energiepreise um 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten. Ohne Energie lag die Inflation hingegen lediglich bei 2,2 Prozent. Deutschland meldete gleichzeitig eine vorläufige Inflationsrate von 2,9 Prozent und einen Energiepreisanstieg von 10,5 Prozent. Damit muss der EZB-Rat beurteilen, wie viel des erneuten Inflationsschubs energiebedingt und temporär ist und in welchem Umfang Zweitrundeneffekte drohen.

Zusätzliche Bedeutung erhält die Sitzung durch die neuen EZB-Makroprojektionen, die am 10. September veröffentlicht werden. Im jüngsten Survey of Professional Forecasters wurde für 2026 eine Inflation von 2,7 Prozent bei einem realen BIP-Wachstum von lediglich 0,6 Prozent erwartet. Damit steht die Notenbank weiterhin zwischen überhöhtem Preisdruck und einer nur schwachen Wachstumsdynamik.

Die jüngsten deutschen Daten liefern ebenfalls ein gemischtes Bild. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe stiegen im Juli zwar um 2,5 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 13,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Ohne Großaufträge gingen die Bestellungen jedoch um 1,4 Prozent zurück. Die Schlagzeile wirkt damit deutlich stärker als die zugrunde liegende industrielle Nachfrage.

 

Japanische BIP-Zahlen und chinesische Preisdaten prägen Asien-Woche

Aus Asien kommen zwei relevante Impulse. Japan veröffentlicht am Dienstag um 01:50 Uhr MESZ die zweite Schätzung des BIP für das zweite Quartal. Revisionen bei Unternehmensinvestitionen oder privatem Konsum könnten unmittelbar auf Yen und Erwartungen an die Bank of Japan wirken.

Am Mittwoch folgt China. Das National Bureau of Statistics veröffentlicht um 03:30 Uhr MESZ die Verbraucher- und Erzeugerpreise für August. Vor allem die Kombination aus CPI und PPI bleibt für die Beurteilung der chinesischen Binnenkonjunktur wichtig: Schwache Konsumentenpreise zusammen mit fallenden Produzentenpreisen würden erneut auf Deflations- und Nachfragerisiken hindeuten und könnten europäische Rohstoff-, Luxusgüter- und Industrieaktien beeinflussen. Der chinesische Veröffentlichungskalender bestätigt beide Daten für den 9. September um 09:30 Uhr Pekinger Zeit.

 

Quartalszahlen von Oracle rücken als Gradmesser für AI-Infrastruktur in den Fokus

Auf Unternehmensseite fällt die Berichtssaison deutlich ruhiger aus als im August. Dennoch gibt es einige Termine mit hoher sektoraler Signalwirkung. Inditex veröffentlicht am Mittwoch seine Halbjahreszahlen. Der Zara-Mutterkonzern ist aufgrund seiner globalen Präsenz ein wichtiger Gradmesser für europäischen Konsum, Preissetzungsmacht, Währungseffekte und die Entwicklung der Bruttomarge. Die Gesellschaft bestätigt den 9. September als Halbjahrestermin.

Der wichtigste US-Unternehmenstermin folgt am Donnerstag mit Oracle. Die Zahlen für das erste Geschäftsquartal 2027 werden nach US-Börsenschluss veröffentlicht; die Analystenkonferenz beginnt um 23:00 Uhr MESZ. Oracle ist inzwischen zu einem der wichtigsten Indikatoren für den Ausbau der globalen AI-Infrastruktur geworden. Ende des vergangenen Geschäftsjahres lagen die Remaining Performance Obligations bei außergewöhnlichen 638 Milliarden US-Dollar, während die hohen Investitionen in Cloud-Infrastruktur zu einem negativen Free Cashflow von 23,7 Milliarden US-Dollar im Gesamtjahr führten. Der Markt dürfte daher nicht nur auf das Cloud-Wachstum, sondern vor allem auf die Umwandlung des enormen Auftragsbestands in Umsatz, die Investitionsintensität und den Finanzierungsbedarf achten.

