Anleihen: „Grad der Unsicherheit über Zinssenkungen gestiegen“

Börse FrankfurtSchnelle und deutliche Zinssenkungen werden immer unwahrscheinlich, vor allem in den USA.

Daher kam der Staatsanleihemarkt diese Woche wieder unter Druck, die Renditen stiegen.

„Grund war die Gemengelage aus über den Erwartungen liegenden Verbraucherpreisdaten aus Großbritannien, steigenden Einkaufsmanagerindizes im Euroraum, einer gestiegenen Lohnkostenindikation der EZB für das erste Quartal und nicht zuletzt hohem Angebot an Neuemissionen“, erklärt Analyst Hauke Siemßen von der Commerzbank.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg in der Spitze bis auf 2,63 Prozent, am Freitagmorgen sind es 2,59 Prozent – nach 2,48 Prozent vergangenen Freitag.

Am kurzen Ende erreichten die Renditen sogar neue Jahreshochs.

 

„Notenbanken wollen in keinem Fall zu früh senken“

An den Geldterminmärkten wird eine erste Zinssenkung der EZB weiterhin für den 6. Juni eingepreist, wie die Deutsche Bank berichtet.

Die Zinswende der Fed werde nun allerdings nur noch mit 59 Prozent Wahrscheinlichkeit für den 18. September erwartet.

„Der Grad der Unsicherheit über den weiteren Kurs der US-Geldpolitik ist etwas gestiegen“, erklärt Tim Oechsner von der Steubing AG.

„War man sich im Markt gemeinhin sicher, dass dieses Jahr mit ein bis zwei Zinssenkungen zu rechnen ist, so werden andere Optionen wieder präsenter.“

Auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank sieht noch keine schnellen Zinssenkungen kommen.

„Da die Notenbanken das Aufziehen der hohen Inflation nicht gesehen und zu spät reagiert haben, wollen sie nun in keinem Fall zu früh senken.“

Die Notenbanken hätten ihren Ruf als Währungshüter zu verteidigen.

Auf den Verkaufslisten steht eine 2026 fällige spanische Staatsanleihe, die derzeit mit 3,25 Prozent rentiert (ES00000128H5), wie Daniel berichtet.

 

Gute Nachfrage nach Nestlé, Lufthansa und Abo Wind

Im Handel mit Unternehmensanleihen sieht Daniel weiterhin Käufe für die bis 2026 laufende Nestlé-Anleihe (XS2350621863), die aktuell 3,23 Prozent abwirft.

Etwas mehr Käufe, aber auch viele Verkäufe meldet er für den im November 2025 fälligen Bond des Duft- und Geschmacksstoffherstellers Symrise (DE000SYM7720) mit aktueller Rendite von 4,04 Prozent.

Weiter viel gekauft wird ICF-Händler Brunner zufolge die noch recht neue Lufthansa-Anleihe (XS2815984732) und der Anfang des Monats emittierte Bond von Abo Wind (DE000A3829F5), der mittlerweile bei 105 Prozent notiert.

Ochsner von der Steubing AG meldet eine gute Nachfrage nach den „üblichen Dauerbrennern“, aber auch Papieren mit kurzer Restlaufzeit von Knorr-Bremse (XS1837288494) und Evonik (DE000A185QA5) mit Renditen von 3,47 und 2,07 Prozent.

Ebenfalls beliebt: US-Dollar-Bonds von Apple (US037833CR93) und American Express (US025816DU02).

 

Weiter viele Neuemissionen, etwa von BP

Die rege Emissionstätigkeit setzte sich diese Woche fort.

„Die Unternehmen gehen offenbar nicht von schnell sinkenden Zinsen aus“, bemerkt Brunner.

Zur Finanzierung der Übernahme von Vodafone Italia emittierte etwa Swisscom mehrere Eurobond-Tranchen, wie Brunner berichtet.

Neues kam ebenso vom Baukonzern Hochtief und Leasing-Spezialist Grenke – alle allerdings mit Stückelung von 100.000 Euro.

Neu am Markt sind laut Oechsner auch US-Dollar-Bonds des Ölkonzerns BP mit 5,017 Prozent bis 2027 (US10373QBY52), 4,97 Prozent bis 2029 (US10373QBZ28) und 5,227 Prozent bis 2034 (US10373QCA67), diese alle mit 1.000 US-Dollar-Stückelung.

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