Anleihen: Durchaus ansehnliche Rendite

Börse Frankfurt: Nach der EZB vergangene Woche legten diese Woche die US-Notenbank und die Bank of England nach, beide setzten die Leitzinsen weiter hoch.

„Von Seiten der US-Notenbank, der Bank of England oder EZB gibt es bislang keine Signale auf ein baldiges Ende des Straffungskurses“, stellt Ralf Umlauf von der Helaba fest.

Die Renditen stiegen wieder. „Manche hatten damit gerechnet, dass die US-Notenbank den Zinserhöhungszyklus doch schneller beendet“, kommentiert Arthur Brunner von der ICF Bank.

Zehnjährige US-Anleihen rentieren am Freitagmittag mit 4,15 Prozent.

Die zehnjährige Bundesanleihe wirft nach einem kurzen Ausflug unter 2 Prozent aktuell wieder 2,25 Prozent ab.

 

„Renditen durchaus ansehnlich“

Die US-Notenbank hatte am Mittwoch die Leitzinsen – wie erwartet – um 75 Basispunkte angehoben auf eine Spanne von 3,75 bis 4 Prozent. Sie deutete zwar ein langsameres Tempo an, machte aber auch klar, dass eine Zinserhöhungspause kein Thema sei. Der Zinsgipfel in diesem Zyklus könne höher liegen als zuletzt erwartet.

Die Bank von England hob ihren Leitzins am Donnerstag ebenfalls um 75 Basispunkte an, auf nun 3 Prozent. „Das war der größte Schritt seit 1989“, bemerkt Brunner.

Auch die Signale der EZB sind eindeutig: Laut EZB-Chefin Christine Lagarde ist die Teuerung in der Eurozone, die im Oktober 10,7 Prozent erreicht hat, viel zu hoch.

Die EZB werde alle ihre Instrumente nutzen, um die Inflation wieder auf den Zielwert von 2 Prozent zu bringen, erklärte Largarde am Donnerstagabend in einem Interview mit dem lettischen Fernsehen.

Die wieder höheren Renditen lassen Anleger*innen nun zugreifen, wie Brunner beobachtet. „Die Renditen sind ja durchaus wieder ansehnlich, da wird Liquidität in Bundesanleihen umgeschichtet.“

Weiter gute Nachfrage sieht Brunner außerdem für eine auf US-Dollar lautende Staatsanleihe Ungarns, die bis 2041 läuft und 7,625 Prozent im Jahr bietet (US445545AF36).

 

 

„Sichere“ Bundesanleihen?

Der starke Zinsanstieg hat für kräftige Verluste am Anleihenmarkt gesorgt, auch bei vermeintlich sicheren Papieren.

Der Bloomberg-Index für deutsche Bundesanleihen kommt auf Sicht von einem Jahr nun auf ein Minus von 28 Prozent, wie Bloomberg meldet.

Der DAX sei hingegen im selben Zeitraum nur um 18 Prozent gefallen.

 

Bis 4 Prozent Rendite

Auch viele Unternehmensanleihen erfreuen sich hoher Beliebtheit. Gut an kommt laut Brunner nach wie vor die im Oktober 2023 fällige Anleihe von Grenke mit Kupon von 1,5 Prozent (XS1910851242).

Ebenso gefragt seien Bonds von VW mit Kupon von 1,375 Prozent und Fälligkeit im Oktober 2023 (XS1893631330) sowie mit 3,375 Prozent und Fälligkeit 2028 (XS2152061904). Alle werfen zum aktuellen Kurs Renditen zwischen 2,5 bis 4 Prozent ab.

Auch beliebt ist Brunner zufolge die noch relative neue Anleihe von Semper idem Underberg mit 5,5 Prozent bis 2028 (DE000A30VMF2K).

 

„Angebot an kleiner Stückelung sinkt“

Gut nachgefragt ist laut Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank eine Anleihe von HeidelbergCement (XS1589806907), die bis 2026 läuft und einen Kupon von 1,625 Prozent hat. Aktuell liegt die Rendite bei 3,63 Prozent.

„Generell überwiegt bei Unternehmensanleihen mittlerweile wieder die Nachfrage, gerade bei kürzeren Laufzeiten von zwei bis drei Jahren und Stückelung von 1.000 Euro“, berichtet der Händler.

Allerdings schrumpfe das Angebot von Anleihen mit kleinen Stückelungen. „Alte Anleihen laufen aus, neue werden meist mit 100.000 Euro-Stückelung begeben.“

Auch die im derzeitigen Umfeld aus Anlegersicht attraktiven Floater würden kaum begeben. „In Erwartung steigender Zinsen sichern sich Unternehmen lieber noch feste niedrige Kupons.“

Daniel meldet außerdem größere Umsätze auf der Kaufseite für eine auf US-Dollar lautende Anleihe der argentinischen Provinz Neuquen mit Kupon von 6,625 Prozent und Fälligkeit 2030 (USP7169GAA78).

„Da könnte die Währung der Grund sein“, mutmaßt der Spezialist vom Frankfurter Parkett.

 

 

Immobilienbranche lässt Federn

Weitere Verluste verzeichnen hingegen viele Immobilienanleihen. „Die Branche ist stark unter Druck wegen des Zinsanstiegs, am gestrigen Donnerstag senkte zum Beispiel DIC Asset seine Ergebnisprognose für das laufende Jahr“, berichtet Rainer Petz von Oddo BHF.

Die bis 2026 laufende DIC-Anleihe (XS2388910270) wird aktuell nur noch um 52 Prozent gehandelt, Anfang des Jahres waren es noch 94 Prozent.

Betroffen sind auch Anleihen von ERWE Immobilien (DE000A255D05) sowie – schon länger – Accentro Real Estate (DE000A254YS5) und Adler Group (LU1250154413).

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