Am selben Tag meldet Adobe die Ergebnisse für das dritte Geschäftsquartal. Der Termin erhält durch die am Donnerstag dieser Woche angekündigte Führungsnachfolge zusätzliche Brisanz: Anil Chakravarthy soll zum 1. Dezember President und CEO werden, während Shantanu Narayen in die Rolle des Executive Chairman wechselt. Neben Creative Cloud, Digital Experience und der Monetarisierung generativer KI dürfte der Markt deshalb auch auf mögliche strategische Veränderungen unter der neuen Führung achten. Adobe bestätigt den Earnings Call für den 10. September; eine genaue Uhrzeit ist auf der aktuellen Unternehmensmeldung noch nicht separat ausgewiesen.

Den Abschluss bildet am Freitag Kroger. Die Analystenkonferenz beginnt um 14:00 Uhr MESZ und fällt damit nur 30 Minuten vor die US-Verbraucherpreise. Die Zahlen des Lebensmittelhändlers liefern einen interessanten Blick auf US-Konsum, Lebensmittelpreisinflation, Margen und die Entwicklung des preisbewussteren Verbrauchers.

 

Wichtige Unternehmens- und Quartalstermine

Datum

Uhrzeit MESZ

Region

Unternehmen

Termin und Marktfokus

Mi., 09.09.

Uhrzeit noch nicht separat bestätigt

Europa

Inditex

Halbjahreszahlen. Fokus auf Umsatzdynamik, Same-Store-Sales, Bruttomarge, Währungseffekte und Konsumtrend in Europa, USA und Asien.

Do., 10.09.

23:00 Call

USA

Oracle

Q1 FY2027 nach Börsenschluss. Wichtig für AI-Cloud-Infrastruktur, OCI-Wachstum, RPO-Konvertierung, Capex und Finanzierung.

Do., 10.09.

Uhrzeit offiziell noch nicht separat ausgewiesen

USA

Adobe

Q3 FY2026. Fokus auf Creative Cloud, Firefly/AI-Monetarisierung, Digital Experience, Margen und die angekündigte CEO-Nachfolge.

Fr., 11.09.

14:00 Call

USA

Kroger

Q2 2026. Gradmesser für Lebensmittelkonsum, Preisentwicklung, Margen, E-Commerce und Verhalten des US-Konsumenten.

Wichtige makroökonomische Termine

Datum

Uhrzeit MESZ

Region

Ereignis und Marktbedeutung

Mo., 07.09.

ganztägig

USA

Labor Day – NYSE und andere US-Kassamärkte geschlossen. Entsprechend geringere globale Liquidität zum Wochenauftakt.

Di., 08.09.

01:50

Japan

BIP Q2, zweite Schätzung. Relevant für Yen, japanische Anleiherenditen und Erwartungen an die Bank of Japan.

Mi., 09.09.

03:30

China

CPI und PPI August. Wichtiger Indikator für chinesische Binnenkonjunktur, Deflationsrisiken und Preissetzungsmacht der Industrie.

Mi., 09.09.

16:00

USA

Employer Costs for Employee Compensation, Juni. Ergänzender Blick auf Arbeitskosten und Lohndruck.

Do., 10.09.

Termin bestätigt, genaue Uhrzeit noch nicht separat ausgewiesen

Deutschland

Finale Verbraucherpreise August. Vorläufig: +2,9 % y/y; Kerninflation +2,4 %, Energie +10,5 %.

Do., 10.09.

14:15

Eurozone

EZB-Zinsentscheidung und neue Makroprojektionen. Aktueller Einlagensatz: 2,25 %. Wichtigster europäischer Termin der Woche.

Do., 10.09.

14:30

USA

Erzeugerpreise August. Juli: unverändert m/m, +4,7 % y/y. Wichtig für vorgelagerten Inflationsdruck und Fed-Erwartungen.

Do., 10.09.

14:45

Eurozone

EZB-Pressekonferenz. Aussagen zu Energieinflation, Zweitrundeneffekten, Wachstum und dem weiteren Zinskurs dürften Euro und Anleihemärkte bewegen.

Fr., 11.09.

08:00

Großbritannien

Monatliches BIP Juli, zusammen mit wichtigen Aktivitätsindikatoren. Im Juni war das BIP um 0,3 % m/m gewachsen.

Fr., 11.09.

14:30

USA

Verbraucherpreise August und Reallöhne. Wichtigster globaler Makrodatensatz der Woche. Juli-CPI: +3,4 % y/y, Kernrate +2,5 %.

Fr., 11.09.

16:00

USA

University of Michigan Consumer Sentiment, September vorläufig. August-Endstand 51,7 nach 55,2 im Juli; zusätzlich im Fokus: Inflationserwartungen.

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