Der Handelskrieg geht weiter

Nordea: US-Präsident Donald Trump kündigte jüngst an, zehnprozentige Zuschläge auf Waren aus China in einem Wert von 200 Milliarden US-Dollar zu erheben. Der makroökonomische Hintergrund dieser Entscheidung: „Das Handelsdefizit der USA gegenüber China, das im Juli einen neuen Höchststand erreichte, liefert Trump Gründe dafür, seinen handelspolitischen Kurs fortzusetzen“, sagt Witold Bahrke, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.

Rund die Hälfte aller chinesischen Waren, die in die USA geliefert werden, sind nun mit Strafzöllen belegt. Sollte sich Peking für Vergeltungsmaßnahmen entscheiden, droht der US-Präsident alle Importe aus China zu besteuern.

Zugleich seien die gute Stimmung der US-Industrie und die US-Aktienrally eindrucksvolle Belege dafür, wie immun die Wirtschaft und die Märkte in den USA gegenüber dem Handelskonflikt sind. „Solange Trumps Popularität unter den republikanischen Wählern stark bleibt, erwarten wir, dass der Handelskonflikt weiter schwelen wird“, so Bahrke.

Obwohl die USA bislang weitgehend resistent gegen die vergifteten Handelsbeziehungen sind, bleibt der Handel 2018 die große Unbekannte für die Märkte. Einerseits deutet die lediglich gedämpfte Marktreaktion auf die Ankündigung, Waren aus China in Höhe von 200 Milliarden Dollar zusätzlich zu verzollen, darauf hin, dass die Märkte dies bereits eingepreist hatten.

Andererseits ist es wahrscheinlich, dass in den kommenden Monaten weitere Zollerhöhungen folgen. „Der Handelskrieg wird daher die Risikobereitschaft der Investoren weiter einschränken. Sie bevorzugen US-Aktien gegenüber Regionen, deren Märkte sensibler auf den Streit reagieren“, erläutert der Nordea-Experte.

Der US-Dollar dürfte weiter steigen, da Kapital aus diesen Regionen mit hohem Beta in die USA fließt. Seiner Einschätzung nach steigt zudem die Nachfrage nach defensiven Anlageklassen wie Investmentgrade-Anleihen. Da ein Handelskrieg kurzfristig inflationär, aber mittel- bis langfristig deflationär sei, erwartet Bahrke eine weitere Abflachung der US-Zinskurve. Dies sollte die US-Notenbank und die Märkte in Alarmbereitschaft versetzen, da sich die Wahrscheinlichkeit einer inversen Zinskurve erhöht.

 

 

Abgesehen von den Handelsnachrichten wurde der Risikoappetit zuletzt durch die gute Anlegerstimmung angeheizt. Der ISM-Index, der die Industrieproduktion in den USA misst, erreichte im August sein 14-Jahres-Hoch. Das US-Verbrauchervertrauen ist aktuell das zweithöchste seit 2004.

„In den Schwellenländern sieht die Lage jedoch nicht so rosig aus“, sagt Witold Bahrke. „Unser Lieblingsindikator, das chinesische Geldwachstum, deutet auf eine weitere Wachstumsverlangsamung hin, die sich nach außen auswirkt, insbesondere auf Europa.“

Aus makroökonomischer Sicht seien noch zwei Dinge bemerkenswert: Erstens kann sich laut Bahrke die gute Stimmung in den USA vorübergehend auf die Emerging Markets positiv auswirken, da sie den geldpolitischen Straffungsdruck in den USA abschwächt. Andererseits seien die schwachen US-Inflationsdaten kein Allheilmittel für angeschlagene Schwellenländerwerte.

Darüber hinaus deuteten die Konjunkturindikatoren nach wie vor auf die Stärke der Vereinigten Staaten, ein schwaches China und auf ein Europa, das sich jenseits von Gut und Böse befindet.

„Anleger, die keine kurzfristigen Wetten eingehen möchten, sollten Industrieländer weiterhin übergewichten. Zudem können sie Abwärtsrisiken verringern, indem sie auf liquide Alternativen zurückgreifen, die eine geringe Korrelation zum Gesamtmarkt haben. Dies ist angesichts steigender Makrorisiken angebracht“, so der Experte.

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